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Die ¿Gender-Brille¿

Die „Gender-Brille“

© LHH 15.32

In der Praxis reflektierte das Team die Alltagsgestaltung in der Kita nun immer wieder aus geschlechterbewusster Perspektive, also „durch die Gender-Brille“. Sie fragten sich unter anderem: Haben Mädchen und Jungen bei uns gleiche Chancen beim Zugang zu Räumen, Material und Angeboten? Bekommen sie gleichermaßen unsere Aufmerksamkeit? Erhalten Mädchen bzw. Jungen Förderung und Herausforderungen auch  in Bereichen, in denen sie weniger Erfahrungen haben oder machen?

Ganz allgemein spielen im Bewegungsraum Kinder oft, ohne dass Erzieherinnen im Raum sind. Beobachtet wurde, dass sich dort mehr Jungen aufhielten. Dies hatte zur Folge, dass Jungen mehr unbeaufsichtigt spielen als Mädchen. Ein Beispiel dafür, wie Genderaspekte mit strukturellen Bedingungen zusammenhängen: die Tatsache, dass ein von Jungen bevorzugter Raum weniger pädagogisch begleitet wird, hat zur Folge, dass Jungen weniger pädagogische Aufmerksamkeit bekommen.

In der Konsequenz der pädagogischen Umsetzung dieser Beobachtung entwickelte sich das Projekt einer kontinuierlichen Begleitung dieses Raumes. Auf der Angebotsebene äußerte sich dies durch die Einrichtung von Bewegungsbaustellen, sowie gezielten Bewegungsangeboten. Durch die kontinuierliche Anwesenheit einer Kollegin erhöhte sich der Anteil der Mädchen, die diesen Raum nutzen.

Mädchen bekamen nun die Möglichkeit, mehr Erfahrungen im Bewegungsbereich in diesem Raum zu erleben. Die Dominanz der Jungen im Bewegungsraum, ermöglichte  in der Vergangenheit nur „starken, durchsetzungsfähigen“ Mädchen, auch hier  Erfahrungen ungestört  zu machen.

Für die Jungen gab es nun das Angebot anderer Wahrnehmungs- und Erfahrungsmöglichkeiten. „Stille, schwache Jungen“ hatten den Schutz und die Ermutigung sich auszuprobieren, Grenzen zu erfahren und zu überwinden. Bewegung wurde positiv erlebt.

„Laute, starke Jungen“ bekamen Raum für ungewohnte, „unmännliche“ Erfahrungen. Sanftes wiegen in der Hängematte, Nestbau mit Polstern, Phantasiespiele mit dem Schwungtuch, wurde von den Jungen gut angenommen. Die Schminkecke wurde so gestaltet, dass auch Jungen durch entsprechende Vorbilder, motiviert wurden sich zu schminken, bzw. schminken zu lassen.Vorlagen von „Spiderman“ und Clown boten Akzeptanz, sich diesem sehr von Mädchen belegten Bereich anzunähern.

Jungen hatten somit die Möglichkeit zu einer  sanften Körpererfahrung und kreativ künstlerischer Gestaltung. Mädchen wurden ermutigt, den Weg des einfach nur schön schminken zu verlassen und sich mit „wilden“ und „gefährlichen“ Attributen zu schmücken.

Aber es ging auch um die Eltern und die Fachkräfte selbst. Zu prüfen war zum Beispiel: Werden Männer in die Planung, Durchführung und Reflexion von Angeboten,Vorhaben und Projekten mit einbezogen? Werden Angebote, Vorhaben und Projekte dokumentiert und in die Zusammenarbeit mit Müttern und Vätern eingebracht? Werden Väter und/oder Mütter beteiligt? Zu Beginn und in der Mitte des Projektes gab es in der Kita Gesamtelternabende.

Auf diesen Veranstaltungen wurden durch Tim Rohrmann und dem Team der Kita Fischteichweg die jeweiligen Projekte, Erfahrungen und Ergebnisse vorgestellt.
„Genderperspektiven“ war auch regelmäßiger Tagesordnungspunkt auf den Elternbeiratssitzungen. Regelmäßig wurde auch auf allen Elternabenden und dem Vätertreff über das Projekt berichtet.

Abgeschlossen wurde im Oktober 2009 mit einem Fachtag nur für die Eltern der Kita. An diesem Tag wurden noch einmal alle Projekte den Vätern und Müttern präsentiert.Über Aushänge, Photos, Listen und andere Dokumentationsformen ist die Elternschaft  während des gesamten Projektes fortlaufend informiert worden.