Rückblick: Veranstaltungen zum Geburtstagsjubiläum Hannah Arendts

Happy 120th Birthday Hannah!

Rückblick: Veranstaltungen zum Geburtstagsjubiläum Hannah Arendts

Bereits vergangene Veranstaltungen zum Jubiläum sind hier zu finden.

Szene aus „Denken ohne Geländer“, pulk fiktion, Köln

9. April 2026: Hannah Arendt und die NS-Provenienzforschung

Thema am 9. April im Museum August Kestner: Die Jewish Cultural Reconstruction Inc. und die Suche nach NS-Raubgut in Hannover.

Dr. Johannes Schwartz, Silke Bremer

Wie unterscheidet sich die Provenienzforschung heute von den damaligen Bemühungen der Jewish Cultural Reconstruction Inc.“ (JCR) um Restitution? Welche Anknüpfungspunkte, Verbindungslinien und Parallelen kann man in der Provenienzforschung der Stadtbibliothek, der Museen für Kulturgeschichte und des Stadtarchivs der Landeshauptstadt Hannover heute entdecken? Und wie kann das wissenschaftliche Werk Arendts heute die NS-Provenienzforschung bereichern?

Am 15. Februar 1949 erhielt die seit 1947 aktive Vereinigung „Jewish Cultural Reconstruction Inc.“ (JCR) mit Sitz in New York den vertraglich geregelten Auftrag der US-amerikanischen Militäradministration in Deutschland, die Verantwortung für erbenlose jüdische Kulturgüter in der US-amerikanischen Besatzungszone zu übernehmen. Die JCR übernahm dabei die Belange der Kulturrestitution im Auftrag der wichtigsten damals aktiven internationalen jüdischen Organisationen aus Palästina/Israel, den USA und Europa. So erhob sie für sich den Anspruch, das jüdische Volk weltweit zu vertreten. Sie war zuständig für jene Kulturgüter, die nicht unter das Rückerstattungsgesetz fielen. Im Laufe ihrer Tätigkeit nahm die JCR über 500.000 Bücher und mehrere tausend Ritualgegenstände, Archivalien, Dokumente, Bilder, Möbel und andere Kunstobjekte in Verwaltung und verteilte sie an jüdische Gemeinden und Institutionen in aller Welt.

Hannah Arendt, Geschäftsführerin der JCR seit Juni 1949, bereiste 1949/50 Deutschland und fuhr auch in die britische Besatzungszone, u. a. nach Hamburg und Hannover. Wenn die JCR bei ihren Recherchen private jüdische Eigentümer*innen identifizieren konnte, war sie nach dem Gesetz verpflichtet, ihnen die Kulturgüter zurückzugeben. So bot Arendt auch dem in New York City lebenden, aus Breslau geflüchteten jüdischen Schriftsteller und Lehrer Meinhardt Lemke 30 Bücher an.

An diese Praxis knüpft die Provenienzforschung zu NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern in Museen, Bibliotheken und Archiven heute an. So konnte in der Stadtbibliothek Hannover ein im Nationalsozialismus geraubtes Buch Lemkes identifiziert und 2025 an seine Erb*innen restituiert werden.

Die Referent*innen

Silke Bremer ist Historikerin und seit 2023 Provenienzforscherin zu NS-Raubgut an der Stadtbibliothek Hannover. Aktuell bearbeitet sie ein vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördertes Projekt zur ausschließlichen Erbenermittlung.

Dr. Johannes Schwartz ist promovierter Historiker und seit 2016 wissenschaftlicher Sachbearbeiter der Landeshauptstadt Hannover für Provenienzforschung in den Museen für Kulturgeschichte und im Stadtarchiv. Seit 2025 ist er stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V. 

16. April 2026: Willi Winkler: Hannah Arendt – Ein Leben

Gespräch am 16. April im ZeitZentrum Zivilcourage: Willi Winkler, Autor u.a. für die Süddeutsche Zeitung, spricht mit Dr. Jens Binner, Direktor des Zeitzentrums Zivilcourage, über die große Intellektuelle und brillante Beobachterin des 20. Jahrhunderts.

Willy Winkler

Hannah Arendt hat die ganze Geschichte des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib erlebt. Als Tochter aus einem großbürgerlichen Haus wächst sie in der Kant-Stadt Königsberg auf, studiert an der Universität Marburg, jenem Ort, an dem sich die geistige Produktivität der zwanziger Jahre auf einzigartige Weise verdichtet, und verliebt sich dort in den charismatischen Philosophen Martin Heidegger.

