Erkenntnisse

Innenstadtdialog Hannover: Das sind die Eckpfeiler für die City von morgen

Oberbürgermeister Belit Onay und Stadtbaurat Thomas Vielhaber stellten die wichtigsten Erkenntnisse des Innenstadtdialogs vor. 

Verweilen und Flanieren unter einem Blätterdach, im Kulturdreieck Kunst genießen, mehr Grün und mehr Wasser, mehr Inklusion und Miteinander, mehr Aufenthaltsqualitäten und mehr Nutzungsmischung, keine störenden Autos mehr am Straßenrand, Rückbau von Ampeln und mehrspurigen Straßen innerhalb des Cityrings: Das sind zentrale Leitgedanken zur zukünftigen Gestaltung der Innenstadt. Die wichtigsten Erkenntnisse des Innenstadtdialogs hat die Stadt am 24. Mai vorgestellt – und buchstabiert diese Überlegungen mit zahlreichen Planungen und Illustrationen für Plätze und Straßen aus. 

Hannovers Innenstadt wird sich verändern. Sie wird zu einem Verweilort. Die Georgstraße gegenüber der Oper wird ein einladender Boulevard, der in beide Richtungen mit dem Fahrrad befahrbar ist. Das Areal um die Marktkirche mit seinem Flohmarkt, der entstehenden Leinewelle und den Restaurants und kulturellen Angeboten rund um den Ballhof wird direkt an die Fußgängerzone angebunden. Dafür soll die Schmiedestraße so umgestaltet werden, dass sie nicht länger die Fußgängerzone von der Altstadt trennt. Auch das Areal um den Bahnhof – einer der Treffpunkte der Stadt – wird städtebaulich aufgewertet und verkehrlich neu organisiert. Dies sind nur einige Perspektiven für die City von Morgen.

OB Onay dankt allen Bürger*innen für ihr Engagement

Die umgestaltete Schmiedestraße

Oberbürgermeister Belit Onay hebt die Bedeutung der Entwicklung der Innenstadt hervor: „Wir arbeiten an einer lebenswerten, menschengerechten und zukunftsfähigen Innenstadt. Der Innenstadtdialog „Hannover Mitt(e) gestalten“ hat in intensiven Debatten zahlreiche Erkenntnisse zu Tage gefördert, wie sich die Hannoveraner*innen die City von Morgen vorstellen.“ Onay dankt allen Bürger*innen, die sich beteiligt haben, die viele Rückmeldungen und Anregungen und emotionales Engagement eingebracht haben. Es sei, so der Oberbürgermeister, etwas Besonderes, während der Pandemie einen breit angelegten Beteiligungsprozess durchzuführen und in der Form einzigartig in Deutschland. „Heute“, so Onay, „können uns die Hannoveraner*innen über die Schulter schauen und einen Eindruck von unserer Arbeit gewinnen.“ Der Oberbürgermeister erwartet eine anregende Diskussion in der Stadtgesellschaft, bevor die Verwaltung der Ratspolitik ein Gesamtkonzept vorlegt.“

Intensive Beteiligung kommt auf die Zielgerade

In drei großen Beteiligungsschritten hat die Verwaltung Wünsche und Erwartungen der Hannoveraner*innen an die Innenstadt abgefragt: im Rahmen der Experimentierräume im vergangenen Sommer, in einer großen Repräsentativbefragung sowie in sogenannten Quartierswerkstätten, in denen mit Anlieger*innen ganz konkret die verschiedenen Funktionen, Chancen und Perspektiven der Innenstadt diskutiert worden sind.

Nach gut einem Jahr des Innenstadtdialogs entstehen die Eckpfeiler für die Weiterentwicklung der Innenstadt. Die Ziele, Maßnahmen und Projekte, die von der Stadtverwaltung und den beteiligten Büros zusammengestellt und ausgearbeitet wurden, stehen für vielfältige Funktionen in den einzelnen Bereichen der Innenstadt und bündeln die verschiedenen Stimmen und Impulse. Stadtbaurat Thomas Vielhaber macht deutlich: „In der Altstadt und rund um die Marktkirche gibt es andere Anforderungen als am Kulturdreieck oder am Hauptbahnhof. Wir wollen Vielfalt und Qualität in der Innenstadt fördern, indem wir Stärken hervorheben und Schwächen beseitigen.“

Ausgehend von den Impulsen aus dem Innenstadtdialog entwickelt die Stadtverwaltung ein integriertes Gesamtkonzept für die Zukunft der City. In einem Schulterblick zeigt sie nun mit Fokus auf städtebauliche und verkehrliche Aspekte, wo sie steht, welche Erkenntnisse gewonnen werden konnten. Für zahlreiche Straßen und Plätze innerhalb des Cityrings wurden bereits Visualisierungen erarbeitet, um potenzielle Veränderungen zu veranschaulichen. Diese finden sich unter www.innenstadtdialog-hannover.de.

