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Zehn Geheimnisse aus Hannover

Salziger als die Nordsee: die Fösse

Die Fösse ist der "Hausbach" des hannoverschen Stadtteils Linden – gerade einmal acht Kilometer lang und der linke Nebenfluss der Leine, die mitten durch die City der niedersächsischen Landeshauptstadt fließt. So klein und kurz sie auch ist, die Fösse hat’s in sich: Sie ist mit einem Salzgehalt von fast 100 Gramm pro Liter deutlich salzhaltiger als die Nordsee! Aber warum ist das so?

Süß und salzig zugleich –  sehr geheimnisvoll

Das Geheimnis lüftet sich langsam, wenn man zur Quelle der Fösse zurückkehrt – die im Grunde keine ist, was ja schon wieder recht geheimnisvoll klingt. Die Fösse bildet sich als kleines Gewässer im Waldstück Velberholz zwischen den Seelzer Stadtteilen Velber und Harenberg in der westlichen Nachbarschaft von Hannover. Sie entsteht durch das Zusammenfließen kleiner Gräben im Wald, die vom salzhaltigen Sickerwasser der Kaliabraumhalden in Empelde und Ronnenberg gespeist werden. In diesen Bergwerken wurden die salzigen Ablagerungen von flachen Binnenmeeren im sogenannten Germanischen Becken von vor über 250 Millionen Jahren zu Tage gefördert. Das Chlorid im Haldenwasser von Bade und Salzgraben erhöht den Salzgehalt in der süßen Fösse auf manchmal fast 100 Gramm (bzw. 100.000 Milligramm) pro Liter. "Interessant ist auch ein Vergleich mit dem Chloridgehalt der Nordsee. Dieser liegt bei rund 19.000 mg/l. Bei der bisher höchsten Chloridkonzentration von 91.500 mg/l, die in der Fösse gemessen wurde, war diese folglich 4,8 mal salziger als die Nordsee! Als Folge der hohen Chloridwerte ist die Fösse auf dem größten Teil ihrer Fließstrecke biologisch verödet. Außer einigen Algen sind unterhalb der Salzeinleitung keine lebenden Organismen zu finden. Statt dessen haben sich im Laufe der Zeit salztolerante Pflanzen an Stellen angesiedelt, wo die Bachufer nicht mit Beton oder Holzfaschinen befestigt sind. Diese Arten prägen sonst die Salzwiesen an der Nordseeküste und sind im Binnenland sehr selten anzutreffen." (Quelle: http://www.lebensraum-linden.de).

Strand-Astern und andere Nordsee-Pflanzen – mitten in Hannover

Da die Fösse nur sehr wenig Wasser mit sich führt, fällt sie in den warmen Sommermonaten häufig trocken. Wie langsam und still das salzige, bräunlich-grüne Wasser der Fösse durch die Landschaft fließt, wird besonders gut sichtbar nahe der Brücke an der Woermannstraße im Stadtteil Badenstedt. Vom breiten Geh- und Radweg durchs Grüne lassen sich die Halophyten gut erkennen – Pflanzen mit dicken, runden Blättern (in denen sie das Salz speichern), die sonst nur an der Nordsee zu finden sind und die den salzigen Boden als Lebensgrundlage brauchen. Im Spätsommer fal­len die lila bis weiß blühenden Strand-Astern (Aster tripolium) und im Herbst die dunkelrot gefärbten Quellerfluren an der Fösse auf. Die Ausdehnung der Salzflora an der Fösse stellt niedersachsenweit eine Besonderheit dar. Nicht weit von den dortigen Schrebergärten entfernt befindet sich auch eine Wassertretanlage, die 2014 vom Bürgerverein Badenstedt errichtet wurde.

Vom Benther Berg ganz in der Nahe strömt die Fösse durch den Grünzug Fössetal bis zur Güterumgehungsbahn am Rande von Linden-Mitte. Ab hier fließt sie in einem kanalartigen Bett bis zur Davenstedter Straße, unterquert den Lindener Hafen in ei­nem Düker und tritt unterhalb der Straße Am Lindener Hafen wieder an die Oberflä­che. Etwa 300 Meter oberhalb des Her­renhäuser Wehres mündet die Fösse schließlich in die Leine. Der geheimnisvolle Bach stand mit seinem Namen (der sich von dem lateinischen Wort "Fossa" für "Graben" ableiten lässt) übrigens auch Pate für die Fössestraße im hannoverschen Stadtteil Linden-Mitte sowie für das Fössebad (1838 als Flussschwimmbad eröffnet und 1960 als Deutschlands erstes Hallen- und Freibad neu eröffnet) und das frühere Schulzentrum Fössefeldschule (seit 2011 Albert-Schweitzer-Schule) im Stadtteil Limmer.