Hitlers Machtergreifung treibt sie ins Exil, sie wird in Frankreich interniert, entkommt schließlich nach New York. Sie entwickelt sich zu einer politischen Theoretikerin, die englisch schreibt, weiter deutsch denkt und sich dabei immer als Jüdin versteht. Mit ihrem Bericht vom Eichmann-Prozess erregt sie weltweit Aufsehen.

Referent

Willi Winkler, geboren 1957, war Redakteur der ≪Zeit≫, Kulturchef beim ≪Spiegel≫ und schreibt seit vielen Jahren für die ≪Suddeutsche Zeitung≫. Er ist Autor zahlreicher Bücher. Willi Winkler wurde mehrfach für sein Schreiben ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ben-Witter-Preis, dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus und dem Michael-Althen-Preis.

29. April 2026: Acts of Peace in Times of War – Wie kann Krieg ...

... beendet werden? Das ist das Thema eines Gesprächs am 29. April in der Orangerie Herrenhausen.

Jörn Leonhard und Aleida Assmann

Anlässlich des 120. Geburtstages von Hannah Arendt und hinführend zur Premiere der Musiktheater-Produktion The Day Before von Brigitta Muntendorf, Christiane Jatahy und Rosa Montero laden die KunstFestSpiele gemeinsam mit den HANNAH ARENDT TAGEN und dem Niedersächsischen Landesmuseum Hannover zu einem Gesprächsabend in die Orangerie in Herrenhausen ein. Prof. Dr. Aleida Assmann (Universität Konstanz) und Prof. Dr. Jörn Leonhard (Universität Freiburg) gehen der Frage nach „Wie kann Krieg beendet werden?“ Die Moderation liegt in den Händen von Dr. Michael Köhler, Deutschlandfunk.

Ausgangspunkt des Gespräches ist der Mythos der Ilias und die von Hannah Arendt und ihrer Zeitgenossin Simone Weil geprägten Begriffe zu Gewalt, Macht und Freiheit. Es soll jene Frage diskutiert werden, nach der Theater, Oper und Epos seit jeher fragen und die heute bittere Aktualität hat: „Wie kann Krieg beendet werden?“

Homers Ilias, die erste große Kriegserzählung der Weltliteratur, liefert die Blaupause, nach der die Künstlerinnen in The Day Before den Zustand zwischen Ekstase und Agonie vor dem Ausbruch einer großen Katastrophe als immersive Erfahrung inszenieren. Die Produktion ist nicht zuletzt inspiriert von Hannah Arendts und Simone Weils philosophischen Interpretationen der Ilias.

Vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Lage stellt sich die Frage, wie wir heute mit uns unbequemen Wahrheiten umgehen und was es braucht, um der Mahnung Arendts und auch Weils zur Verteidigung der Freiheit und Demokratie Gehör zu verschaffen. Wie kommt es zur gegenwärtigen Konjunktur einer hundert Jahre alten Bestimmung des Politischen als Unterscheidung von Freund und Feind? Was steht universaler Freundschaft und sinnvoller Macht im Sinne Hannah Arendts im Weg? Wie liest Simone Weil das antike Gewalt-Gedicht der Ilias? Welche Impulse gehen von den Denkerinnen für heute aus?

Eine Kooperation von KunstFestSpiele Herrenhausen, HANNAH ARENDT TAGE und Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Referent*innen

Der Historiker Jörn Leonhard blickt in seinem Werk Über Kriege und wie man sie beendet: Zehn Thesen zurück auf Kriege der Vergangenheit, die alle irgendwann zu Ende gingen, und macht historisches Wissen fruchtbar für das Verständnis unserer Gegenwart.

Die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann, die gemeinsam mit ihrem Mann Jan Assmann 2018 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, ergründet die Logik von Krieg und Frieden und erforscht das Potenzial von Erinnerungsarbeit und geschichtlicher Weisheit.

5. Mai 2026: Film: Hannah Arendt – eine Jüdin im Pariser Exil

Das Kommunale Kino Hannover zeigt am 5. Mai den Film aus dem Jahr 2025 bei freiem Eintritt.

Mit der NS-Herrschaft begann für die Jüdin Hannah Arendt ein von Flucht und Exil geprägtes Leben. Viele ihrer Gedanken wurzeln in dieser Zeit.

