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Zehn Geheimnisse aus Hannover

Die versteckten Freimaurersymbole im Hinüberschen Garten

Der Hinübersche Garten in Marienwerder am nordwestlichen Stadtrand von Hannover wurde um das Jahr 1767 nach den Plänen von Jobst Anton von Hinüber angelegt und zählt zu den frühesten Landschaftsparks in Deutschland. Die idyllisch zwischen Kloster und Leineufer gelegene Parkanlage gestaltete der frühere Stuhlmeister (Vorsitzende) der 1746 in Hannover gegründeten Freimaurerloge "Friedrich zum weißen Pferde" nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten und versah sie mit bedeutungsvollen Sinnsprüchen und Symbolen der Freimaurer. Nicht alle sind erhalten geblieben, und manche wollen gefunden werden. 

Wer oder was sind die Freimaurer?

Freimaurer verstehen sich als eine Gemeinschaft von Menschen, die das eigene Handeln und den Umgang mit sich selbst und der Umwelt nach den moralischen Maßstäben von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität ausrichten. "Ziel ist hierbei ein gefestigter Charakter sowie im übertragenen wie konkreten Sinne ein besserer Mensch zu werden", wie die Bruderschaft der Freimaurer e.V. mit Sitz in Berlin auf ihrer vereinseigenen Webseite erklärt und hinzufügt: "Die in der Freimaurerei verwendeten Symbole sind mit der immer wiederkehrenden Aufforderung verbunden, ständig über sich selbst sowie die eigene Beziehung zu anderen nachzudenken."

Sinnsprüche beschreiben die Bestimmung des Menschen

Wo ginge diese Selbstbesinnung besser als in der Natur oder einem besonders dafür angelegten Park? An mehr als 30 besonderen Orten in "seinem" damals noch rund etwa 40 Hektar großen Garten ließ Jobst Anton von Hinüber freimaurerische Tafeln mit Sinnsprüchen aufstellen. Aus der Broschüre "Der Hinübersche Garten" der Landeshauptstadt Hannover Fachbereich Umwelt und Stadtgrün ist zu erfahren, dass viele davon in englischer Sprache verfasst waren. Etwas mehr über die Sinnsprüche im Hinüberschen Garten verrät ein von einem anonymen Autor verfasstes Pamphlet aus dem Jahre 1777: "Wie dieser Garten überhaupt nach dem Natursinne der Engländer eingerichtet ist; so ist ers auch in der Wahl, Art, dem Geschmack der Inschriften. Sie sind kurze Erinnerungssprüche, die auf Bestimmung des Menschen, Fliehen der Zeit, auf Verhältnisse der Zeit und Ewigkeit, auf Vernünftigkeit in sinnlichen Erlustigungen, auf Gebrauch ächter Lebensweisheit hinweisen, also insgesamt ernsten, philosophischen, sittlichen Inhalts." Neun dieser Sinnsprüche sind seit 2013 auf eigens dafür angefertigten Sockeln wieder im Park zu finden. Sie zu finden, das überlassen wir dem aufmerksamen Wanderer.

Symbole weisen den Weg des Suchenden

Sofort ins Auge fallen hingegen die Symbole der Freimaurer im Hinüberschen Garten. Wenngleich auch nicht immer und überall. Nicht zu übersehen sind die historischen Gedenkurnen in der Nähe des ehemaligen Amtmannhauses am Kloster (zu Ehren von Gerlach Adolph Freiherr von Münchhausen 1688-1770), am Weg zum "Hexenturm" (in Erinnerung an den Rechtsgelehrten im Dienste des ehemaligen Fürstentums Calenberg Julius Melchior Strube 1725-1777) und auf einer kleinen Anhöhe am Waldesrand (in Gedenken an den Geheimen Rat- und Staatsminister zu Hannover Burchard Christian von Behr 1714-1771).

Auch das Denkmal für den Sohn Gerhard von Hinüber macht zwischen Ahornbäumen und Eschen mindestens ebenso fotogen auf sich aufmerksam wie Kunstinstallation "Humanität" des Ateliers LandArt mitten auf der grünen Wiese. Weniger offensichtlich dagegen sind die drei Feldsteine des sogenannten Druidenaltars unter einer alten Eiche in der südwestlichen Nachbarschaft. Nach freimaurerischer Deutung beginnt hier der Initiationsweg des Suchenden, in dessen symbolischem Verlauf sich der Lehrling zum Gesellen und schließlich zum Meister entwickelt.

Gut versteckt und doch unverkennbar

Schon von weitem gut zu erkennen ist der sogenannte "Hexenturm" – eine künstliche Ruine auf einer Anhöhe im Wald im Nordosten des Hinüberschen Gartens. Hier endet der Initiationsweg der Suchenden mit dem Erreichen des Meistergrades und der Ruine als Symbol für die Vergänglichkeit und die eigene Sterblichkeit. Außer Sichtweite steht der schließlich der Obelisk auf dem 65 Meter hohen Glockenberg im nördlichen Gartenteil auf der anderen Seite der Garbsener Landstraße. "Die Freimaurerei sieht in dem Obelisken ein Symbol für das Leben. Ohne Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. In der Freimaurerei steht der Obelisk für die Verbindung des ‚Großen Baumeisters aller Welten’, wie die Freimaurer das göttliche Prinzip bezeichnen, mit der Erde. Die Sichtachse vom Obelisken zum Hexenturm symbolisiert somit auch, dass am Ende des Lebens der Tod steht", wie die Broschüre „Der Hinübersche Garten“ der Landeshauptstadt Hannover Fachbereich Umwelt und Stadtgrün informiert. Welche anderen Freimaurersymbole noch im Hinüberschen Garten zu finden sind, das möchten wir dem geneigten Entdecker überlassen. Ein letztes verstecktes Symbol jedoch wollen wir hier noch mit auf den Weg geben: Obelisk, Hexenturm und Amtmannhaus bilden zusammen ein gleichseitiges Dreieck – das Erkennungszeichen der Freimaurer.