Neue Versorgungsstelle für drogensüchtige und obdachlose Menschen

Soziales

Neue Versorgungsstelle für drogensüchtige und obdachlose Menschen

Die Stadt Hannover schafft neue soziale Versorgungsstelle für drogensüchtige und obdachlose Menschen in der Herschelstraße in der Innenstadt. Es soll eine zweite Anlaufstelle neben Mecki 2.0. werden mit einer Diamorphinambulanz und Übernachtungsmöglichkeiten. Geplant sind auch 46 Mikroappartements für obdachlose Männer. Im Haus ist auch eine Straßensozialarbeit vorgesehen.

Stellen das neue Gebäude  und die Räume in der Herschelstraße vor: Oberbürgermeister Belit Onay, Sozialdezernentin Sylvia Bruns, Ilka Schimmelpfennig, Leitung Stabsstelle Unterbringung Geflüchtete der Landeshauptstadt Hannover und Dr. Thomas Peschel, Leiter der Diamorphinambulanz. 

Die Landeshauptstadt Hannover plant eine neue soziale Versorgungsstelle für drogensüchtige und obdachlose Menschen in der Innenstadt. Um die Versorgung der Menschen auf den bahnhofsnahen Plätzen weiter zu verbessern, mietet sie langfristig ein sechsstöckiges Gebäude in der Herschelstraße 28 an. Es befindet sich in unmittelbarer Bahnhofsnähe und wird ab sofort umgebaut. 

Umzug der Diamorphinambulanz von der Odeonstraße in die Herschelstraße

Die Diamorphinambulanz, seit 2009 in der Odeonstraße, wird dorthin umziehen und die Versorgung von zuvor 90 auf 150 schwer suchtkranke Patient*innen ausweiten können. Zusätzlich entstehen 46 Mikroappartements für obdachlose Menschen. Vorbehaltlich der Beschlussfassung in den politischen Gremien soll das Angebot ab Ende 2027 bestehen.

Das Gebäude in der Herschelstraße 28 soll eine neue soziale Versorgungsstelle werden.

„Mit diesem innovativen Projekt begegnen wir einer der zentralen Herausforderungen in unserer Innenstadt bei der Versorgung obdachloser Menschen. Mit dem neuen Standort wollen wir im Rahmen unserer städtischen Unterbringungsstrategie eine moderne, barrierefreie und integrierte Einrichtung schaffen, die zusammen mit dem Mecki 2.0 in der Augustenstraße eine wichtige Basis für die soziale Versorgung von drogensüchtigen und obdachlosen Menschen in der Innenstadt sein wird. Wir können obdachlosen Menschen eine kleine Wohnung anbieten, mit sozialer Unterstützung im selben Haus – und das in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof,“ sagte Oberbürgermeister Belit Onay aus diesem Anlass.

„Das Besondere des Projektes ist die enge räumliche und konzeptionelle Verbindung unterschiedlicher Hilfesysteme innerhalb eines gemeinsamen Gebäudes. Dadurch entsteht ein integriertes Versorgungsmodell, das medizinische Behandlung, Tagesstruktur, soziale Unterstützung und Wohnangebote unmittelbar miteinander verbindet. Durch die enge Verzahnung der unterschiedlichen Hilfesysteme können Krisen frühzeitig erkannt und Hilfen unmittelbar eingeleitet werden“, sagte Sozialdezernentin Sylvia Bruns.

Raumpläne für das Gebäude Herschelstraße 28

Mehr Plätze für die Diamorphinambulanz

Die bestehenden Räumlichkeiten in der Odeonstraße entsprechen den heutigen Anforderungen nur eingeschränkt, insbesondere die fehlende Barrierefreiheit, die begrenzte Aufenthaltsqualität sowie die räumlichen Kapazitäten erschweren eine zeitgemäße Versorgung schwer abhängigkeitserkrankter Menschen. Ziel am neuen Standort in der Herschelstraße ist die Verbesserung der medizinischen, psychiatrischen und sozialen Versorgung schwer opioidabhängiger Menschen sowie die stärkere Stabilisierung besonders belasteter Patient*innen. Nach dem Umbau der Herschelstraße können dort bis zu 150 Patient*innen versorgt werden, derzeit sind es 90 Patient*innen.

