Vorträge im Oktober:
Donnerstag, den 15.10.2026 um 18:30 Uhr
Heinz Westphale und der Internationale Sozialistische Kampfbund - Ein Vortrag von Jonny Peter und Tomas Westphale
Heinz Westphale, Jahrgang 1906, gehört schon als junger Mensch zum Umfeld des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK). Hannover ist eine der Hochburgen des ISK im Deutschen Reich. Er ist eine kleine Organisation, die früh im Widerstand zum Nationalsozialismus agiert und durch kluge Öffentlichkeitsaktionen auffällt. Die Mitglieder, politisch links von der SPD, werden ausgewählt und müssen u.a. Mitglieder in einer Gewerkschaft, VegetarierInnen und Anti-AlkoholikerInnen sein. Sie können sich lange gegen die Enttarnung abschotten. Heinz Westphale wird allerdings 1938 verhaftet und vom Volksgerichtshof zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Er wird in das Zuchthaus Hameln gebracht und anschließend in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Er überlebt die jahrelangen Torturen. Nach der Befreiung tritt er der SPD bei - wie viele andere ehemalige Mitglieder des aufgelösten ISK. Er arbeitet in der Entschädigungsbehörde in Hannover und später beim niedersächsischen Verfassungsschutz, wo er für die Beobachtung der rechten Szene zuständig ist. Er lebt lange in Oberricklingen und stirbt 1978.
Donnerstag, den 22.10.2026 um 18:30 Uhr
Die Widerstandsorganisation „Sozialistische Front“ - Ein Vortrag von Jonny Peter
Die Sozialistische Front ist eine der größten regionalen Widerstandsorganisationen gegen den Nationalsozialismus. Der Schwerpunkt befindet sich in Hannover, dort in den Arbeiterstadtteilen wie Linden. Die Mitglieder sind vorwiegend linke Sozialdemokraten. Der Kopf der Organisation ist Werner Blumenberg. In dem Vortrag werden einige Mitglieder vorgestellt, zu denen im Archiv im Freizeitheim Linden geforscht wird. Neben Werner Blumenberg gehören dazu Wilhelm Bluhm und Franz Nause sowie Auguste Breitzke, die Verlobte Nauses. Das Mitteilungsblatt der Sozialistischen Front, die Sozialistischen Blätter, wird vorwiegend von Blumenberg geschrieben und dann von Nause, Breitzke und anderen gedruckt. Das Verteilen und lesen der Sozialistischen Blätter wird von den Nazis verfolgt und streng bestraft. Nach einer großen Verhaftungswelle 1936 kommen zahlreiche Mitglieder in Zuchthaushaft und ins KZ. Bluhm und Nause überleben dies nicht. In Hannover und insbesondere in Linden wird an zahlreichen Stellen der Mitglieder der Sozialistischen Front gedacht.
Donnerstag, den 29.10.2026 um 18:30 Uhr
Alfred Jahn und das Reichsbanner - Ein Vortrag von Jonny Peter, Sylvia und Manfred Wolter
Alfred Jahn, Jahrgang 1885, gehört zu den wichtigen Hannoveranern in der Weimarer Republik. Als ein Leiter des Reichsbanners, der Schutzorganisation der Arbeiterbewegung, ist er an vielen Aktionen gegen die Nationalsozialisten beteiligt. Er gehört zu den Betroffenen des Nazi-Überfalls auf das Reichsbanner am Lister Turm im Februar 1933 und erlebt die Besetzung des Gewerkschaftshauses am 1.4.1933 aus nächster Nähe mit. Nach dem Verbot des Reichsbanners engagiert er sich in der sozialdemokratischen Widerstandsorganisation Sozialistische Front. Er wird verhaftet und sitzt mehrere Jahre im Zuchthaus Hameln ein und überlebt schwerkrank dann die KZs Flossenbürg und Sachsenhausen. Alfred Jahn lebte bis zu seinem Tod 1974 in Oberricklingen.
Vorträge im November:
Donnerstag, den 5.11.2026 um 18:30 Uhr
Auch sie gehören zu den Opfern des Nationalsozialismus – Die sogenannten «Berufsverbrecher» - Ein Vortrag von Doris Höft
Wer in den 1930er und 1940er Jahren in Deutschland mehrmals zu Haftstrafen verurteilt wurde, konnte nach Verbüssen der Strafe unbefristet in ein Konzentrationslager eingesperrt werden. Aus Scham sprachen viele dieser Menschen nach Ende der NS-Zeit nicht über ihr Schicksal. Sie gehörten zu denjenigen Konzentrationslagerhäftlingen, die keinen Anspruch auf Entschädigung hatten. Erst 2020 wurden sie als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt. Wer waren diese Menschen ? Der Vortrag stellt zwei Männer aus Hannover vor, die als sogenannte « Berufsverbrecher » im Konzentrationslager Sachsenhausen starben.
Donnerstag, den 12.11.2026 um 18:30 Uhr
ORT: Werksmuseum Eisen & Stahl, Badenstedter Str. 48
Lindener Eisen und Stahlwerke - Ein Vortrag von Stef Wildung
Die Gießerei LES war nicht die größte Firma Lindens, und fast alles ist ausgelöscht, was an sie erinnert, aber ihre Geschichte zeigt in einem kleinen regionalen Kosmos den Beginn der Moderne. Die Industrialisierung, die verschiedenen Stände in der Gesellschaft, sowie wirtschaftliche Entwicklungen und Krisen. In dem Vortrag soll es um die Firma, die Menschen und das Land im Wandel der Zeiten gehen, angelehnt an die im Aufbau befindliche Ausstellung des Werksmuseums Eisen und Stahl.
Donnerstag, den 19.11.2026 um 18:30 Uhr
Widerstand gegen den Kapp-Putsch 1920 in Hannover - Ein Vortrag von Wolfgang Borchersam
Ein ultrareaktionärer Militärputsch zu Beginn der Weimarer Republik konnte durch den einzigen in der Geschichte Deutschlands erfolgreichen Generalstreik verhindert werden. Das Freikorps Hindenburg schoss in Hannover auf Protestierende vor dem Gewerkschaftshaus. Insgesamt gab es 11 erschossene Arbeiter. Ereignisse und Einordnung.