Das Versorgungskonzept der Region Hannover
Das Versorgungskonzept für Beratungsleistungen in der Region Hannover, Fachbereich Jugend
Inhalt:
- Ausgangslage: Das Versorgungskonzept für Beratungsleistungen
- Die Entwicklungsgeschichte des Versorgungskonzeptes
- Das aktuelle Versorgungskonzept 2026 bis 2030
- Zuständigkeiten und Zugänglichkeit der Beratungsstellen
- Erhöhter Bedarf an Beratung: Zahlen und Trends
- Ursachen für die erhöhte Inanspruchnahme von Beratung
- Zukünftige Herausforderungen
- Ausblick bis 2031
1. Ausgangslage: Das Versorgungskonzept für Beratungsleistungen
In der Region Hannover besteht ein dichtes und stabiles Netzwerk für die Beratung von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien. Mit dem Versorgungskonzept legte die Region Hannover 2015 den Grundstein für die Versorgung mit Familien- und Erziehungsberatung in den 21 Kommunen der Region Hannover.
Im Vorfeld zur ersten Förderperiode des Versorgungskonzeptes wurde das „Netzwerk Familienberatung“ begründet; ein Kooperationsbündnis von Beratungsstellen in unterschiedlicher Trägerschaft.
2. Die Entwicklungsgeschichte des Versorgungskonzeptes
Die erste Förderperiode des Versorgungskonzeptes von 2016 bis 2020 war ein Meilenstein in der Versorgung mit Beratungsleistungen und zeichnete sich durch die erstmals bestehende
- flächendeckende und
- gleichmäßige Versorgung mit Familien- und Erziehungsberatung in den Kommunen der Region aus.
- Dafür wurde die Region Hannover in vier Teilregionen mit festen Versorgungsaufträgen aufgeteilt. Es entstanden Beratungsangebote in allen 21 Kommunen mit einer Mischung aus kommunalen Beratungsstellen und Beratungsstellen in freier Trägerschaft unter einem gemeinsamen Dach mit verbindlichen und einheitlichen Leistungs- und Förderverträgen.
Die Leistungsangebote der Beratungsstellen in der Grundversorgung bestehen aus der Familien- und Erziehungsberatung, der Trennungs- und Scheidungsberatung, der Jugendberatung sowie der Frühen Beratung. Ebenso zählen präventive Angebote, Vernetzungsaktivitäten, die Fachberatung und Öffentlichkeitsarbeit zu den Angeboten.
Die Teams der Beratungsstellen in der Grundversorgung sind multiprofessionell aufgestellt. Neben…
- psychologischen,
- psychotherapeutischen und
- sozialpädagogischen Fachkräften sind
- Verwaltungskräfte in den Beratungsstellen angestellt.
Die zweite Förderperiode des Versorgungskonzeptes von 2021 bis 2025 ist gekennzeichnet durch den Ausbau der Angebote in der Spezialversorgung. Es erfolgte die Einführung von spezialisierter Beratung als Ergänzung zur Grundversorgung durch Fachberatungsstellen mit vier Themenschwerpunkten:
Zudem wurde die bedarfsorientierte Versorgung mit der besonderen Berücksichtigung der Zielgruppen eingeführt, in denen die Armut von Kindern eine größere Rolle spielt:
- Alleinerziehende,
- Kinder aus Familien mit Mindestsicherungsleitungen sowie
- Familien mit Migrationshintergrund.
3. Das aktuelle Versorgungskonzept 2026 bis 2030
Ab Januar 2026 folgt nun die dritte Förderperiode von 2026 bis 2030. Diese zeichnet sich durch die Fortführung des fachlich anerkannten Versorgungskonzeptes aus, dass zudem wichtige Anpassungen erfahren hat. Die Bevölkerungszahlen für Minderjährige wurden zum einen angepasst und sind in der Region Hannover in den letzten fünf Jahren um gut 8.000 auf rund 199.000 angestiegen. Zudem wurden die neuen bke-Qualitätsstandards (QS22 der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung) bei der Förderung für Beratungsleistungen berücksichtigt, die eine hohe Qualität in den Beratungsstellen gewährleisten.
4. Zuständigkeiten und Zugänglichkeit der Beratungsstellen
Die folgende Übersicht zeigt die Standorte der Beratungsstellen in den 20 Umlandkommunen der Region Hannover. Dabei sind klare Zuständigkeiten in den Teilregionen festgelegt. Gleichwohl bietet das Wunsch- und Wahlrecht den Ratsuchenden die Möglichkeit, im Bedarfsfall davon abzuweichen und eine andere Beratungsstelle aufzusuchen.
