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Zehn Geheimnisse aus Hannover

Nirvana liegt nicht in Herrenhausen, ist dort aber aufgetreten

Über 40 Jahre war das Schwimmbad am heutigen Westschnellweg bei den Herrenhäuser Gärten der Trainingspool für den Hannoverschen Schwimmverein von 1892. In den 1980er Jahren dann wurde das Freibad in der Leinemasch zum alternativen Club- und Konzertlocation "Musiktheater Bad". Heute macht die Anlage einen verlassenen und verwitterten Eindruck und nichts deutet mehr darauf hin, dass auf der Feiluftbühne einmal künftige Weltstars zu Gast gewesen waren. 

Nirvana schreibt in Hannover Musikgeschichte

1938 hatte der Hannoversche Schwimmverein von 1892 e.V. gegenüber den Herrenhäuser Gärten sein eigenes Schwimmbad inklusive Vereinsheim eröffnet. 1980 gab Hannovers ältester Schwimmverein das Freibad wieder auf und nutzte für Training und Wettbewerbe fortan das Stadionbad am Maschsee sowie das Fössebad und im Sommer das Volksbad im hannoverschen Stadtteil Limmer, während das ehemalige HSV-Schwimmbad zum "Musiktheater Bad2 umfunktioniert wurde – mit mal mehr und mal unglaublich wenig Gästen.

Zu den Clubpartys auf dem Open-Air-Gelände kamen die Anhänger von Electro-, Punk- und Wave-Musik in Scharen, unvergessen hingegen waren die Gigs von Komiker Helge Schneider vor gerade einmal sieben Zuschauern und der legendäre Auftritt der 1987 gegründeten US-amerikanischen Grunge-Band Nirvana mit nur rund 100 Fans. "Müde, gereizt und genervt waren die drei langhaarigen US-Amerikaner, die im Jahr 1989 die Bühne im Musiktheater Bad betraten. Seit knapp zwei Wochen waren Kurt Cobain, Krist Novoselic und der damalige Nirvana-Drummer Chad Channing bereits in Europa unterwegs, um auf ihr Debütwerk 'Bleach' aufmerksam zu machen. Doch da ihre Plattenfirma das Budget für die Tournee sehr knapp bemessen hatte, mussten die Musiker die Wege zwischen den Auftrittsorten zu neunt (die Vorband fuhr selbstverständlich mit) in einem klapprigen Kleinbus von Fiat zurücklegen. Von dem Rockstar-Dasein, das die Erfinder des Grunge zwei Jahre später führen sollten, waren die jungen Männer bei ihrem Besuch in Herrenhausen also noch weit entfernt. Dementsprechend fiel auch der Auftritt im Musiktheater aus. Sie spielten sich mehr schlecht als recht durch ihre Stücke. Den Song 'Mr. Moustache' musste die Band sogar vorzeitig abbrechen, weil sich Cobain an der Gitarre verhaspelt und nicht wieder gefangen hatte. Nach 50 Minuten war Schluss – und dennoch gilt das Konzert heute als Sternstunde in der Geschichte der hannoverschen Rockmusik.“ (Quelle: Neue Presse vom 28. Juni 2011).

Rockkonzerte und Techno-Partys am Beckenrand

Später waren auch die deutsche "Godmother of Punk" Nina Hagen, der Berliner Skandal-Rapper Sido, die Rockband Rammstein, die Bloodhound Gang und Tito & Tarantula aus den USA und Fury in the Slaughterhouse aus Hannover zu Gast im Musiktheater Bad. And last but also least die Techno-Partys mit Sven Väth. Das letzte große Musikevent "Appollon’s Park" mit dem in aller Welt bekannten DJ im August 2010 durfte allerdings wegen "mangelhafter Erfüllung von Brandschutz-, Standsicherheits- und Lärmschutzanforderungen" nicht im ehemaligen HSV-Freibad stattfinden und wurde kurzerhand in die hannoversche Großraumdisko "Funpark" verlegt. Seitdem ist Ruhe eingekehrt auf dem heute mit Grün überwucherten und verwitterten Open-Air-Gelände des Musiktheaters Bad, das seit Dezember 2001 vom gemeinnützigen Verein Kultur-Pool e.V. als "kulturelles Begegnungszentrum und multikultureller Veranstaltungsort" betrieben wird. Seit 2011 ist das Ex-Freibad aus Sicherheitsgründen für Veranstaltungen gesperrt. Im Innenbereich jedoch fanden zumindest bis Ende 2019 noch regelmäßig Veranstaltungen statt.