Inmitten von Emigrantenzirkeln arbeitet Arendt zentrale Thesen ihres späteren Hauptwerkes „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ aus. Ihre Analysen des Antisemitismus und die Auseinandersetzung mit Fragen der Assimilation von Juden an die Mehrheitsgesellschaft gründen ebenfalls in den Erfahrungen dieses Lebensabschnitts. Zudem bildet sich ihre pro-zionistische Sicht auf die Gründung Israels heraus, die quer zu Ansichten anderer Strömungen der Bewegung stand. Die Bestseller-Biografie von Thomas Meyer hat Arendts Zeit in Paris, wo sie für mehrere Jahre ein Exil fand, erstmals gründlich erforscht. Der Film folgt Meyer an Wirkungsstätten der Philosophin und politischen Denkerin. Im Wechselspiel zwischen Schauplätzen der Geschichte – so Gurs, ein Internierungslager in Süd-Frankreich, aus dem Hannah Arendt durch glückliche Umstände der Deportation nach Auschwitz-Birkenau entging – und der regen Gedankenwelt von Hannah Arendt entsteht ein spannendes filmisches Porträt bis zu ihrer frühen Zeit in New York, wo sie 1941 ankommt. Dort erfährt Arendt schließlich vom Holocaust und verfasst ihre bis heute wirkmächtigen Thesen zu totaler Herrschaft als Praxis der Entmenschlichung.

Mit dabei: Philosoph Omri Boehm, die Adorno-Preisträgerin Seyla Benhabib, die französische Arendt-Expertin Martine Leibovici und Marina Touillez, Verfasserin einer in Frankreich intensiv diskutierten Darstellung des Pariser Exil-Umfeldes Hannah Arendts.

Gefördert mit Mitteln der nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH.
Autor: Christian Bettges
Kamera: Thomas Bresinsky, Jan Kerhart
Ausführende Produzentin: Nadja Frenz
Produktion: Vincent Productions Hamburg
Redaktion: Christopher Janssen (ZDF/arte)
Länge: ca. 52 Minuten

(Quelle: Pressetext Vincent Productions Hamburg)

19. Mai 2026: Start der Reihe „Hannover liest HANNAH“

Bekannte Persönlichkeiten Hannovers sprechen über ein Werk Arendts und stellen aktuelle Bezüge her. Zum Auftakt diskutiert Düzen Tekkal, Menschenrechtsaktivistin und Journalistin, am 19. Mai in der Zentralbibliothek mit dem Moderator Sebastian Friedrich über die „Aporien der Menschenrechte“ aus Arendts Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“.

Menschenrechte stehen weltweit unter Druck, Menschenrechtsverletzungen sind weltweit an der Tagesordnung. Vor 75 Jahren erschien Arendts Hauptwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, in dem sie sich mit den totalitären Systemen des Nationalsozialismus und des Stalinismus befasst. In diesem Zusammenhang setzt sich Arendt kritisch mit dem Verständnis der Menschenrechte, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 zum Ausdruck kommt, auseinander- Sie beanstandet, dass Menschenrechte z. B. Geflüchtete und Staatenlose nicht ausreichend vor Entrechtung und Verfolgung schützen. In dem Kapitel „Die Aporien der Menschenrechte“ betonte sie, dass das fundamentale Menschenrecht das „Recht, Rechte zu haben“ ist, und hebt das Recht auf Zugehörigkeit, dem Zugang zu einer politischen Gemeinschaft hervor. Wie aktuell sind Arendts Überlegungen angesichts weltweiter Menschenrechtsverletzungen – und wie können Menschenrechte im 21. Jahrhundert wirksam geschützt werden?

Referentin

Düzen Tekkal ist Autorin, Journalistin, Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin. Gemeinsam mit ihren Schwestern gründete sie die Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help e.V. Die Organisation setzt sowohl Entwicklungs- und Bildungsprogramme im Irak, in Syrien und in Deutschland, als auch internationale Sensibilisierungs- und Aufklärungsinitiativen sowie politische Arbeit u. a. zur Freiheitsbewegung im Iran um. In ihrem Buch und der gleichnamigen Bildungsbewegung GermanDream setzt sie sich für ein wertebasiertes Deutschland und gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit ein.

