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Zehn Geheimnisse aus Hannover

Dunkles Zeichen aus der Vergangenheit

Die imposante Fassade des Backsteingebäudes am Herrenhäuser Kirchweg 11 verführt und lenkt den Blick geradewegs auf die offensichtlich schönen Details wie die Zinnen und Erker zwischen den vielen Fenstern und den runden Turm an der Ecke zur Reinholdstraße. Nur wer genau hinschaut, entdeckt das kleine Geheimnis aus den düsteren Tagen des Mohrmann-Hauses in der Nordstadt von Hannover.

Ein dunkles Zeichen aus der Vergangenheit

Um 1900 ließ der hannoversche Architekt Karl Mohrmann im so genannten "Landhausviertel" nicht weit entfernt von den Herrenhäuser Gärten für die eigene Familie ein repräsentatives Wohnhaus errichten, das bei den Luftangriffen auf Hannover 1943 ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Damals wurden nach jedem Bombenangriff und dem Ende des Fliegeralarms alle beschädigten und zerstörten Gebäude und Häuser nach Überlebenden und Leichen durchsucht und anschließend markiert, um andere Suchtrupps über das Ergebnis der bereits erfolgten Durchsuchung zu informieren: ein schwarzes Kreuz an der Hauswand signalisierte "Auf Leichen durchsucht", ein weißes Kreuz stand für "Leichen gefunden". Auch am Mohrmann-Haus ist noch immer ein schwarzes Kreuz aus dieser Zeit zu sehen, das bis heute daran erinnert, dass das ehemals fast vollständig zerstörte Gebäude nach Leichen durchsucht worden war. Das dunkle Zeichen aus der Vergangenheit befindet sich etwas versteckt hinter einer Hecke an der Hauswand links unterhalb eines großen Fensters zum Herrenhäuser Kirchweg.

Aus der Not wieder aufgebaut

Das heute denkmalgeschützte Haus Mohrmann mit seinen gotischen Stilelementen und dem Bildnis des Bauherrn Karl Mohrmann an der Klinkerfassade (der zwischen zwei Miniatursäulen oben am Turm in Richtung Herrenhäuser Kirchweg blickt) sollte nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich abgerissen werden. Die Luftangriffe auf Hannover hatten fast die Hälfte aller Gebäude in der Stadt zerstört, ein heiles Dach über dem Kopf oder gar eine eigene Wohnung war wie so Vieles in diesen Jahren Mangelware. Aus dieser Not heraus wurde die Mohrmann-Ruine wieder aufgebaut, wobei der ehemals hohe Turm nur bis auf die Höhe des Daches wieder aufgestockt und der ursprünglich reich verzierte Schaugiebel am Herrenhäuser Kirchweg nun schlicht verputzt wurde.

Manches bleibt einfach nur in schöner Erinnerung

Die Pracht von einst wollen die Urenkel von Karl Mohrmann nun wieder herstellen lassen. Dafür haben sie den in Wennigsen ansässigen Architekten Thomas Ceglarek beauftragt, der auch schon den Umbau von Schloss Marienburg gestaltet hat: auf der Grundlagen von alten Bauplänen sollen neben den bestehenden sechs Mietwohnungen im Dachgeschoss zwei neue Wohnungen entstehen, der heute schlichte Schaugiebel soll wieder in alter Schönheit erstrahlen und auch der Turm daneben soll seine Zinnen zurück bekommen. Manch anderes jedoch wird wohl einfach nur eine schöne Erinnerung aus unbeschwerten Tagen bleiben: "Im Turm befanden sich seinerzeit das Kinderzimmer sowie ein fensterloses Zimmer, in dem der Hausherr 'ausgewählten Gästen' lichtempfindliche Artefakte seiner ägyptischen Sammlung präsentierte. Ebenfalls blickgeschützt, aber lichtüberflutet, nutzte der Sohn von Karl Mohrmann, Bernward Mohrmann, die Dachterrasse hinter den Zinnen des Hauses für unkonventionelle FKK-Freuden", wie sich mit einem Schmunzeln bei Wikipedia nachlesen lässt.