Zukunftsfähigkeit

Bevölkerungsentwicklung und demografischer Wandel

Hannover: mehr – und internationaler.

Generationen im Dialog

Die Landeshauptstadt Hannover mit rund 543.000 Einwohner*innen mit Hauptwohnsitz ist in den letzten zehn Jahren (außer 2019 und 2020) durch Wanderungsgewinne deutlich um gut 30.000 Personen (+5,9 Prozent) gewachsen. Diese Gewinne stammen überwiegend aus dem Ausland. 2020 gab es wie im Vorjahr die größten Zuwächse per Saldo im Personenbestand mit syrischer (+540 Personen) und irakischer (+300 Personen) Nationalität. Es folgen rumänisch (+210 Personen), afghanisch (+190 Personen), bulgarisch (+170 Personen) sowie ghanaisch und albanisch mit je plus 120 Personen (gerundet).

Hannover verdankt seine Wanderungsgewinne bezogen auf die Altersstruktur in erster Linie den Zuzügen junger Erwachsener zwischen 18 und ca. 24 Jahren, auch bis Anfang 30. Zuzugsgrund ist häufig ein Studium, eine Ausbildung oder (erste) Berufstätigkeit in der Landeshauptstadt; das große Ausbildungs- und Arbeitsplatzangebot ist auch bei der Zuwanderung aus dem Ausland ein wichtiger Pull-Faktor. Wanderungsverluste sind besonders bei Familien, die in das Umland von Hannover ziehen, zu beobachten.
Das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen – die sogenannte natürliche Bevölkerungsentwicklung – ist in Hannover inzwischen ungefähr ausgeglichen, nachdem es in früheren Jahren noch deutliche Sterbeüberschüsse gegeben hatte.

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung Hannovers lag Ende 2020 bei 42,57 Jahren. Der Altersunterschied zwischen der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (46,50 Jahre) und der mit Migrationshintergrund (34,51 Jahre) ist deutlich. Einen "Migrationshintergrund" haben dabei in Hannover mit Hauptwohnsitz gemeldete Personen, die entweder nur eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzen oder neben der deutschen zusätzlich eine ausländische. Durch die tendenziell hohe Zuwanderung überwiegend junger Menschen wurde die langsame Alterung der Bevölkerung in Hannover (Durchschnittsalter) in den letzten Jahren aufgehalten: Zwischen 2012 und 2018 (außer 2017) ist das Durchschnittsalter jedes Jahr leicht gesunken. 2019 und 2020 stieg es wieder leicht an, was mit den Wanderungsverlusten dieser beiden Jahre korreliert.

15,5 Prozent der Bevölkerung Hannovers sind Kinder und Jugendliche. Zwei Drittel der Einwohner*innen (65,6 Prozent) sind im erwerbsfähigen Alter und 19,9 Prozent sind Senior*innen ab 65 Jahre. Die Zahl der Senior*innen wird durch die Alterung der "Babyboomer" spürbar ansteigen.

Spielendes Mädchen am Brunnen des Bahnhofsvorplatzes

In Hannover haben Ende 2020 178.100 Personen einen Migrationshintergrund, das entspricht einem Drittel der Bevölkerung (33 Prozent). Die Zahl ist in den letzten zehn Jahren um knapp 49.500 gestiegen (+39 Prozent), und markant sind kleinräumige Unterschiede zwischen Stadtteilen. Kinder und Jugendliche haben in Hannover zu 52 Prozent einen Migrationshintergrund und stellen seit Ende 2018 die Mehrheit der Unter-18-Jährigen. Aus Staaten der Europäischen Union stammen 30 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund in Hannover, die EU ist damit wichtigster Herkunftsraum.

Seit kurzem werden von der LH Hannover auch Statistiken mit anderen Definitionen des Migrationshintergrundes als nur über die Staatsangehörigkeit verwendet. Der Bevölkerungsanteil der Personen mit "familiärem Migrationshintergrund" beträgt demnach Ende 2020 knapp 39 Prozent. 

Diese erweiterte Definition umfasst wie die oben genannte alle Personen, die entweder nur eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzen oder neben der deutschen zusätzlich eine ausländische. Darüber hinaus werden weitere in den Meldedaten vorliegende Angaben verwendet, um Deutsche mit Migrationshintergrund abzuleiten. Hierzu gehören Angaben zum Geburtsland bzw. zur Zuzugsherkunft und zur Art der deutschen Staatsangehörigkeit, d. h. auf welcher rechtlichen Grundlage die deutsche Staatsangehörigkeit erteilt wurde. Hierdurch werden Eingebürgerte und Aussiedler*innen abgebildet.

Da vor allem junge Erwachsene zuwandern, wird nicht nur die Alterung der Gesellschaft verzögert; die Innovationskraft wird zugleich gestärkt und das Arbeitskräftepotenzial des Wirtschaftsstandorts Hannover erhöht. Herausforderungen entstehen durch die verglichen mit früheren Jahren angespanntere Situation auf dem Wohnungsmarkt; und durch den nach wie deutlichen Anstieg der Zahl älterer Menschen ist eine laufende Anpassung der Infrastrukturen erforderlich. Dies gilt auch für die Bildungsinfrastruktur durch steigende Kinderzahlen.

Auch die starke internationale Zuwanderung in kurzer Zeit – und zwar in ihrer ganzen Vielfalt – ist zugleich eine Herausforderung und ein großes Potenzial: Die Organisation des Zusammenlebens in einer weltoffenen Stadt Hannover ist eine kontinuierlich zu leistende Gemeinschaftsaufgabe zur Sicherung der Lebensqualität aller Einwohner*innen und der Zukunftsfähigkeit der Stadt.

 

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