Düzen Tekkal

Düzen Tekkal ist Jesidin, Kurdin und Deutsche. Für ihr Engagement wurde sie mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Moderator

Sebastian Friedrich ist Journalist, Kurator und Autor. Nach einem Studium der Sozialarbeit/ Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Berlin war er 2017-2019 Programmvolontär beim NDR. Er erstellt Beiträge für das ARD-Magazin Panorama, die Radiosender NDR Kultur, NDR Info, Deutschlandfunk Kultur und die Wochenzeitung Der Freitag. Seine Themengebiete sind die Neuen Rechten, Rassismus und Nationalismus sowie die Entwicklung des neoliberalen Kapitalismus.

Sebastian Friedrich

28. Mai 2026: 250th Birthday of America’s Democracy

Eine Demokratie zwischen Desillusionierung und Selbstverteidigung – so lautet der Untertitel zum Impulsvortrag mit anschließender Diskussion am 28. Mai im Hodlersaal im Neuen Rathaus Hannover.

Vor 250 Jahren wurde die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika verabschiedet, die die politische und rechtliche Grundordnung der USA festlegte. Die vor 120 Jahren in Hannover geborene international bekannte Politiktheoretikerin Hannah Arendt würdigte diese Verfassung als ein geglücktes Beispiel für eine gelungene Staatsgründung und die Verankerung politischer Freiheit. Doch Freiheit kann man nur erhalten, wenn man wachsam ist, denn die Hoffnung, das liberale Demokratien automatisch stabil sind, erweist sich als trügerisch. Und so lässt sich auch in einigen Demokratien, nicht zuletzt in den USA, der Verlust demokratischer Qualität beobachten: Die Gewaltenteilung wird systematisch ausgehöhlt, unabhängige Medien demontiert, politische Gegner eingeschüchtert. Welche Lehren lassen daher sich aus der transatlantischen Entwicklung auf nationaler und kommunaler Ebene ziehen? Ist der „Trumpismus“ tatsächlich eine unumkehrbare Zäsur und stehen die USA vor einem Kipppunkt? Was braucht es, damit die Demokratie auch auf kommunaler Ebene resilient gegen ihre Bedrohungen wird?

Referentin

Cathryn Clüver Ashbrook ist eine deutsch-amerikanische Wirtschafts- und Politikanalystin und Strategin. Sie war Direktorin und Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und ist derzeit Senior Advisor des Programms „Nachhaltige Marktwirtschaft“ der Bertelsmann Stiftung, wo sie den Forschungsbereich zu wirtschaftlicher Sicherheit und sektorübergreifender Resilienz leitet.

Cathryn Clüver Ashbrook

Über zehn Jahre lang leitete sie drei große Forschungsinitiativen am Belfer Center der Harvard Kennedy School, darunter das „Future of Diplomacy Project“ und ein Forschungsprogramm zu transatlantischen Sicherheits- und Handelsfragen, die sie beide mitbegründete. Zuvor war sie Mitglied des Vorstands des European Policy Centre (Brüssel) und als Strategieberaterin bei Roland Berger in Shanghai, Peking, Hamburg und Paris tätig.

Ihre Karriere begann sie als Fernsehjournalistin für CNN International in Atlanta und London. Clüver Ashbrook absolvierte ihr Studium an der Brown University, der London School of Economics und der Harvard Kennedy School und unterhält akademische Verbindungen in Europa und den USA. Im Januar 2026 erschien ihr erstes Buch, der SPIEGEL Bestseller „Der Amerikanische Weckruf“ (Brandstätter Verlag).

Moderation

Felix Weiper, Leitung des Presseteams der Landeshauptstadt Hannover.

Anmeldung nicht mehr möglich

Die Veranstaltung ist ausgebucht, eine Anmeldung ist nicht mehr möglich.

2. Juni 2026: Menschlichkeit als politisches Konzept?

In der Reihe „Hannover liest HANNAH“ ist am 2. Juni mit Dr. Ina Schaede die Pastorin der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in der Zentralbibliothek zu Gast.

Hannah Arendts berühmte Rede „Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten“ anlässlich der Verleihung des Lessing-Preises in Hamburg 1959 regt zu einer „radikal kritischen Haltung zur Welt“ und zum Mut zum „Selbstdenken“ an, wenn die politische Öffentlichkeit sich zu verfinstern droht.  

