Wasser sickert aus Schwitzschläuchen langsam in Beete. Tropfen für Tropfen gelangt die Feuchtigkeit direkt dorthin, wo sie gebraucht wird – an die Wurzeln der Pflanzen. Die Tröpfchenbewässerung ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die Herrenhäuser Gärten auf Hitze und anhaltende Trockenperioden reagieren. Es geht darum, Wasser gleichzeitig zu sparen und wirksam einzusetzen. Noch ist die Technik nicht überall im Einsatz: Die Umrüstung ist aufwendig, deshalb kommt sie nach und nach.
Die historische Gartenanlage bezieht das Wasser aus der benachbarten Leine. „Wir haben nah am Wasser gebaut, wie jeder historische Garten. Schon im Jahr 1700 hat Georg I. Rechte verbrieft, sodass Wasser aus der Leine entnommen werden darf," erklärt Prof. Dr. Anke Seegert, Direktorin der Herrenhäuser Gärten. Eine Filteranlage am Werkhof im Großen Garten bereitet das Wasser auf.
Es gibt eine weitere Wasserquelle: Zisternen fangen Regenwasser auf. Damit gießen die Gärtner*innen die Pflanzen unter Glas. „Das Kontingent der Zisternen ist bei langanhaltender Trockenheit begrenzt und irgendwann auch erschöpft. In diesem Jahr hatten wir aufgrund ergiebiger Gewittergüsse jedoch einen guten Füllstand, der bislang ausreicht“, erklärt Hans-Karl von Bodecker, Betriebsleiter der Herrenhäuser Gärten.
Den Großteil der Gartenanlage wässert das Personal mithilfe von Wassersprengern oder per Hand mit Gartenschläuchen. Auf diese Weise versorgen die Mitarbeiter*innen beispielsweise Schmuckbeete und -stauden, Kübelpflanzen sowie Teile des Rasens. Wann und wie viel Wasser sie benötigen, entscheiden sie nach Augenmaß und mit gärtnerischem Know-how. Im Berggarten kommt eine weitere wichtige Aufgabe hinzu: Die Wasserstände der Wasserläufe und Teiche müssen reguliert werden.
Dabei beachten die Herrenhäuser Gärten die Vorgaben der Region Hannover: Bei Temperaturen ab 27 Grad ist es untersagt, Beregnungsanlagen und Rasensprenger zwischen 11 und 17 Uhr zu nutzen. Daher weichen die Gärten auf die frühen Morgenstunden aus. Und sie automatisieren und modernisieren die Anlagen zunehmend.
Die neuen Tröpfchen- und Schwitzschläuche sind besonders effektiv, weil sie direkt am Boden angebracht sind. So verdunstet nur wenig Wasser. Da die Installation dieser Anlagen aufwändig ist, erfolgt sie schrittweise. Mulch in den Schmuckbeeten trägt dazu bei, dass weniger Wasser verdunstet. Zudem dämmt er das Unkraut ein.
Hitze und Trockenheit hinterlassen sichtbare Spuren in den Herrenhäuser Gärten. Für flach wurzelnde Gehölze ist die Situation besonders dramatisch. „Wenn sie den Anschluss zum fallenden Grundwasserspiegel verlieren, sind sie strapaziert. Langfristig werden es einige Gattungen – zum Beispiel Birken - schwer haben und könnten ausfallen“, erklärt Hans-Karl von Bodecker. „Das heißt jedoch nicht, dass wir keine Birken mehr sehen werden. Geschützt stehende Exemplare mit hohem Grundwasserstand und beschatteten Standorten werden überdauern und uns erhalten bleiben.“
Bodecker verweist auf Blattwelke und frühen Laubfall: „Das verdeutlicht den Trocken-Stress, unter dem die Pflanzen leiden. Es mutet zum Teil wie besonders früh einsetzender Herbst an, ist jedoch eine Folge der Klimaveränderung.“
Auch Rhododendren leiden unter den aktuellen Bedingungen. Neben der Trockenheit macht ihnen die geringere Luftfeuchtigkeit zu schaffen.
Auch die Menschen müssen mit Hitze klarkommen. Deshalb sind Arbeitsabläufe in den Herrenhäuser Gärten angepasst worden. Dazu gehört die Möglichkeit, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Ein Arbeitsbeginn ist bei Bedarf bereits ab 6 Uhr möglich. In Hitzeperioden sind die Beschäftigten zudem aufgerufen, Überstunden abzubauen, früher Feierabend zu machen oder flexibel Urlaub zu nehmen.
Schattige Arbeitsplätze werden bevorzugt. Die Beschäftigten können auf Kopfbedeckungen, Sonnencreme, Getränke, feuchte Handtücher und Trinkpausen zurückgreifen. Für Flächen unter voller Sonne gibt es pragmatische Lösungen: Unkraut wird unter mobilen Pavillons gejätet. Oder die Beschäftigten verlegen die Arbeit auf solchen Arealen in die frühen Morgenstunden.