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Hannover von unten

Hanebuths Gang

Der Eingang zu Hanebuths Gang befindet sich am Leineufer – eine unscheinbare Pforte mit Eisenstäben davor, von der wohl kaum jemand Notiz nimmt, wenn über ihr auf der Promenade Am Hohen Ufer die Menschen bei schönem Wetter flirten und flanieren oder jeden Samstag über den Flohmarkt schlendern.

Ufermauer © hannover.de

Hinter dieser Metalltür in der Mitte am Leineufer verbirgt sich Hanebuths Gang.

Dieser mysteriöse Tunnel unter der Altstadt erhielt seinen Namen vom legendären Raubmörder Jasper Hanebuth aus Hannover, der dort angeblich seine Beute und manchmal auch sich selbst versteckt haben soll. 

Geheimnisvolle Geschichte(n)

Der heute teilweise verschüttete Tunnel unterhalb der ehemaligen Hofmarställe entstand im 16. Jahrhundert und ist ein unterirdischer Gang, der einst vermutlich von der Kreuzkirche am Rande der dahinterliegenden Altstadt geradewegs zur Stadtmauer am Leineufer führte. Das hört sich eher unspektakulär an, viel spannender klingt und erzählt sich da doch die Kriminalgeschichte vom bösen Buben Hanebuth, der im 17. Jahrhundert in Hannover sein Unwesen trieb und vermeintlich ein geheimes Versteck unter der Stadt hatte.

Immerhin muss der am 8. Februar 1607 im hannoverschen Stadtteil Groß-Bucholz getaufte Jasper Hanebuth ein wirklich schlimmer Finger gewesen sein: 19 Morde und mindestens 10 Pferdediebstähle soll er in der Stadt verübt haben. Das zumindest gestand Hanebuth, der während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) als Söldner in schwedischen Diensten gewesen war, nach seiner Verhaftung am 14. November 1652. "Seine Mordserie begann wohl, nachdem im Krieg Hanebuths Haus in Buchholz abgebrannt war. Um zu Geld zu kommen, tötete er bei Bothfeld einen Marketenderjungen mit einem Kopfschuss. Mit zwei Kameraden warf er die Leiche in den Graben, drei Pferde nahmen sie dem Jungen ab. [...] Mal mordete er allein, mal mit wechselnden Kameraden. Oft saß er in Wirtshäusern, zechend und würfelnd, um Reisende zu belauschen, denen er später auflauerte. Mal erwischte es einen kaiserlichen Musketier, mal erschossen sie einen schwedischen Reiter im Bothfelder Moor, um ihm 50 Taler abzunehmen. Beim Dorf List töteten sie 1641 einen Marketender und dessen Sohn", wie in einem Zeitungsbeitrag über den im Februar 2010 erschienenen Geschichtsroman "Die Konkubine des Mörders" von Bettina Szrama zu lesen ist, der von der fatalen Romanze zwischen dem Verbrecher Jasper Hanebuth und seiner Geliebten Marie erzählt.

Reich an Legenden

Weniger romantisch hingegen endet die Geschichte vom mordenden Pferdedieb: am 4. Februar 1653 wird Jasper Hanebuth am Steintor durch Rädern öffentlich hingerichtet. Sein mutmaßliches Versteck am Leineufer befindet sich nur einen Steinwurf entfernt und endet ebenfalls abrupt: der gemauerte Verbindungstunnel zwischen Stadtmauer und Kreuzkirche, der Legende nach eben Hanebuths Gang, ist bereits nach 25 Metern dicht und verschüttet. Offen zugänglich bleiben die haarsträubende Kriminalstory eines neben Fritz Haarmann mindestens ebenso bekannten und berüchtigten Serienmörder von Hannover und die Spekulationen darüber, wo Jasper Hanebuth denn nun tatsächlich die Beute von seinen Raubzügen rund um den Stadtwald Eilenriede versteckt hatte. Wer weiß, vielleicht ja irgendwo im Unterholz vor dem damaligen Aegidientor oder am Schiffgraben in der Nähe vom früheren Eingangsgebäude des Zoologischen Garten, wo eine Bank alias "Hanebuths Block" den Eingang zu seiner Räuberhöhle markieren soll.

Führungen

Der Veranstalter Stattreisen bietet zwei Führungen für Schulklassen und Kindergruppen an, die auch Halt beim Hanebuth-Gang machen. Bei der Tour "Zwischen Hafergrütze und Murmelspiel" nimmt der Tourguide Acht- bis Zehnjährige auf eine Zeitreise in das 17. Jahrhundert mit. Die Führung "Geheimnis, Gruften und Gestalten" richtet sich an 11- bis 14-Jähige und macht mit ihnen eine Reise ins Mittelalter und in die frühe Neuzeit.