Oberbürgermeister Belit Onay stellte das Papier am 15. Januar gemeinsam mit dem Ersten Stadtrat und Kämmerer Axel von der Ohe, Sozialdezernentin Sylvia Bruns, Stadtbaurat Thomas Vielhaber und Kulturdezernentin Eva Bender vor.
„Sicherheit ist keine Einzelfrage, sondern eine zentrale Aufgabe. Hannover hat in den vergangenen Jahren viel erreicht – bei Ordnung, Prävention, Stadtgestaltung und sozialer Stabilisierung. Gleichzeitig nehmen wir Unsicherheitsgefühle sehr ernst. Diese erfordern eine dezernatsübergreifende Antwort“, erklärte Oberbürgermeister Belit Onay.
Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung des Konzepts waren auch die bundesweiten Debatten zum Jahresende 2025, ausgelöst durch Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz zu vermeintlichen Problemen im Stadtbild. „Wir wollten aus der Debatte etwas Positives mitnehmen und haben unsere eigenen Strategien noch einmal kritisch überprüft und produktiv weiterentwickelt. Der Maßnahmenkatalog umfasst eine Stärkung des Ordnungsdienstes sowie der Sozialarbeit, ein tolles Programm für den Raschplatz und notwendige städtebauliche Interventionen,“ so Onay.
„Hannover hat die Themen Sicherheit und Stärkung des Sicherheitsempfindens ganz oben auf der Agenda. Denn Ordnung ist Voraussetzung für Freiheit im öffentlichen Raum. Durch Sicherheitsbefragungen wissen wir, wie der Blick der Menschen auf den öffentlichen Raum ist und wir verstehen die Erkenntnisse als Grundlage städtischer Maßnahmen. Ganz wichtig ist uns dabei, dass wir im Verbund mit den zentralen Sicherheitsakteuren unterwegs sind.“
Die Stadtverwaltung hat deshalb die Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei ausgebaut, die Kooperationsstreife mit Polizei, Bundespolizei und DB-Sicherheit etabliert sowie eine Sicherheitspartnerschaft mit der Üstra begründet und noch vor dem Jahreswechsel die Waffenverbotszone ausgeweitet.
Mit der anstehenden Novellierung der Verordnung über die Sicherheit und Ordnung werden die Regeln für einen stadtgesellschaftlichen Konsens konkretisiert, wie wir einander im öffentlichen Raum begegnen wollen. Ordnungsbotschafter*innen in allen Stadtbezirken (außer Mitte), Stärkung der Leitstelle des Ordnungsdienstes, Modernisierung und Ausbau der Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten, Konfliktmanagement sowie neue Kooperationsstrukturen - insbesondere im Bahnhofsbereich - bilden weitere Schritte.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sauberkeit im öffentlichen Raum. Die erfolgreiche Kampagne „Hannover sauber!“ wird weiterentwickelt, unter anderem mit zusätzlicher Innenstadtreinigung, Abfallfahndung, konsequenten Bußgeldern, KI-gestützter Reinigungssteuerung und zusätzlichen Toilettenangeboten im Bahnhofsbereich.
Sozialdezernentin Sylvia Bruns stellte die sozialpolitische Säule des Konzepts heraus:
„Sicherheit ist nicht nur das Ergebnis von Kontrolle, sondern vor allem das Produkt sozialer Stabilität. Um diese weiter zu fördern, stärken wir unser gut vernetztes Hilfs- und Unterstützungsangebot und erweitern die Straßensozialarbeit perspektivisch auf das gesamte Stadtgebiet. Darüber hinaus entwickeln wir neue Formate wie die Kontaktkioske. Unser Ansatz ist klar: hinschauen, ansprechen, helfen – und dort, wo nötig, umsichtig, aber konsequent handeln.“
Geplant ist unter anderem der kurzfristige Ausbau der Straßensozialarbeit mit zusätzlichen viereinhalb Stellen, die Einrichtung von Kontaktkiosken als niedrigschwellige Anlaufstelle, ein stadtweites Awareness- und Präventionskonzept für Großveranstaltungen sowie ein Aufbau von Konfliktmanagementangeboten nach dem Vorbild der erfolgreichen Kooperation in Linden.
