Die Bäume an Straßen und in Grünanlagen in Hannover sind bislang gut durch den Sommer gekommen. Zwar haben Trockenheit und hohe Temperaturen in den vergangenen Wochen und Monaten die Pflanzen zusätzlich gestresst. Nach Einschätzung der Expert*innen des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt Hannover sind die Stadtbäume in diesem Sommer jedoch nicht außergewöhnlich belastet. Auch die Intensität der Bewässerung musste bislang nicht erhöht werden.
In der Landeshauptstadt stehen rund 50.000 Straßenbäume. Hinzu kommen etwa 200.000 weitere Bäume in Parks und Grünanlagen. Bewässert werden derzeit insgesamt rund 5.000 Bäume. Dabei handelt es sich in der Regel um jüngere Bäume, die sich noch an ihren Standorten etablieren müssen. Ältere Bäume erhalten nur im Einzelfall und bei dringendem Bedarf zusätzlich Wasser.
Neu gepflanzte Straßenbäume werden insgesamt fünf Jahre lang von der Stadt mit Wasser versorgt. In den ersten zwei bis drei Jahren erhalten sie in der Regel wöchentlich rund 200 Liter Wasser. Ab dem dritten Standjahr wird die Wassergabe auf einen zweiwöchentlichen Rhythmus reduziert. Damit soll erreicht werden, dass die Bäume zunehmend selbstständig mit den vorhandenen Wasserressourcen auskommen.
Die Bewässerungssaison hat in diesem Jahr im Mai begonnen. In trockeneren Jahren startete die Stadt bereits früher – beispielsweise im April, wenn die Witterung dies erforderlich machte. Die Bewässerungssaison endet im Spätherbst. Die Stadt versorgt die Bäume, solange sie Laub tragen.
Neun Bewässerungsfahrzeuge mit Gießarmen stehen dafür zur Verfügung. In besonders trockenen Jahren kann der Bedarf deutlich steigen. So wurden etwa im trockenen Jahr 2022 mehrere Hundert ältere Straßenbäume zusätzlich bewässert. Eine vergleichbare Situation zeichnet sich in diesem Sommer bislang nicht ab.
Eine Ausnahme bilden die Linden an der Georgstraße, die mit Laubabwurf erkennbar unter Trockenstress leiden. Der Standort ist für Straßenbäume besonders schwierig.
Die Stadt setzt bei der Bewässerung zunehmend auf moderne Technik. Digitale Steuerung, Bodenfeuchtesensoren und ein digitales Aufgabenmanagement unterstützen die Mitarbeitenden dabei, die Wasserversorgung gezielt am tatsächlichen Bedarf auszurichten.
In Hannover sind derzeit 400 Bodenfeuchtesensoren installiert. An ausgewählten Bäumen messen jeweils vier Sensoren die Feuchtigkeit in unterschiedlichen Bodentiefen direkt an den Wurzelballen – an der Oberfläche sowie in 30, 60 und 90 Zentimetern Tiefe.
Die Erfahrungen mit dem System sind nach Angaben des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün insgesamt sehr positiv. Die Technik erleichtert eine bedarfsgerechte Bewässerung und hilft, den steigenden Anforderungen durch den Klimawandel zu begegnen.
Neben den Straßenbäumen werden vor allem öffentliche Pflanzkübel im Innenstadtbereich sowie einzelne Beete bewässert. Insgesamt werden dafür etwa 11.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr eingesetzt.
Die jährliche Wassermenge hat sich seit der Entwicklung des neuen Bewässerungskonzepts ab 2018 insgesamt erhöht. Gründe dafür sind unter anderem die leistungsfähigere Technik, der wachsende Baumbestand mit zahlreichen Neupflanzungen sowie die gezielte wöchentliche Versorgung frisch gepflanzter Bäume. Im Vergleich zum Vorjahr wird aktuell allerdings nicht mehr Wasser ausgebracht.
Die intensivere Bewässerung gehört inzwischen zum Routinegeschäft des Fachbereichs. Die dafür erforderlichen Einsatzabläufe haben sich etabliert.
Nicht nur die Bäume, auch die städtischen Grünanlagen kommen mit der aktuellen Wetterlage bislang vergleichsweise gut zurecht. Eine außergewöhnliche Belastung durch Hitze und Trockenheit ist derzeit nicht festzustellen. Es ist gelungen, die Grünanlagen robust und trotzdem attraktiv zu gestalten.
Die von der Stadtverwaltung gepflegten Flächen umfassen insgesamt knapp 1.200 Hektar. Dazu gehören:
- öffentliche Grünflächen: rund 400 Hektar
- Parkanlagen: rund 210 Hektar
- Spiel- und Freizeitflächen: 115 Hektar
- Verkehrsgrün: knapp 240 Hektar
- Freiflächen an öffentlichen Liegenschaften: rund 180 Hektar
- sonstige Flächen: knapp 50 Hektar
Eine flächendeckende Bewässerung dieser Anlagen findet nicht statt. Im Mittelpunkt der Versorgung stehen die Straßenbäume sowie ausgewählte Pflanzflächen und Beete.
Mit Blick auf die kommenden Jahre gehen die Fachleute der Stadt davon aus, dass die Herausforderungen für das Stadtgrün weiter zunehmen werden. Steigende Temperaturen, der städtische Hitzeinsel-Effekt sowie häufiger auftretende und länger anhaltende Trockenperioden dürften den Aufwand für Unterhaltung und Bewässerung weiter erhöhen. Dies wird voraussichtlich auch Teile des Altbaumbestands betreffen.
Bei der Auswahl neuer Baumarten orientiert sich die Stadt unter anderem an den Empfehlungen der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) und deren Katalog „Zukunftsbäume für die Stadt“. Dabei werden grundsätzlich heimische Baumarten bevorzugt, insbesondere auf Grünflächen, weil sie wichtige Nahrung und Lebensräume für die heimische Tierwelt bieten. An besonders schwierigen Extremstandorten wie Straßen können jedoch auch nicht heimische, klimaresiliente Baumarten zum Einsatz kommen. Ein Beispiel sind die an der Schmiedestraße gepflanzten Zerreichen.
„Für die Stadt bedeutet der Klimawandel bereits heute einen höheren Kontroll- und Pflegeaufwand. Gleichzeitig bleibt die Verkehrssicherheit ein zentraler Aspekt bei der Pflege des Baumbestands“, erklärt die städtische Wirtschafts- und Umweltdezernentin Anja Ritschel. „Deshalb wird eine Kombination aus geeigneter Baumartenwahl, bedarfsgerechter Bewässerung und moderner Technik eine wichtige Rolle für die Widerstandsfähigkeit des hannoverschen Stadtgrüns spielen.“