Der zentrale Gedanke Arendts, dass der Standpunkt der Menschlichkeit nicht verlassen werden darf, egal wie tief Konflikte und Meinungsverschiedenheiten sind, kann uns Hoffnung vermitteln, sich für den Zusammenhalt der Gesellschaft einzusetzen.

Referentin

Dr. Ina Schaede studierte von 2000 bis 2006 evangelische Theologie an der Universität Heidelberg. Von 2007 bis 2009 war sie DFG-Stipendiatin am Max-Weber-Kolleg Erfurt und am Ethikzentrum Jena bei Prof. Dr. Hans Joas und Prof. Dr. Nikolaus Knoepffler zum Thema Menschenwürde und Menschenrechte. Sie promovierte 2012 mit einer Dissertation zum Thema „Bildung und Würde. Religionspädagogische Reflexionen im interdisziplinären Kontext“. Es folgte ab 2012 ein Vikariat in der ev.-luth. Landeskirche Hannovers. Von 2023 bis 2025 war Dr. Ina Schaede Pastorin der ev. Studierendengemeinde Hannover. Seit 2025 ist sie Pastorin in der Neustädter Hof- und Stadtkirche mit Schwerpunkt Kultur und Leibniz-Gedenkort.

Dr. Ina Schaede

Moderatorin

Dr. Claudia Christophersen studierte Germanistik und Philosophie in Tübingen, Heidelberg und München. Sie promovierte mit einer Arbeit über Hannah Arendts Rahel Varnhagen-Biografie. Heute arbeitet sie als Kulturjournalistin in Hannover.


 

Dr. Claudia Christophersen

6. Juni 2026: Film-Matinee: Hannah Arendt

Das Kommunale Kino Hannover zeigt mehrmals den Film von Margarethe von Trotta.

Hannah Arendt (Barbara Sukowa)

Hannah Arendts Denken veränderte die Welt. Ihre gesellschaftspolitischen Schriften über totalitäre Systeme und Demokratie prägen bis heute unsere Sichtweise auf das 20. Jahrhundert und sind aus unserem Verständnis für politische Zusammenhänge – auch der aktuellen – nicht mehr weg zu denken.

In ihrem Film „Hannah Arendt“ aus dem Jahr 2012 beschäftigt sich Margarethe von Trotta mit einer der Großen unserer Zeitgeschichte, interessiert sich aber nicht nur für das Phänomen Hannah Arendt, sondern vor allem für die Frau, die sich hinter der unabhängigen Denkerin verbirgt. Entstanden ist das sehr berührende Porträt einer Frau, die nicht nur kompromisslos und unangepasst denkt, sondern mit viel Humor und Herzenswärme ein außergewöhnliches Leben führt.

Kurzinhalt

Als Hannah Arendt (dargestellt von Barbara Sukowa) 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um für den renommierten The New Yorker über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand. Die geistlose Mittelmäßigkeit Eichmanns passt nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten. Dieser Widerspruch beschäftigt Hannah Arendt sehr. Zurück in New York liest sie hunderte Prozessakten, recherchiert, diskutiert mit ihrem Mann Heinrich Blücher (dargestellt von Axel Milberg) und ihren Freunden. Ab Februar 1963 erscheint unter dem Titel „Eichmann in Jerusalem“ ihre Artikelserie im The New Yorker. Mit ihrer These von der „Banalität des Bösen“ schockiert Arendt die Welt. Die Reaktionen sind verheerend und niederschmetternd. Hannah Arendt wird geächtet, angefeindet, verliert lebenslange Freunde. Das Unverständnis einiger ihrer Freunde trifft sie hart, weniger die Hetzkampagnen, die zahlreiche Medien entfachen. Dennoch bleibt sie konsequent bei ihrer Haltung, sie kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, wenn es um für sie so wichtige Themen wie Totalitarismus und Macht geht. Denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, „dahin zu denken, wo es weh tut“.

(Quelle: Hannah Arendt, Ihr Denken veränderte die Welt, Presseheft zum Film, NFP marketing & distribution*)

9. Juni 2026: Was wir tun, wenn wir tätig sind

In der Reihe „Hannover liest HANNAH“ ist am 9. Juni mit Matti Linke der Landesmeister im Poetry Slam in der Zentralbibliothek zu Gast.