Stadtbaurat Thomas Vielhaber unterstrich die Bedeutung der baulichen und gestalterischen Dimension:
„Stadtgestaltung ist mehr als nur ein Beitrag zur Sicherheitsarchitektur. Helle, gut gestaltete, belebte Räume schaffen Orientierung, Aufenthaltsqualität und Sicherheit. Deshalb investieren wir in Beleuchtung, Platzgestaltungen, klare Sichtachsen und die Aufwertung zentraler Orte.“
Konkret geht es unter anderem um neue Beleuchtungskonzepte für dunkle Bereiche und Tunnel, die Aufwertung zentraler Plätze und Straßenzüge, die städtebauliche Weiterentwicklung des nördlichen Bahnhofsviertels.
Der Raschplatz soll bis zur Umsetzung des Masterplans „Nördliches Bahnhofsviertel“ durch eine dauerhafte Nutzungskultur, kulturelle Formate und sichtbare soziale Präsenz stabilisiert werden.
Hierzu Kulturdezernentin Eva Bender:
„Am Andreas-Hermes-Platz haben wir erlebt, wie Kultur Menschen zusammenbringt und aus einem Ort eine Gemeinschaft formen kann. Diese Kraft wollen wir nun auf den Raschplatz tragen. Dort soll ein Raum entstehen, der von den Menschen für die Menschen lebt – offen, einladend und gemeinsam gestaltet mit denen, die täglich dort sind. Kunst und Kultur werden dabei unser verbindendes Element sein. Unser Ziel ist ein Raschplatz, die Menschen einlädt und verbindet.“
Flankiert wird das Maßnahmenpaket durch eine stadtweite Kampagne unter dem Arbeitstitel „Hannover – na sicher!“, die auf Beteiligung, Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit setzt. Ziel ist es, Sicherheit als gemeinschaftliche Aufgabe der Stadtgesellschaft zu verankern.
„Hannover ist eine offene, vielfältige und lebendige Stadt. Genau das wollen wir schützen. Dieses Papier ist keine Momentaufnahme, sondern ein Arbeitsinstrument für die kommenden Jahre“, so Oberbürgermeister Onay.
Die zehn zentralen Schwerpunkte des Papiers „Mit Sicherheit zusammen“
- Ordnungsbotschafter*innen in allen Stadtbezirken, neue Leitstelle
- Neue Sicherheits- und Ordnungsverordnung mit klaren Regeln und erweiterten Eingriffsbefugnissen
- Modernisierung und Ausbau der Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten
- Stärkung der Sicherheitspartnerschaften mit Landes- und Bundespolizei, insbesondere im Bahnhofsbereich
- Ausbau der Straßensozialarbeit und sozialer Präsenz in Innenstadt und Stadtteilen
- Einrichtung von Kontaktkiosken als niedrigschwellige Anlaufstellen für Ordnung und Sozialarbeit
- Konfliktmanagement im öffentlichen Raum und Präventionsarbeit, u. a. in der Nachtkultur
- Städtebauliche Prävention durch hellere Räume, neue Beleuchtung, Platzaufwertungen und Stadtumbau
- Sauberkeitsoffensive mit zusätzlicher Reinigung, Abfallfahndung, Bußgeldern und neuen Toiletten
- Stadtweite Sicherheitskampagne „Hannover – na sicher!“ zur Stärkung von Eigenverantwortung und Zusammenhalt
Das erarbeitete Konzeptpapier wird den Ratsgremien als Informationsdrucksache vorgelegt. Für einzelne Themenfelder werden zudem Beschlussdrucksachen seitens der Fachdezernate in die verantwortlichen Ausschüsse eingebracht.