USA 1937, Frank Capra, 133 Minuten, FSK 6, englisches Original mit Untertiteln
Im Jahre 1935 wird der erfahrene Diplomat Robert Conway (Ronald Colman) von seiner Regierung zwischen die Fronten einer chinesischen Rebellion geschickt, um britische Staatsangehörige aus dem unsicheren Gebiet zu retten. Conway gelingt sein Vorhaben und bringt alle Angehörigen aus dem Krisengebiet raus und auch mit seinem Bruder George (John Howard) und noch ein paar weiteren Personen schafft er es den letzten Flieger zu ergattern. Doch schon bald müssen die Passagiere feststellen, dass sie bis tief in die Berge des Himalayas fliegen. Schließlich finden sie sich in Shangri-La, einem tibetischen Kloster in einem Bergtal wieder. Schnell wird klar, dass sie nicht per Zufall an diesen Ort gelangt sind, sondern entführt wurden.
Mit filmmusikalischer Einführung von Annette Richter.
Dimitri Tiomkins großorchestrale Musik zu „Lost Horion“ war sein großer Durchbruch in Hollywood und gleichermaßen ein Traum für einen Komponisten: Das eskapistische Narrativ um das verwunschene Shangri-La und seine zunächst unfreiwilligen Besucher der 1930er Jahre gab ihm reichlich Raum für spätromantisches Schaffen. Tiomkin kommt mit nur wenigen musikalischen Schritten in Richtung „Asien“ aus – beispielsweise beim Heranrücken der rettenden Karawane zu Beginn des Films – und verleiht dem Lost-World-Geschehen ansonsten mit lyrischen Chören und einem schwelgerischen Hauptmotiv den Nimbus des der Zivilisation Entrückten. Der Figur des Hohen Lama und seiner schier unglaublichen Erzählung vom verzögerten Altern ordnet er u.a. ein kurzes, aber hoch markantes Sakral-Motiv auf der Orgel zu, wie er ganz generell hier und da Kantaten-artige Motive einstreut. In einem Fall findet sich zudem ein unüberhörbares Americana-Motiv. Weitere Höhepunkte sind ein Trauermarsch mit Trauergesängen, der mit Newmans und Herrmanns „The Egyptian“ mithalten kann, und natürlich das hoch dramatische, chromatisch einen Schneesturm widerspiegelnde Finale.
Filmmusik vom Feinsten in Frank Capras pazifistischer, heute leider wieder auf das Weltgeschehen passender Kino-Perle – ein absolutes Muß für Film(musik)freunde!