Neue Stadttafeln erinnern an jüdisches Leben & NS-Verfolgung in Hannover
Erinnerungskultur
Neue Stadttafeln erinnern an jüdisches Leben & NS-Verfolgung in Hannover
Zwei Tafeln, zwei Geschichten: Am jüdischen Friedhof An der Strangriede erinnern seit Montag, den 7. September, zwei neue Stadttafeln an die Geschichte des Friedhofs und an die Verfolgung der hannoverschen Jüd*innen während des Nationalsozialismus. Oberbürgermeister Belit Onay und Michael Fürst, Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, enthüllten die Tafeln anlässlich des 85. Jahrestages der sogenannten „Aktion Lauterbacher“.
Enthüllung der zwei Stadttafeln durch v.l.n.r.: Michael Fürst, Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Oberbürgermeister Belit Onay und Dan Litvan, Erster Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover K.d.ö.R.
„Die neuen Stadttafeln machen sichtbar, was hier in Hannover geschehen ist – und sie erinnern zugleich daran, dass jüdisches Leben in unserer Stadt eine viel längere Geschichte hat als die Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung“, sagt Oberbürgermeister Belit Onay. „Gerade deshalb ist es wichtig, Geschichte dort zu erzählen, wo sie stattgefunden hat. Die Tafeln laden dazu ein, genauer hinzusehen und sich mit dem jüdischen Leben und der Geschichte unserer Stadt auseinanderzusetzen.“
Begrüßung in der ehemaligen Predigthalle durch den Oberbürgermeister.
Zwei Orte, zwei Kapitel jüdischer Stadtgeschichte
Eine der beiden Tafeln widmet sich dem jüdischen Friedhof An der Strangriede. Er wurde zwischen 1858 und 1864 nach Plänen des jüdischen Architekten Edwin Oppler angelegt und war bis 1924 der Friedhof der jüdischen Gemeinde Hannover. Mit mehr als 2.500 erhaltenen Grabstätten ist er heute ein bedeutendes Zeugnis jüdischen Lebens in Hannover im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Die zweite Tafel erinnert an die Geschichte des benachbarten Gebäudes An der Strangriede 55, das während der Zeit des Nationalsozialismus als sogenanntes „Judenhaus“ genutzt wurde. Im September 1941 wurden rund 1.200 hannoversche Jüdinnen und Juden im Rahmen der sogenannten „Aktion Lauterbacher“ gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen und in solche Sammelunterkünfte umzuziehen. Die Zwangseinweisungen waren eine Vorstufe der späteren Deportationen.
Erinnerung als Zeichen gegen das Vergessen
„Diese beiden Tafeln machen deutlich, wie eng die Geschichte jüdischen Lebens und die Geschichte seiner Verfolgung miteinander verbunden sind“, sagt Michael Fürst, Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. „Erinnerung bedeutet für uns auch, die Orte und die Geschichten der Menschen sichtbar zu machen, die hier gelebt haben. Gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben wieder stärker sichtbar und zugleich angegriffen wird, ist diese Erinnerung besonders wichtig.“
Das Stadttafelprogramm wächst weiter
Die neuen Stadttafeln sind Teil der Überarbeitung und Erweiterung des städtischen Stadttafelprogramms. An historischen Orten im Stadtgebiet informieren die Tafeln über bedeutende Ereignisse, Persönlichkeiten und Orte der hannoverschen Stadtgeschichte. Perspektivisch sollen die Informationen zudem durch digitale Angebote ergänzt werden.
Die Texte für die beiden neuen Stadttafeln stammen von den Historiker*innen Dr. Marlis Buchholz und Dr. Peter Schulze.
Stadttafeln
Stadttafeln: Jüdischer Friedhof, An der Strangriede und Ehemaliges "Judenhaus" An der Strangriede