Als im November 1922 das 62. Grab im Tal der Könige entdeckt wurde, war schnell klar: Dieser Fund wird als einer der bedeutendsten der Archäologie in die Annalen eingehen.
Einen wesentlichen Beitrag zur sofortigen Bekanntheit des Grabschatzes steuerte das Entdecker-Duo, Howard Carter (1874–1939) und George Hubert, 5th Earl of Carnarvon (1866–1923), selbst bei, durch eine raffinierte und umstrittene Publikationspolitik. Exklusivrechte verkauften sie an die Zeitung „The Times“, die ihrerseits alle Berichte weltweit weitervermarktete.
Noch während der Grabfundbergung veröffentlichte Carter 1923–33 drei Bände, die in den Folgejahren in der deutschen Übersetzung des Leipziger Ägyptologie-Professors Georg Steindorff erschienen sind. Diese populärwissenschaftlichen Bücher waren am Ende auch alles, was Carter die Welt über seinen Sensationsfund selbst wissen ließ – zu einer wissenschaftlichen Publikation ist es nie gekommen.
Aus diesem Grund ist auch die aktuelle Tutanchamun-Forschung gezwungen, sich mit seinen Bänden auseinanderzusetzen und zu versuchen, wie Carter‘sche Fiktion von archäologischer Realität trennbar ist.