Die Stadttaube (Columba livia domestica) stammt von der Felsentaube (Columba livia) ab. Über viele Jahrhunderte wurde sie vom Menschen gezüchtet und genutzt – unter anderem als Nahrungslieferant, Brieftaube oder wegen ihres Erscheinungsbildes. Noch heute werden Tauben in zahlreichen Farben und Formen gehalten und gezüchtet.
Im Laufe der Zeit verwilderten viele dieser Haustauben. Sie passten sich an das Leben in Städten an und fanden dort einen Lebensraum, der ihren ursprünglichen Felslandschaften ähnelt. Gebäude bieten ihnen geeignete Schlaf- und Brutplätze, während Städte zugleich ein großes Nahrungsangebot bereithalten.
Eigentlich sind Stadttauben Körner- und Samenfresser. In freier Natur suchen sie in kleinen Familienverbänden aktiv nach Nahrung und legen dabei größere Strecken zurück.
In Städten verändert sich dieses Verhalten häufig. Neben Samen und Körnern finden die Tiere auch Essensreste oder werden gezielt gefüttert. Dadurch bleiben viele Tauben dauerhaft an denselben Orten und sammeln sich dort in größeren Gruppen.
Gleichzeitig werden geeignete Brutplätze immer knapper. Dachbodenausbauten und Gebäudesanierungen haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Nistmöglichkeiten beseitigt. Dieses Ungleichgewicht zwischen großem Nahrungsangebot und begrenztem Lebensraum schafft für die Tiere erhebliche Probleme.
Viele Menschen möchten Stadttauben etwas Gutes tun und füttern sie aus Mitgefühl. Tatsächlich kann regelmäßiges Füttern jedoch unbeabsichtigte Folgen haben.
Häufig erhalten die Tiere Brot, Backwaren oder andere Essensreste. Diese Nahrung entspricht nicht ihrem natürlichen Speiseplan und kann ihre Gesundheit beeinträchtigen. Gleichzeitig gewöhnen sich die Tauben an feste Futterstellen und stellen ihre natürliche Nahrungssuche weitgehend ein.
Wo regelmäßig gefüttert wird, entstehen sogenannte Hotspots: Viele Tiere halten sich dauerhaft auf engem Raum auf, konkurrieren um Schlaf- und Brutplätze und haben engen Kontakt zueinander. Dadurch können sich Krankheiten leichter ausbreiten.
In der Natur reguliert sich eine Population über das vorhandene Nahrungsangebot. Durch regelmäßige Fütterungen wird diese natürliche Grenze künstlich angehoben. Die Folge sind überdurchschnittlich große Taubenbestände an einzelnen Orten.
Hinzu kommt die hohe Fortpflanzungsrate der Stadttauben. Als Folge ihrer jahrhundertelangen Domestizierung legen sie bis zu fünf- bis siebenmal im Jahr ein oder zwei Eier. Dennoch überlebt ein großer Teil der Jungtiere nicht. Viele Küken werden nicht ausreichend versorgt oder schlüpfen an ungeeigneten Orten, etwa unter Brücken oder in Unterführungen, wo bereits die ersten Flugversuche tödlich enden können.
Die Landeshauptstadt Hannover setzt auf Aufklärung und ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Tier. Ziel ist es, Konflikte zu vermeiden und die Lebensbedingungen der Stadttauben nachhaltig zu verbessern.
Wer Stadttauben unterstützen möchte, hilft ihnen am besten, indem auf regelmäßiges Füttern verzichtet wird. Nachhaltige Maßnahmen wie kontrollierte Taubenschläge und das Engagement von Taubenschutzorganisationen tragen dazu bei, die Population langfristig tierschutzgerecht zu regulieren und die Tiere besser zu versorgen.