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Für die Ewigkeit! Altägyptische Steingefäße

Im Mittelpunkt der Sonderausstellung stehen altägyptische Gefäße, die durch ihre zeitlose Schönheit und meisterliche Verarbeitung bestechen. Die rund 100 kostbaren Steingefäße reichen von der prädynastischen Zeit bis zur ptolemäisch-römischen Zeit Ägyptens (ca. 4000 v. Chr. bis 200 n. Chr.). 

Breites Gefäß mit Ösen zur Aufhängung: Diorit, Höhe: 8,6 cm / Breite (mit Ösen): 14 cm, späte Negade II Zeit bis 1. Dynastie, ca. 3300-2900 v. Chr.
© Arnold Meijer, Fotos: Claudio Bader

Breites Gefäß mit Ösen zur Aufhängung: Diorit, Höhe: 8,6 cm / Breite (mit Ösen): 14 cm, späte Negade II Zeit bis 1. Dynastie, ca. 3300-2900 v. Chr.

August Kestner (1777-1853) liebte sie so sehr, dass er sich mit ihnen zusammen sogar porträtieren ließ: altägyptische Gefäße aus Hartgestein. Entsprechend umfangreich sind sie in seiner Sammlung vertreten, die den Grundstock des 1889 eröffneten Kestner-Museums bildete. Und für das pharaonische Ägypten sind Steingefäße so typisch, dass es sie zwar in großer Zahl in der ägyptischen Sammlung des Museums gibt, die Sammlungsbereiche Antike Kulturen und Angewandte Kunst weisen hingegen jeweils nur ein einziges Stück dieser Objektgruppe auf.

Im Mittelpunkt der Sonderausstellung stehen altägyptische Gefäße, die durch ihre zeitlose Schönheit und meisterliche Verarbeitung bestechen. Die rund 100 kostbaren Steingefäße reichen von der prädynastischen Zeit bis ptolemäisch-römischen Zeit Ägyptens (ca. 4000 v. Chr. bis 200 n. Chr.). Die ältesten Stücke sind fast 6000 Jahre alt und wirken mit ihrer reduzierten Ästhetik trotzdem überraschend modern. Sie sind weitgehend ornamentfrei und bezaubern durch ihr Spiel mit markant gemaserten und farblich herausragenden Materialien.

Gesteinsarten wie Basalt, Brekzie, Grauwacke und Diorit sind ausgesprochen schwer zu bearbeiten. Sie verlangen vom Steinmetz große Geduld und hohe Sachkenntnis. Die makellose Ausführung beweist eindrucksvoll, zu welch großer Meisterschaft die Künstler im Alten Ägypten mit einfachen Werkzeugen fähig waren. Das Spektrum der gezeigten Objekte reicht von großen, wuchtigen Werken über elegante Alabasterbecher bis hin zu einem filigranen Fläschchen aus Lapislazuli mit Goldapplikationen.

Steingefäße waren wichtige Grabbeigaben und wurden in großer Zahl insbesondere in den Grablegen der altägyptischen Herrscher gefunden. Das stabile Material Hartgestein hat sie bis heute so gut erhalten, dass sie dadurch ganz besonders den Gedanken der Ägypter widerspiegeln, für die Ewigkeit geschaffen zu sein. Das kommt ganz besonders zum Ausdruck in der berühmten Stufenpyramide des Pharaos Djoser in der Nekropole Saqqara südlich von Kairo. In den unterirdischen Gängen dieses ältesten Großbaus der Menschheitsgeschichte – entstanden um 2500 v. Chr. – befanden sich mehrere Tausend kostbare Gefäße aus unterschiedlichsten Steinen.

Die Sonderausstellung "Für die Ewigkeit! Altägyptische Steingefäße" zeigt wunderschöne, bis dato noch nie ausgestellte Stücke der umfangreichen eigenen Ägyptischen Sammlung des Museum August Kestner. Hinzu kommen außergewöhnliche Stücke aus dem Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim sowie einer niederländischen Privatsammlung mit dem Schwerpunkt Ägyptische Steingefäße. Ergänzt werden sie durch noch nie öffentlich gezeigte Objekte einer norddeutschen Privatsammlung.

Die Ausstellung stellt zum einen Design und Ästhetik der Exponate in den Fokus, durch eine zurückhaltende Ausstellungsgestaltung soll die Schönheit der einzelnen Stücke zum Tragen kommen. Zum anderen werden die Gesteinsarten und auch "preisgünstigere" Imitationen der Steingefäße aus Keramik sowie die aufwändige Technik der Steingefäßherstellung vorgestellt, die aus den Gebrauchsobjekten wahre Meisterwerke werden ließ.

Der komplizierte und deshalb außerordentlich bewundernswürdige Herstellungsprozess wird in der Ausstellung ganz besonders anschaulich thematisiert. Im Rahmen "experimenteller Archäologie" ist es nämlich nach mehreren vergeblichen Versuchen erst im letzten Jahr einem Steinmetz in Hildesheim gelungen ist, Granit genau so zu bohren, dass dabei ein Bohrkern entstand, der exakt einem außergewöhnlichen antiken Exemplar in der Sammlung des Museum August Kestner gleicht.

Termin(e): 28.05.2020 bis 27.09.2020
mittwochs 
von 11:00 bis 18:00 Uhr
28.05.2020 bis 27.09.2020
von 11:00 bis 20:00 Uhr
Ort

Museum August Kestner

  • Trammplatz 3
  • 30159 Hannover
Eingangsfassade: Museum August Kestner © MAK