„Vita activa oder Vom tätigen Leben“ gilt als das philosophische Hauptwerk der politischen Theoretikerin Hannah Arendt. Unter dem Titel The Human Condition 1958 in den USA veröffentlicht, erschien die deutsche Fassung 1960. Arendt analysiert darin die drei Grundtätigkeiten Arbeiten, Herstellen und Handeln. Die beiden ersten sind notwendig für das menschliche Leben und Überleben in dieser Welt, doch die zu starke Fokussierung auf Arbeit und Konsum in der modernen Arbeitsgesellschaft verkennt nach Arendt die besondere Bedeutung des Handelns in der Öffentlichkeit für ein freiheitlich-friedliches Miteinander. Handeln ist für sie die Fähigkeit, etwas Neues in Freiheit anzufangen, und nur durch das gemeinsame Handeln wird die Welt politisch gestaltbar. Inwieweit greift Arendts Konzept heute noch, in einer Zeit, in der sich die Arbeitsgesellschaft in einem ungeheuren Tempo verändert und Demokratien unter Druck geraten? Können ihre Gedanken helfen, die Demokratie resilienter zu machen und der Sehnsucht nach Autoritarismus Handlungsoptionen entgegenzusetzen?

Referent

Matti Linke ist seit 2016 erfolgreich auf den großen deutschen Slambühnen im deutschsprachigen Raum unterwegs. Er lebt in Hannover und studiert Literaturwissenschaft, Deutsch und Philosophie. Matti Linke ist zweifacher Landesmeister im Poetry Slam für Niedersachsen und Bremen für die Jahre 2022 und 2025. Mit seinem beeindruckenden Repertoire an gesellschaftskritischen und lyrischen Texten gilt er seit Jahren als einer der feinsinnigsten, sprachlich versiertesten und performativ stärksten Slammer Niedersachsens.

Matti Linke

Moderator

Sebastian Friedrich ist Journalist, Kurator und Autor. Nach einem Studium der Sozialarbeit/ Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Berlin war er 2017-2019 Programmvolontär beim NDR. Er erstellt Beiträge für das ARD-Magazin Panorama, die Radiosender NDR Kultur, NDR Info, Deutschlandfunk Kultur und die Wochenzeitung Der Freitag. Seine Themengebiete sind die Neuen Rechten, Rassismus und Nationalismus sowie die Entwicklung des neoliberalen Kapitalismus.

Sebastian Friedrich

11. Juni 2026: Aber, bitte schön, zur Gräfin machen Sie mich nicht!

Beim Impulsvortrag mit Gespräch geht es am 11. Juni im ZeitZentrum Zivilcourage um „Hannah Arendt und Uwe Johnson. Eine Freundschaft in New Yorker Nachbarschaft und in Briefen“.

Dr. Katja Leuchtenberger

Welche Spuren hat Arendt in Uwe Johnsons Werk hinterlassen? 

Hannah Arendt und Uwe Johnson lernten sich im Mai 1965 bei einer Lesung im Goethehaus in New York kennen. Ein knappes Jahr später zog Johnson in Arendts unmittelbare Nachbarschaft an den Riverside Drive in Manhattan. Dass sein ursprünglich für ein Jahr geplanter Aufenthalt in New York um ein zweites Jahr verlängert werden konnte, ist auch Arendts Fürsprache zu verdanken. In New York begann Johnson, seinen Jahrhundertroman Jahrestage zu schreiben, den Arendt zwar für ein »Meisterwerk« hielt, in dem sie sich einen Auftritt als Romanfigur aber dennoch verbat, sodass Johnson die Figur buchstäblich in letzter Sekunde umschreiben musste. Als Johnson 1968 nach West-Berlin zurückkehrte, setzte sich die Freundschaft in Briefen fort, die von Wärme und Ernsthaftigkeit ebenso gekennzeichnet sind wie von Ironie und Witz. 

Dr. Katja Leuchtenberger, Universität Rostock, zeichnet ein lebendiges Bild dieser Freundschaft und unterhält sich mit Dr. Jens Binner, Direktor des ZeitZentrums Zivilcourage, über die Spuren, die Arendt in Johnson Werk hinterlassen hat.

Referentin

Dr. Katja Leuchtenberger ist stellvertretende Arbeitsstellenleiterin der Uwe-Johnson-Werkausgabe, die als Akademienvorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Rostock erarbeitet wird und im Suhrkamp Verlag erscheint. Sie hat die suhrkamp basis biographie zu Uwe Johnson verfasst und war als Germanistin langjährige Wissenschaftslektorin im Akademie Verlag Berlin. Zuvor hat sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Literaturarchiv Marbach die erste Dauerausstellung im Literaturmuseum der Moderne kuratiert.