Die Landeshauptstadt Hannover organisiert für die Grund- und Spezialversorgung ein eigenes Beratungsstellennetzwerk, dass in dieser Abbildung nicht im Detail aufgeführt ist.
Die Fachberatungsstellen in der Spezialversorgung sind nach Themenfelder aufgeteilt:
- Beratungsstellen mit dem Themenschwerpunkt Gewalt
- Männerbüro
- Ophelia
- valeo
- Violetta e.V.
- und die Waage e.V.
- Beratungsstellen mit dem Themenschwerpunkt Gender
- Mädchenhaus zwei13
- mannigfaltig e. V.
- Beratungsstelle Osterstraße
- Beratungsstelle mit dem Themenschwerpunkt Verselbstständigung
- Jugendberatung Hinterhaus
- Beratungsstelle mit dem Themenschwerpunkt Medienkonsum
- Return e.V.
- Return e.V.
Die Adressen und Telefonnummern der Beratungsstellen sind hier zu finden:
Netzwerk Familienberatung auf hannover.de
5. Erhöhter Bedarf an Beratung
Der Bedarf an qualitativ hochwertiger, fachlich fundierter, niederschwelliger sowie kostenfreier Beratung ist Ende 2024 sehr hoch und seit 2022 deutlich angestiegen.
| Jahr | 2019 | 2020 Pandemie | 2021 Pandemie | 2022 Pandemie | 2023 | 2024 |
| Gesamtfallzahlen der 17 Beratungsstellen im Versorgungskonzept der Region Hannover (Die Stadt Hannover ist ausgenommen – eigene Statistik) | 5498 | 4975 | 5540 | 5808 | 6240 | 6389 |
6. Ursachen für die erhöhte Inanspruchnahme von Beratung
Das Gefährdungsrisiko für Krisen in der Familie und für seelische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen erscheint seit der Corona-Pandemie auf einem erhöhten Niveau. Dies bestätigen bundesweite Studien wie die Copsy-Studie (u. a. Ulrike Ravens-Sieberer von der UKE Hamburg-Eppendorf).
Das Versorgungssystem im Gesundheitsbereich für seelisch instabile Kinder und Jugendliche zeigt sich darüber hinaus weiterhin stark beansprucht, und es bestehen zum Teil erhebliche Wartezeiten auf einen ambulanten oder (teil-) stationären Therapieplatz. Hinzu kommen die Folgen des allgemeinen Fachkräftemangels im KiTa-Bereich und in der Jugendhilfe, der zu einem insgesamt belasteten Versorgungssystem für Kinder, Jugendliche und Eltern führt.
Weitere Faktoren
- Zunehmende Entstigmatisierung psychischer Belastungen
- Höheres gesellschaftliches Bewusstsein für seelische und familiäre Ursachen von Auffälligkeiten
- Gestiegenes Vertrauen in die Wirksamkeit von Beratungsprozessen
Zunehmende Komplexität der Familienkonstellationen
- Mehr hochkomplexe Familiensituationen
- Vielschichtige Belastungslagen
- Zeitintensive Beratungsverläufe
Die positive Wirkung von Beratung
- Präventive Abfederung psychischer Belastungen
- Entlastung familiärer Konfliktsituationen
- Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern
- Förderung der Eltern-Kind-Interaktion
- Unterstützung der Entwicklung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen
7. Zukünftige Herausforderungen
Es wird in den kommenden Jahren weiterhin von einem anhaltend hohen Bedarf an Beratung ausgegangen.
Mögliche Reaktionen der Beratungsstellen
- Zeitweise Reduzierung präventiver Leistungen zugunsten der Fallarbeit
- Einrichtung vorübergehender Wartelisten
- Reduktion der Beratungseinheiten pro Familie
- Stärkung von Vernetzung und Kooperation mit anderen psychosozialen Angeboten
Besonders wirksam
- Frühzeitige Unterstützung von Familien im Rahmen von Frühen Hilfen und früher Beratung bereits während der Schwangerschaft, rund um die Geburt und in den ersten Jahren der Entwicklung von Kindern in der Familie
8. Ausblick bis 2031
- Es werden weiterhin Initiativen zur Fachkräftegewinnung für die Kinder- und Jugendhilfe eine hohe Bedeutung behalten.
- KI-gestützte Beratungsangebote entwickeln sich weiter und werden vermutlich irgendwann zur Anwendung kommen.
- Es bleibt eine Herausforderung für das Gesundheitssystem, die psychotherapeutische sowie psychiatrische Versorgung für Kinder und Jugendliche dem hohen Bedarf anzupassen.
Bei anhaltend hoher Nachfrage sollte für die Förderperiode ab 2031 eine Erweiterung der Stellenkapazitäten geprüft werden.
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