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Vielfältiges Leben in der Tiefe

Grundwasserfauna

Grundwasser ist nicht nur eine wichtige Ressource, sondern auch Lebensraum für Hunderte von Tierarten.

Flohkrebs auf Blatt und Steinen © Karsten Grabow und Heide Stein

Höhlenflohkrebs

Grundwasser ist nicht nur eine wichtige Ressource, die seit vielen Jahren von der Landeshauptstadt durch laufende Wasserstandsmessungen und chemische Untersuchungen überwacht wird, sondern der größte Lebensraum auf den Kontinenten. In der Tiefe leben Hunderte von Tierarten, lebende Fossilien, älter als die Dinosaurier, aber kaum jemand kennt sie.

Regelmäßig werden neue Tierarten im deutschen Grundwasser entdeckt. Dennoch ist der Lebensraum Grundwasser bisher nur wenig erforscht. Immerhin ist bekannt, dass sich die Grundwasserfauna in den verschiedenen Gegenden Deutschlands erheblich voneinander unterscheidet. In Süddeutschland, z.B. auf der Schwäbischen Alb oder im Oberrheintal, ist das Grundwasser artenreich besiedelt. Seit Jahrmillionen leben die Tiere hier im Untergrund, haben sich kaum ausgebreitet. Noch heute sind an ihrem Vorkommen die alten Flussgebietsgrenzen zu erkennen. Ganz anders in Norddeutschland: Hier bedeckten während der letzten Million Jahre in mindestens vier großen Eiszeiten riesige Inlandeismassen für Jahrtausende das Land. Fast alles Leben wurde darunter vernichtet. Nach dem Ende der Eiszeit vor 12.000 Jahren wurde das Grundwasser Norddeutschlands nur teilweise wiederbesiedelt. Die Tierwelt des norddeutschen Grundwassers gilt deshalb bis heute als verarmt. Viel weiß man aber noch nicht darüber.

Screening der Grundwasserfauna

Um einen Überblick über die hannoversche Grundwasserfauna zu bekommen, hat der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün im Jahr 2017 von der Universität in Koblenz Landau ein Screening durchführen lassen. An bisher 49 Stellen im Stadtgebiet wurden Grundwassertiere gesammelt und anschließend im Landauer Labor bestimmt, um zu ermitteln, ob und durch welche Tierarten das Grundwasser hier besiedelt ist. Dabei zeigte sich, dass sich entgegen der ursprünglichen Erwartungen im Untergrund von Hannover Einiges tummelt und hier auch Tiere leben, die man bisher nur aus Süddeutschland kannte. Dies gilt insbesondere für das südliche Stadtgebiet, wo Brunnenkrebse als lebende Fossilien erstmalig in der Norddeutschen Tiefebene gefunden wurden. Die Grundwasserfauna kann hier als für die Norddeutsche Tiefebene sehr arten- und individuenreich angesehen werden. Artenvielfalt in der "Bundeshauptstadt der Biodiversität" zeigt sich auch im Untergrund.

Die Ergebnisse im Norden des Stadtgebietes entsprachen dagegen eher den ursprünglichen Erwartungen und zeigten eine dünnere Besiedlung mit sehr kleinen Tieren, die für die Norddeutsche Tiefebene typisch sind. Voraussetzung für tierisches Leben im Grundwasser ist ein entsprechend hoher Sauerstoffgehalt. Im nördlichen Stadtgebiet sind die Sauerstoffgehalte im Grundwasser häufig so niedrig, dass hier tierisches Leben nicht möglich ist. Deshalb befinden sich auch die meisten bisherigen Probenahmestellen in der südlichen Stadthälfte. Um im Sinne eines Lückenschlusses auch über die Nordhälfte noch bessere Erkenntnisse bezüglich der Grundwasserfauna zu bekommen, werden am 19. und 20. September weitere vier Grundwassermessstellen beprobt und im Anschluss im Landauer Labor untersucht.

Die dafür benötigten Mittel werden von der Sparkasse Hannover über den Sparkassenbrief N+ komplett zur Verfügung gestellt.

Langfristiges Ziel der Untersuchungen ist es, ein Messnetz für eine biologische Grundwasserüberwachung zu konzipieren und eine solche nach Möglichkeit ergänzend zum chemischen Monitoring zu etablieren. Bei Oberflächengewässern werden zur Bewertung der Gewässergüte schon seit vielen Jahren biologische Untersuchungen durchgeführt. Hintergrund ist der, dass die Organismen dem gesamten im Wasser gelösten Stoffspektrum ausgesetzt sind und mit ihren Reaktionen Hinweise auf die Wasserqualität geben. Mit chemischen Analysen können demgegenüber immer nur bestimmte Stoffe getestet werden. Gleiches gilt auch für das Grundwasser und die noch wenig erforschten Grundwasserorganismen.

Biologische Grundwasserüberwachung bedeutet, dass regelmäßig die im Grundwasser lebende Fauna untersucht wird. Anhand von Änderungen der Arten- und/oder Individuenzahl bzw. deren Zusammensetzung kann festgestellt werden, ob sich die Grundwasserqualität verändert.