13. und 20. Juni 2026: „stop and think”: Schreibdenken-Workshop

Die kostenfreien Workshops im Kulturtreff Vinnhorst am 13. Juni von 15 bis 18 Uhr und im Freizeitheim Vahrenwald am 20. Juni von 10 bis 13 Uhr, sind offen für alle – Schreiberfahrung oder Vorwissen über Hannah Arendt ist nicht nötig.

Dr. Silke Ohlmeier

In diesem Workshop beschäftigen wir uns schreibend mit Dingen, die uns bewegen: Entscheidungen, Träume oder Fragen, die schon lange im Kopf kreisen. Alles, was wir durchdenken und klären wollen, findet hier Raum.

Die Teilnehmenden bringen ihre eigenen Themen und Fragen ein. Kurze Schreibimpulse, die von der Hannoveraner Philosophin Hannah Arendt inspiriert sind, eröffnen neue Perspektiven und laden dazu ein, beim Schreiben Klarheit, Haltung oder nächste Schritte zu entwickeln.

Anmeldung erforderlich

Referentin

Dr. Silke Ohlmeier, Soziologin und freie Autorin. Sie hat über das Thema Langeweile promoviert. 2023 absolvierte sie eine einjährige zertifizierte Weiterbildung zur Schreibtrainerin am Writers’ Studio Wien und sich dort intensiv mit Schreibdidaktik beschäftigt. Silke Ohlmeier gibt regelmäßig Workshops im Bereich kreatives Schreiben und Sachbuchschreiben.

Zitat Copyright: Hannah Arendt Bluecher Literary Trust

 

16. Jui 2026: Hannah Arendt & Villa Seligmann feiern 120. Geburtstag

Um dieses Doppeljubiläum geht es am 16. Juni in Vorträgen und Salongespräch in der Villa Seligmann.

Diana Häs

In Hannover wird 2026 ein Doppeljubiläum gefeiert: Am 14. Oktober 1906, vor 120 Jahren, wurde Hannah Arendt in Hannover-Linden geboren. Von 1904 – 1906 lleßen sich Siegmund Seligmann und seine Frau Johanna eine großbürgerliche Villa errichten: Die Villa Seligmann in der Hohenzollernstraße in Hannover.

Seit vielen Jahren ist die Villa Seligmann ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Hannover. Als Kulturhaus, Museum und Lernort zugleich wird in ihr jüdisches Leben sichtbar und erlebbar, die Familiengeschichte wird weitererzählt und erforscht.

Nach zwei kurzen Impulsvorträgen durch Eliah Sakakushev – von Bismarck und Dr. Diana Häs werden in einem sich anschließenden Gespräch die Parallelen im Leben von Hannah Arendt und Johanna Seligmann-Coppel beleuchtet. Mit Blick auf die jüdische Identität beider Frauen werden deren gesellschaftliche Wirkung und geistiger Nachlass, aber auch Flucht und Migration anhand ausgewählter Lebensstationen behandelt. Abschließend wird das Gespräch für Fragen und Anregungen aus dem Publikum geöffnet.

Die Referent*innen

Dr. Diana Häs ist Dozentin an unterschiedlichen Bildungseinrichtungen für Philosophie und politische Theorie und seit 2024 Vorstandsmitglied des Hannah-Arendt-Vereins für politisches Denken e.V. in Bremen. Sie hat Philosophie und Erziehungswissenschaften an der Universität Osnabrück studiert.

Eliah Sakakushev-von Bismarck ist seit 2018 Direktor der Villa Seligmann. Seine Aufgaben umfassen die künstlerische und strategische Planung, Betriebswirtschaft, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Konzeption und Moderation von Veranstaltungen. Als Kulturmanager und Moderator folgt er regelmäßig Einladungen zu Podiumsdiskussionen und Vorträgen zu den Themen jüdische Musik und jüdisches Kulturerbe.

17. und 18. Juni 2026: Denken ohne Geländer

Hannah Arendt im Selbstversuch: Das Theaterstück von „pulk fiktion“ am 17. und 18. Juni und Ballhof Zwei ist geeignet für alle ab 13 Jahre.

