Die Landeshauptstadt Hannover beabsichtigt, dem Insolvenzverwalter des Ihme-Zentrums ein Massedarlehen von bis zu einer Million Euro zur Verfügung zu stellen. Damit soll ein Klageverfahren finanziert werden, mit dem die Rechtmäßigkeit von zwei Grundschulden auf dem Ihme-Zentrum überprüft werden soll.
Aus Sicht der Stadt könnte ein erfolgreicher Ausgang des Verfahrens die Chancen erhöhen, städtische Forderungen gegenüber dem insolventen Großeigentümer zu realisieren. Gleichzeitig würden sich die Perspektiven für die weitere Entwicklung des Ihme-Zentrums verbessern.
Das Insolvenzverfahren der Projekt IZ Hannover GmbH (PIZ) wird derzeit von zwei Grundschulden in Höhe von insgesamt 290 Millionen Euro geprägt. Die Landeshauptstadt Hannover hat Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieser Eintragungen.
Der Gläubigerausschuss hat deshalb am 12. Juni 2026 beschlossen, den Insolvenzverwalter Dr. Malte Köster mit der gerichtlichen Prüfung und Anfechtung der Grundschulden zu beauftragen.
Die Höhe der tatsächlich benötigten Mittel hängt vom Streitwert ab, den das zuständige Gericht festlegen wird. Der nun vorgesehene Darlehensrahmen von maximal einer Million Euro dient der Finanzierung dieses Verfahrens.
Oberbürgermeister Belit Onay erklärt: „Eine Grundschuld in Höhe von 290 Millionen Euro auf dem Ihme-Zentrum ist absurd und nur mit buchhalterischen Taschenspielertricks zwischen Ulrich Marseille und Lars Windhorst zu erklären. Als Stadt werden wir uns den Interessen dieser Finanzjongleure nicht unterwerfen. Ich bin froh, dass die Ratspolitik das Vorhaben mit breiter Mehrheit unterstützt. Unsere klare Botschaft lautet: Spekulanten sind in Hannover nicht willkommen.“
Kämmerer und Erster Stadtrat Axel von der Ohe sagt: „Die immens hohe Grundschuld wirkt wie ein Totalstopp für das Ihme-Zentrum, da sie massiv über dem Verkehrswert des gesamten Objektes liegt. Wenn infolge einer erfolgreichen Anfechtung der Grundschuld ein leistungsfähiger Eigentümer der PIZ-Anteile gewonnen werden kann, würde das eine ersehnte Perspektive für das Ihme-Zentrum bringen können.“ Er ergänzt: „Die Chancen, die sich aus diesem Vorgehen ergeben, rechtfertigen diese Investition, insbesondere da die Risiken des Massekredites für die Stadt beherrschbar sind und aufgrund der rechtlichen Rangordnung des Massekredites ein Ausfall unwahrscheinlich ist.“
Insolvenzverwalter Dr. Malte Köster erklärt: „In den zurückliegenden Monaten haben wir intensiv daran gearbeitet, dass wieder pragmatisch über Sachfragen gesprochen wird. Wir begrüßen es, dass sich die Landeshauptstadt Hannover nunmehr bereit erklärt hat, den Prozess zur gerichtlichen Klärung von möglichen Anfechtungsansprüchen zu finanzieren. Den eingeschlagenen Weg werden wir kontinuierlich weiterverfolgen, um die offenen Fragen und hochkomplexen Problemstellungen beim Ihme-Zentrum zu klären.“
Die Stadtverwaltung wird in dieser Woche eine entsprechende Drucksache einbringen. Über die Bereitstellung des Darlehens sollen der Verwaltungsausschuss und der Rat der Landeshauptstadt Hannover am 25. Juni 2026 beraten und entscheiden.