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Zehn Geheimnisse aus Hannover

Das Schwimmbad im Ihme-Zentrum

Die "Stadt in der Stadt" – das war das Leitmotiv für den Bau eines monumentalen Wohn-, Arbeits- und Einkaufszentrums am westlichen Flussufer der Ihme im hannoverschen Stadtteil Linden-Mitte. Am 11. November 1971 war die Grundsteinlegung für das rund 700 Meter lange, 200 Meter breite und stark verwinkelte Großprojekt am Wasser mit 860 Wohnungen in bis zu 22-stöckigen Hochhäusern, einer durchgängigen Ladenpassage über den Straßen der Umgebung, einer Tiefgarage auf zwei Ebenen – und einem eigenen Schwimmbad. 

Wer suchet, der findet

Im Grunde war das schon immer das Motto im Ihme-Zentrum. Der gewaltige Betonbau ist an vielen Stellen derart verwinkelt und unübersichtlich, dass man schon einen sehr guten Orientierungssinn haben muss, um sich nicht sofort zu verlaufen in dem mittlerweile vielerorts maroden Komplex. Und wo ist bzw. war nun das angebliche Schwimmbad? Die Schnitzeljagd beginnt bereits beim Betreten des Ihme-Zentrums, das sich über mehrere Ebenen sowohl in die Höhe als auch in die Tiefe erstreckt und Gewohntes in eine andere Dimension verrückt: Während die Tiefgarage sich auf dem Straßenniveau und der Ebene darunter befindet, liegt die Einkaufspassage in der ersten Etage darüber und ist (bzw. war einmal) über Rolltreppen und Brücken zu erreichen.

Wer nun das Ihme-Zentrum über die Spinnereistraße im Norden gegenüber den drei "Drei warmen Brüdern" vom Heizkraftwerk Linden betritt, befindet sich tatsächlich auf der Höhe des oberen Parkdecks der Tiefgarage und spaziert auf dem schmalen Gehweg in Richtung Schwarzer Bär mit Blick auf die Ihme geradewegs entlang einer unverputzten Wand aus weißem Kalksandstein – und genau dahinter soll sich das Schwimmbad befunden haben, in dem nie geschwommen wurde. Angeblich diente die geisterhafte Badeanstalt in den 1980er Jahren den hannoverschen Stadtwerken als Archiv. Nichts von dem deutet heute mehr darauf hin in der gespenstisch dunkel wirkenden Passage mit den ihren Bauzäunen, blanken Betonpfeilern und Bretterwänden. Wirklich gar nichts?

Nicht hier und nicht ganz: Wer von der Kalksandsteinwand weiter in Richtung des Haupteingangs zur Lee-Gym-Kampfsport-Schule geht, erreicht nach ein paar Schritten zur Linken eine enge, nach oben führende Wendeltreppe. Mit der letzten Stufe erklimmt man die Ebene über der ehemaligen und jetzt baufälligen und durchweg abgesperrten Einkaufspassage. Inmitten der trostlosen Leere unter den Füßen und der kleinen Idylle im Grünen auf dem Obergeschoss sind die ehemaligen Entlüftungsschächte des nie in Betrieb genommenen Schwimmbades darunter zu sehen – erkennbar an ihren gelb gestrichenen Lüftungsgittern über der dunkelbraunen Holzverkleidung. Wer dann noch etwas genauer hinschaut, wird auch die grandiose Aussicht von dort oben auf die Dächer der City bemerken.  

Wenn ein Plan zur Utopie wird

Vollkommen unsichtbar ist ein weiteres offenes Geheimnis des Ihme-Zentrums, das übrigens auf den Grundstücken der 1961 geschlossenen Mechanischen Weberei und der Lindener Backpulver- und Brotfabrik errichtet wurde: Der Komplex ist insgesamt und speziell im Bereich des Ihmeplatzes so angelegt worden, dass nachträglich ein U-Bahn-Tunnel für die geplante D-Strecke der Üstra-Stadtbahn Hannover unter dem Fundament hätte gebaut werden können. Das ist bekanntermaßen bis heute ebenso wenig geschehen wie die Einweihung des geplanten Schwimmbades und leider auch die seit Jahren überfällige Sanierung und Wiederbelebung der rund 285.000 Quadratmeter großen "Stadt in der Stadt".