Denken ohne Geländer

Lasst uns Denken nicht als alltägliche Gegebenheit begreifen, sondern als Wagnis. Wie denken wir wirklich selber? Welche gedanklichen Geländer geben uns Sicherheit? Wo reichen sie nicht mehr aus? Was heißt es, sie loszulassen?

Auf den Spuren der Politiktheoretikerin Hannah Arendt (1906 in Hannover-Linden geboren, 1975 in New York gestorben) begibt sich die Performerin Hannah Biedermann mit viel Freude auf den Holzweg. Im Zwiegespräch mit Bühnentechniker Simon Brinkmann erforscht sie die Beziehung zwischen Denken und politischem Handeln und lädt das Publikum zum Dialog. Der Theaterraum wird zum Denkraum, in dem Luft ist für Fragen nach Macht und Verantwortung, nach Identität und Pluralität. Es entsteht eine kollektive Suche danach, was es heißt, gemeinsam frei zu sein.

pulk fiktion ist eine 2007 gegründete Performancegruppe mit Sitz in Köln. Der vielfältige und interdisziplinäre Ansatz der Gruppe entsteht aus dem unbedingten Ziel, die ästhetische Form jeweils individuell nach dem gestellten Thema auszurichten. pulk fiktion entwickeln ihre Produktionen auf der Basis gesellschaftlicher Fragestellungen sowie aus Vorlagen der populären Kultur.

Seit 2019 erhält pulk fiktion die Spitzenförderung für Kinder- und Jugendtheater des Landes NRW.

Ein Gastspiel der Gruppe pulk fiktion in Kooperation mit dem Schauspiel Hannover und den HANNAH ARENDT TAGEN

30. Juni 2026: Politik als Raum der Freiheit

In der Reihe „Hannover liest HANNAH“ laden wir am 30. Juni zu einem Gespräch zwischen Eva Birkenstock (Direktorin der Kestner Gesellschaft) und  Dr. Claudia Christophersen (Kulturjournalisten) in die Zentralbibliothek.

Das Werk „Was ist Politik? Fragmente aus dem Nachlass“ von Hannah Arendt, herausgegeben von Ursula Ludz, ist eine Zusammenstellung von Manuskripten, die Arendt zwischen 1950 und 1959 verfasst hat. In diesen Notizen entwickelt Arendt den entscheidenden Gedanken, dass der Sinn von Politik Freiheit ist. Zugleich folgt daraus die immer wieder neu zu bewältigende Aufgabe einer gemeinsamen Gestaltung der Welt – politisch, ethisch, ästhetisch, um diese Freiheit zu verwirklichen: Wie können Menschen im öffentlichen Raum sprechend und handelnd Freiheit erfahren und aus dem Faktum der menschlichen Pluralität eine echte Vielfalt des Miteinanders werden lassen? Davon ausgehend ist dann zu fragen: Welche Rolle nehmen Kunst und Kultur in der politischen Gesellschaft ein? Was für Handlungsräume bieten Institutionen wie die Kestner Gesellschaft, was kann das programmatisch bedeuten? 

Gesprächspartnerin

Nach dem Studium in Köln, Berlin und Havanna war Eva Birkenstock zwischen 2007 und 2016 in unterschiedlichen Positionen an Ausstellungshäusern im In- und Ausland tätig. Zusammenarbeit und den Dialog zwischen verschiedenen Diskursen und Arbeitsweisen favorisierend, organisierte sie neben Ausstellungen regelmäßig Auch Sommerakademien, Konferenzen, Performance- und Literaturreihen sowie diskursive Langzeit- und Publikationsprojekte. Vor ihrem Amtsantritt als Direktorin der Kestner Gesellschaft im August 2025 eröffnete sie in Aachen noch Ausstellungen mit Amy Sillman und Rochelle Feinstein. Seitdem kuratierte sie Einzelausstellungen mit Cauleen Smith, Teilnehmerin der Hauptausstellung In Minor Keys der 61. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia, sowie dem international renommierten Künstler Richard Hawkins in Kooperation mit der Kunsthalle Wien.

Eva Birkenstock

Moderatorin

Dr. Claudia Christophersen studierte Germanistik und Philosophie in Tübingen, Heidelberg und München. Sie promovierte mit einer Arbeit über Hannah Arendts Rahel Varnhagen-Biografie. Heute arbeitet sie als Kulturjournalistin in Hannover.

Dr. Claudia Christophersen

   

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