HANNOVER.DE | Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Zuletzt aktualisiert:

Kleingärten

Vorsorgliche radiologische Untersuchungen stadteigener Flächen

auf ehemaligen Besitzflächen der Familie De Haën

Eine Frau in einem blauen Overall misst mit einem Gerät radiologische Werte. © LHH

Radiologische Untersuchung

Die Landeshauptstadt Hannover lässt seit Anfang 2018 radiologische Voruntersuchungen auf mehreren stadteigenen Flächen durchführen, die sich ehemals im Besitz der Familie De Haën befunden haben und für die nicht ausgeschlossen werden kann, dass möglicherweise betriebliche Abfälle von der ehemaligen Chemischen Fabrik Eugen de Haën dorthin verbracht worden sein könnten.

Gemäß der Beschlussdrucksache Nr. 2457/2017 sollen in insgesamt ca. 450 Kleingärten, auf zwei Sportanlagen sowie auf der Fläche eines ehemaligen Regenrückhaltebeckens vorsorgliche radiologische Messungen stattfinden. Bei Auffälligkeiten werden dann weitere, umfangreichere Untersuchungen und ggf. Maßnahmen erforderlich.

Die radiologischen Voruntersuchungen erfolgen gestaffelt in drei Abschnitten:

Ergebnis der bisherigen Untersuchungen im 1. Abschnitt (Stand: August 2019)

Die radiologischen Voruntersuchungen in ca. 120 Kleingärten auf den drei Untersuchungsflächen des ersten Abschnittes wurden mittlerweile abgeschlossen. Die Messungen ergaben, dass zwei Flächen (die Kolonie "Immergrün" und die Kolonie "Sperlingslust") radiologisch unauffällig sind, so dass es hier keinen weiteren Handlungsbedarf gibt. Die Bearbeitung dieser beiden Flächen im "Projekt De Haën" ist damit abgeschlossen. Die Pächter*innen wurden schriftlich über die Ergebnisse in ihren Kleingärten informiert.

Auf der dritten Untersuchungsfläche im Bereich des ersten Abschnittes (Kolonien "Gut Grün" und "Zur guten Hoffnung") wurden größtenteils ebenfalls unauffällige radiologische Messwerte festgestellt.

In einem Garten wurden teilflächig vergleichsweise hohe ODL-Werte (also eine hohe Direktstrahlung) gemessen. Die daraufhin durchgeführten Bodenuntersuchungen und Expositionsabschätzungen haben dazu geführt, dass dieser Garten bereits aus der Nutzung genommen wurde.

In einigen weiteren Gärten sowie in Teilbereichen eines Weges der Kolonie "Gut Grün" wurden, im Abgleich mit den Hintergrundwerten in Hannover, punktuell bzw. sehr kleinräumig schwach erhöhte radiologische Messwerte nachgewiesen. Diese hatten weitere orientierende radiologische Untersuchungen des Bodens zur Folge, um zu prüfen, ob tatsächlich und falls ja, in welchem Umfang, radiologisch belastete Materialien im Boden vorliegen.

Da sich die große Produktpalette der Firma De Haën nicht nur auf den Einsatz von radioaktiven Elementen beschränkte, sondern auch andere chemische Stoffe verarbeitet wurden, wurden parallel dazu vorsorglich in allen 55 Kleingärten auf dieser Untersuchungsfläche chemische Untersuchungen des Bodens veranlasst. Auch hier war der Großteil der Gärten unauffällig. In einigen Gärten wurden kleinräumige Auffälligkeiten ermittelt. Die abschließende Bewertung der Untersuchungsergebnisse und deren Bedeutung für die kleingärtnerische Nutzung erfolgt aktuell im Rahmen eines weiteren Untersuchungsschrittes.

Die Arbeiten für die radiologischen und chemischen Untersuchungen in den Gärten sind damit abgeschlossen. Eine abschließende fachgutachterliche Bewertung für jeden Kleingarten ist in Bearbeitung.

Weitere Messungen im 2. und 3. Untersuchungsabschnitt

Die geplanten radiologischen Voruntersuchungen auf den Untersuchungsflächen der Abschnitte 2 und 3 wurden, aufgrund der angetroffenen radiologischen Auffälligkeiten im 1. Abschnitt, die weitere umfangreiche Untersuchungen in den Kleingärten erforderlich machten, zunächst zurückgestellt. Mit dem Bezirksverband Hannover der Kleingärtner e.V. wurde nun gemeinsam vereinbart, dass die vorsorglichen radiologischen Messungen des 2. Abschnittes (ca. 300 weitere Kleingärten sowie Flächen der Sportvereine TSV Fortuna Sachsenross und TSV Schwarz-Weiß Hannover) im September 2019 beginnen können. Die Messungen werden, wie auch bei den bisherigen Untersuchungen, durch das Büro Nuclear Control Consulting GmbH (NCC) aus Braunschweig durchgeführt.

Die Messungen im 3. Abschnitt (ca. 30 Kleingärten) folgen dann im Anschluss.

Für Fragen steht den betroffenen Kleingärtner*innen die Expertin Petra Günther (Diplom-Biologin) von der IFUA-Projekt-GmbH (Bielefeld) montags bis freitags von 8.30 bis 18.00 Uhr unter der Telefonnummer (0511) 168-38000 zur Verfügung.

Hintergrund für die Untersuchungen auf den ehemaligen De-Haën-Besitzflächen

Grundlage für alle Untersuchungen sind zwei Gutachten, die Stadt und Region Hannover nach Sanierungsmaßnahmen im Bereich des De-Haën-Platzes und am Lister Damm (Parkplatz und fünf angrenzende Kleingärten der Kolonie "Gut Grün") in Auftrag gegeben hatten. Nach den historischen Recherchen in den Jahren 2014 bis 2016 empfahl die Gutachterin vorsorgliche radiologische Untersuchungen in bestimmten Bereichen.

Konkrete Anhaltspunkte für die Ablagerung radiologisch belasteter Materialien lagen nicht vor. Es handelt sich um eine vorsorgliche Maßnahme. Weil sich die betroffenen Flächen Anfang des 20. Jahrhunderts im Eigentum der chemischen Fabrik de Haën oder der Unternehmerfamilie befanden, besteht die theoretische Möglichkeit, dass diese Areale vorübergehend als Produktions- oder Lagerflächen genutzt worden sein könnten.

Dem Vorschlag der Stadtverwaltung, gemäß der Beschlussdrucksache 2457/2017 vorsorgliche radiologische Untersuchungen auf den stadteigenen Flächen durchführen zu lassen, stimmte der Rat der Landeshauptstadt Hannover am 21.12.2017 zu (siehe www.ratsinfo-hannover.de).

Alle Maßnahmen wurden im Vorfeld und werden während des Projektverlaufes regelmäßig mit dem Bezirksverband Hannover der Kleingärtner e.V. und der Unteren Bodenschutzbehörde der Region abgestimmt.