Das Projekt verbindet diamorphingestützte Behandlung, Aufenthaltsangebote, psychosoziale Unterstützung sowie Wohnangebote in enger Kooperation mit der Stadt Hannover. Grundlage ist der gemeinsame Ansatz einer besseren Vernetzung von Straßensozialarbeit, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe und suchtmedizinischer Versorgung. Ziel ist nicht nur die Sicherstellung der medizinischen Behandlung, sondern eine nachhaltige gesundheitliche und soziale Stabilisierung der Patient*innen.

Einblick in das Gebäude Herschelstraße 28

Übernachtungsmöglichkeiten für Patient*innen der Diamorphinambulanz

Dazu werden im Gebäude zehn Mikroappartements für die Ambulanz reserviert. Da eine Stabilisierung von neuen Patienten ohne Wohnraum häufig scheitert, ist dieser direktere Zugriff auf eine Übernachtungsmöglichkeit eine deutliche inhaltliche Verbesserung. Zusätzlich werden im sechsten Stock sechs sogenannte „Krisenbetten“ für Patient*innen in Form einer Wohngemeinschaft von der Ambulanz betrieben. Gemeinsam mit der Ambulanz kann die Straßensozialarbeit eine weitergehende Klärung der Wohnsituation und dem damit verbundenen Wechsel in eine andere Einrichtung herbeiführen.

Unterbringung obdachloser Männer in Mikroappartements

Um die Situation obdachloser Personen im Innenstadtbereich spürbar zu verbessern, besteht die Notwendigkeit neben Tagesangeboten auch Unterkünfte in direkter Bahnhofsnähe für besonders immobile wohnungslose Menschen bereitzustellen. Dabei steht die Unterbringung in Wohnungen im Fokus. Mit dem geplanten Umbau der Herschelstraße 28 entstehen 46 Mikroappartements mit eigener Küche und Badezimmer. Jedes Appartement ist knapp 14 m² groß und wird durch die städtische Unterbringung vergeben. Aufgrund der sozialen Angebote in den unteren Geschossen besteht die Möglichkeit, sich auch außerhalb des Appartements im Gebäude aufzuhalten.

Einblick in einen kleinen Raum in der Herschelstraße 28

Straßensozialarbeit als Kontakt – und Vermittlungsstelle im Haus

Im Erdgeschoß wird ein größerer Raum für die Straßensozialarbeit aus dem Bereich Suchthilfe vorgesehen. Dort sollen Kontakte zu Menschen geknüpft werden, die in der Ambulanz behandelt werden, beispielsweise die Klärung der aktuellen Situation und der daraus entstehende Hilfebedarf (Bett, Wohnung, Ansprüche auf Sozialleistungen etc.). In dem Kontext ist eine enge Zusammenarbeit mit der Sozialarbeit des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) und den Ärzt*innen notwendig, damit Hilfeplanungen aufeinander abgestimmt werden können. Ziel dieser Sprechzeiten der Straßensozialarbeit ist die Begleitung und Überleitung der suchtkranken Menschen in weiterführende Hilfen außerhalb der Ambulanz. Diese werden an den Werktagen für jeweils zwei Stunden angeboten und mit den Zeiten der Applikation von Diamorphin abgestimmt.

Die Straßensozialarbeit wird zusätzlich an drei Nachmittagen die Woche anwesend sein. Dort besteht dann in einem Aufenthaltsbereich beispielsweise die Möglichkeit für Gespräche, Spiele oder das Aufwärmen von mitgebrachtem Essen. Als Ort des Austausches wird es auch eine Cafeteria für alle Nutzer*innen des Hauses geben.

Darüber hinaus soll die Straßensozialarbeit aufsuchend rund um den Hauptbahnhof aktiv sein, um weiterhin in den Szenen vor Ort präsent zu sein und am Szenetreffpunkt zu schauen, ob das Angebot in der Herschelstraße für bestimmte suchtkranke Menschen in Frage kommt.

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