Onay betont: „Seitens der Stadtverwaltung wollen wir soziale, ökologische, städtebauliche und baukulturelle, verkehrliche, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte berücksichtigen. Wir wollen, dass die Leute – von jung bis alt – gern in die Stadt kommen, weil Sie sich wohl fühlen und um eine gute Zeit zu verbringen. Der Innenstadtdialog liefert dazu alles, was wir brauchen.“ Stadtbaurat Vielhaber ergänzt: „Uns ist wichtig, dass die City langfristig ein starkes wirtschaftliches Zentrum in Norddeutschland bleibt, in dem Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie auch zukünftig florieren. Wir sind überzeugt, dass eine größere Nutzungsvielfalt auch zu einer neuen Strahlkraft führt und alle Seiten davon profitieren.“ Dass sich große Kaufhäuser heute aus Hannover zurückzögen, unterstreiche den Handlungsbedarf, biete aber auch Chancen an den jeweiligen Standorten.

Beteiligung und Austausch: Zukunft der Innenstadt hängt vom guten Miteinander aller Akteure*innen ab 

Der enge Austausch im Rahmen des Innenstadtdialogs hat gezeigt, dass auch zukünftig ein enger Draht zwischen allen Vertreter*innen der Stadtgesellschaft untereinander und mit der Stadtverwaltung geboten ist. „Die Wirtschaft, die Bildungsinstitutionen, die Sozialträger und Kulturinstitutionen: Alle mischen in der City mit. Und mit allen wollen und werden wir im engen und institutionalisierten Austausch bleiben“, so Onay. Der städtebauliche Umbau könne nur erfolgreich sein, wenn auch das Miteinander und die Beteiligung rund um die Innenstadtentwicklung neugestaltet wird. Hierzu würden notwendige Strukturen aufgebaut, so der Oberbürgermeister.

Die umgestaltete Joachimstraße

Freiraum, Spiel- und Ruhezonen und mehr Kultur: Mehr Raum zum Verweilen 

Überall dort, wo Verkehrsflächen zu Stadtraum werden, entstehen auch neue Freiräume. „Unsere Innenstadt ist derzeit noch sehr sparsam mit Verweilorten ausgestattet. An den meisten Plätzen wird durchgehastet“, so Onay. Genau dies gelte es zu ändern. Hierzu würden dauerhafte Angebote geschaffen und Raum für temporäre Interventionen bereitgestellt.

Konkret heißt das: Attraktive Sitzmöglichkeiten werden installiert, prächtige Pflanzen aufgestellt. Perspektivisch setzt die Stadt auf mehr Grün und Wasserflächen. Zahlreiche Bäume werden gepflanzt - auch in der heute baumlosen Prinzenstraße. Zudem gibt es Raum für saisonal nutzbare Bewegungs-, Spiel-, Kunst- und Freizeitangebote. Einladende Orte hierfür können die Flächen auf dem Köbelinger Markt oder das Areal rund um die Marktkirche sein. „Im Kulturdreieck kommt die Kunst raus aus den Häusern, rein in den öffentlichen Raum und wird das gesamte Areal mit neuen Kooperationen in einen besonderen Verweilort verwandeln“, so der Oberbürgermeister. 

Verbindungen schaffen: Erreichbarkeit der City sicherstellen und Barrieren reduzieren

