Mit der NS-Herrschaft begann für die Jüdin Hannah Arendt ein von Flucht und Exil geprägtes Leben. Viele ihrer Gedanken wurzeln in dieser Zeit.
Inmitten von Emigrantenzirkeln arbeitet Arendt zentrale Thesen ihres späteren Hauptwerkes „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ aus. Ihre Analysen des Antisemitismus und die Auseinandersetzung mit Fragen der Assimilation von Juden an die Mehrheitsgesellschaft gründen ebenfalls in den Erfahrungen dieses Lebensabschnitts. Zudem bildet sich ihre pro-zionistische Sicht auf die Gründung Israels heraus, die quer zu Ansichten anderer Strömungen der Bewegung stand. Die Bestseller-Biografie von Thomas Meyer hat Arendts Zeit in Paris, wo sie für mehrere Jahre ein Exil fand, erstmals gründlich erforscht. Der Film folgt Meyer an Wirkungsstätten der Philosophin und politischen Denkerin. Im Wechselspiel zwischen Schauplätzen der Geschichte – so Gurs, ein Internierungslager in Süd-Frankreich, aus dem Hannah Arendt durch glückliche Umstände der Deportation nach Auschwitz-Birkenau entging – und der regen Gedankenwelt von Hannah Arendt entsteht ein spannendes filmisches Porträt bis zu ihrer frühen Zeit in New York, wo sie 1941 ankommt. Dort erfährt Arendt schließlich vom Holocaust und verfasst ihre bis heute wirkmächtigen Thesen zu totaler Herrschaft als Praxis der Entmenschlichung.
Mit dabei: Philosoph Omri Boehm, die Adorno-Preisträgerin Seyla Benhabib, die französische Arendt-Expertin Martine Leibovici und Marina Touillez, Verfasserin einer in Frankreich intensiv diskutierten Darstellung des Pariser Exil-Umfeldes Hannah Arendts.
Gefördert mit Mitteln der nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH.
Autor: Christian Bettges
Kamera: Thomas Bresinsky, Jan Kerhart
Ausführende Produzentin: Nadja Frenz
Produktion: Vincent Productions Hamburg
Redaktion: Christopher Janssen (ZDF/arte)
Länge: ca. 52 Minuten
(Quelle: Pressetext Vincent Productions Hamburg)