Verkehrlich hat die Stadt eine Vision, ein Konzept mit zahlreichen strukturgebende Veränderungen entwickelt: Dabei steht die gute Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln oben an. Ausladende und mehrspurige Straßenräume gehören aber nicht mehr zum Zukunftsbild innerhalb des Cityrings und sollen deshalb umgestaltet werden. Laut Vielhaber gilt die Regel: „Mehr Raum für alle statt Mehrspurigkeit innerhalb des Cityrings“. Auch auf Ampeln soll innerhalb der Innenstadt möglichst verzichtet und stattdessen dem Fußverkehr Vorrang eingeräumt werden. Mit Blick auf die Erreichbarkeit und zur besseren Umfahrung der Einkaufscity soll der City-Radring rund um die Fußgängerzone für den Radverkehr gestärkt werden – optisch und baulich. Zudem soll er effektiv mit dem Veloroutennetz verknüpft werden. Wer notwendigerweise mit dem Auto in die City kommt, findet Parkraum in einem der vielen – derzeit nie vollständig ausgelasteten – Parkhäuser. Ebenerdig und im Straßenraum soll kaum mehr geparkt werden. Ausnahmen gibt es für Menschen mit Behinderung, für Taxen oder auch den Lieferverkehr. Rund um den Hauptbahnhof soll der Fernroder Tunnel künftig dem Fuß- und Radverkehr dienen und für den Kfz-Verkehr gesperrt werden. Zudem soll eine Reduzierung des Verkehrs im Posttunnel erzielt werden.

„Die Innenstadt wird zukünftig besser erreichbar sein: Mit dem Rad, dem leistungsstarken ÖPNV oder auch dem Auto. Dennoch wird das Auto mehr und mehr aus dem Erscheinungsbild der Innenstadt verschwinden. Die Menschen werden wieder sichtbarer im Lebensraum Innenstadt“, resümiert Belit Onay.

Die umgestaltete Schillerstraße

 

Die nächsten Schritte: Feedback und politische Beschlussfassung

Die Hannoveraner*innen haben nun die Möglichkeit zu sehen, wie die Stadtverwaltung ihre Impulse für den öffentlichen Raum aus dem vergangenen Jahr aufgegriffen und verarbeitet hat. Der Schulterblick auf die verkehrlichen und städtebaulichen Optionen ermöglicht es den Hannoveraner*innen, sich noch einmal vor der politischen Befassung, einzubringen, bevor im Sommer eine umfängliche Gesamtkonzeption den Ratsgremien vorgelegt wird. Alle Illustrationen und Planungen sind im Internet unter www.innenstadtdialog-hannover.de oder als Ausstellung am Gebäude der Bauverwaltung, Rudolf-Hillebrecht-Platz 1, sichtbar.

Zusatzinformationen

Drei Beteiligungsschritte des Innenstadtdialogs wurden im vergangenen Jahr durchlaufen. Die Experimentierräume im zurückliegenden Sommer bildeten den öffentlich wahrnehmbaren Kern des Prozesses. Die Öffnung der Flächen für alternative Angebote rund um das Kulturdreieck, die Marktkirche und den Köbelinger Markt bildeten den Auftakt. Eine breit angelegte Repräsentativbefragung (Ergebnisse hier) der Hannover*innen zeigte, welche Veränderungsbedarfe in der Stadt als Ganzes vorhanden sind, diese umfassen alle Bereich des urbanen Zusammenlebens bis ins Detail. Im zurückliegenden Winter wurden in insgesamt sechs Quartierswerkstätten die lokalen Bedarfe und Wünsche an verschiedenen Orten innerhalb des Cityrings mit Akteur*innen und Interessenvertreter*innen diskutiert und verarbeitet – etwa rund um das Kulturdreieck, die Altstadt oder auch das Bahnhofsumfeld. Begleitet wurde der Prozess von den Hamburger Agenturen TollerOrt und Elbberg sowie Prof. Thomas Krüger von der Hafenuniversität Hamburg. 

Die umgestaltete Prinzenstraße

In den zurückliegenden anderthalb Jahren hat sich die Stadtverwaltung intensiv dafür eingesetzt, Mittel für die Gestaltung der Innenstadt einzuwerben und Fördergelder akquiriert. Um Hannover als smarte City weiter zu entwickeln (weitere Informationen), erhält die Stadt seitens des Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen über eine Laufzeit von fünf Jahren insgesamt 8,5 Mio. Euro. Seitens des Landes Niedersachsens fließen im Rahmen des im vergangenen September bewilligten Antrags der Landeshauptstadt zum Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt!“ insgesamt 1,9 Mio. Euro nach Hannover (weitere Informationen). Erst Ende April hat die Landeshauptstadt einen weiteren Antrag beim Land im Rahmen des Förderprogramms „Resiliente Innenstädte“ eingereicht und verspricht sich eine Förderung von Projekten in der City von mehr als vier Mio. Euro über eine Laufzeit bis Ende 2027. Über den Antrag entscheidet das Land voraussichtlich bis zum Sommer.