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KroKuS Pano © LHH

Stadtteilzentrum KroKuS

Das Wohngebiet Kronsberg

Vernetztes Konzept KroKuS

Im Zusammenhang mit der EXPO 2000 entwickelte die Landeshauptstadt Hannover dieses neue Wohngebiet.

Luftaufnahme © LHH

Kronsberg Luftaufnahme Thie

Stand: 2005

Im Zusammenhang mit der EXPO 2000 entwickelte die Stadt dieses neue Wohngebiet, das seit dem Jahre 2000 gut 3000 Wohneinheiten umfasst, darunter 300 Reihenhäuser und 6 Eigentumswohnungen. Jährlich werden zusätzlich ca. 15 Reihenhäuser gebaut und verkauft, häufig auch an KronsbergerInnen, die bislang zur Miete wohnten. Es leben gut 6600 Menschen am Kronsberg, wovon knapp 28 % unter 18 Jahre alt sind. Der Ausländer und Aussiedleranteil liegt mit knapp über 30% weit über dem Stadtdurchschnitt. Ebenso ist ein über-durchschnittlicher Anteil von Arbeitslosen und Armutsbevölkerung zu verzeichnen. Trotz alledem ist der Kronsberg kein Brennpunkt. Das Bildungsniveau der EinwohnerInnen, auch das der AusländerInnen und AussiedlerInnen, liegt eher im durchschnittlichen bis überdurchschnittlichen Bereich.
Die Fluktuation ist mit ca. 19 % überdurchschnittlich hoch, gemessen am Stadtdurchschnitt, für ein Neubaugebiet jedoch nicht ganz ungewöhnlich. Gründe für den Wegzug sind u.a. Arbeitswanderung, Erwerb von Eigentum außerhalb von Hannover, die hohen Nebenkosten und in einigen Fällen auch die problematische Nachbarschaft. (Sechs Wohnkarrees fallen durch eher einseitige Vermietung auf; z.B. hoher Aussiedleranteil etc.) Es gab im Jahre 2002 auch eine Fluktuation von Kronsberg-Nord nach Kronsberg-Mitte zu verzeichnen.
Die jungen Familien machen einen Bevölkerungsanteil von 30 % aus. Es werden jährlich mehr als 100 Kinder geboren, d.h. ca. jeden 3. Tag erblickt ein neuer Mensch am Kronsberg das Licht der Welt!
Insgesamt fühlen sich die KronsbergerInnen mit ihrem Wohngebiet sehr verbunden. Die meisten würden nochmals die Entscheidung treffen, zum Kronsberg zu ziehen. Besonders hervorgehoben werden die gute Infrastruktur, das Angebot für Kinder, die Verkehrs-anbindung, die Stadtrandlage mit ihren Grünflächen so wie die überwiegend guten Nachbarschaften.

1. Die vernetzte Stadtteilarbeit im KroKuS

Das soziale und kulturelle Stadtteilzentrum KroKuS ist ein Ort der Begegnung, nicht nur für die Menschen auf dem Kronsberg, sondern für den gesamten Stadtbezirk. Es ist gleichzeitig das zentrale Forum für die vernetzte Stadtteilarbeit. In enger Zusammenarbeit mit den EinwohnerInnen findet hier eine Stadtteilarbeit statt, die soziale Aufgaben mit kulturellen und ökologischen Themen verbindet. Zum KroKuS gehören eine Stadtteilbibliothek, Stadtteilkulturarbeit, soziale Stadtteilarbeit sowie Kinder- und Jugendarbeit. Um die technische Funktionalität des Hauses und die Betreuung/Begleitung von Veranstaltungen sicher zu stellen, gibt es den Bereich Service & Betrieb sowie den Bereich Verwaltung.
Im KroKuS befinden sich neben Büros und technischen Räumen, 7 Gruppenräume, 1 Saal und  ein Jugendcafé.
Hinzu kommen 4 soziale Verfügungsflächen, die über den gesamten Kronsberg verteilt sind und das Spielhaus, welche vom KroKuS mit bewirtschaftet werden. Die Verfügungsflächen wurden für differenzierte Angebote im Kinder- und Jugendbereich sowie sozialer Stadtteilarbeit konzipiert.
Das Spielhaus ist ein Angebot für Kinder von 0 – 12 Jahren. Der Vormittagsbereich ist vorwiegend Eltern mit kleinen Kindern vorbehalten, die die Öffnungszeiten eigenverantwortlich gestalten.
Alle Räumlichkeiten können für Feste, Tagungen, Vereinssitzungen und dgl. nach der Miet – und Benutzungsordnung der LH Hannover gemietet werden. Für Veranstaltungen, Gruppen etc., die in Kooperation mit dem KroKuS laufen, entfallen die Mietkosten.

2. Entstehung/Aufträge/Ratsbeschluss

Ab 1997 entstand am Kronsberg ein neuer Stadtteil. Im Hinblick auf die Weltausstellung EXPO 2000 verband die Stadt Hannover mit der Gestaltung des Stadtteils den Anspruch, zukunftsweisende Ansätze und Wege für eine nachhaltige Stadtteilentwicklung zu verwirklichen:
- Städtebau und Landschaftsplanung
- Ökologie und Technik
- Kulturelles und soziales Leben
Dies alles erfolgte unter der Berücksichtigung von AGENDA 21 – Kriterien.Bereits vor dem ersten Spatenstich wurden die inhaltlichen Schwerpunkte der städtebaulichen, ökologischen und sozialen Planung von einer ämterübergreifenden Arbeitsgruppe entwickelt.
Als ein Ergebnis wurde 1997 die Drucksache „Konzept zur Entwicklung der sozialen und kulturellen Infrastruktur Kronsberg“ vom Rat der Stadt beschlossen. Als wesentlicher Schwerpunkt dieser Drucksache entstand das soziale und kulturelle Stadtteilzentrum KroKuS.
Zeitgleich mit dem Bezug des Kronsberges (1998) wurden im Vorgriff auf die Einrichtung eines Stadtteilzentrums zwei Stellen für soziale Stadtteilarbeit und Stadtteilkulturarbeit installiert. Ein Anwaltsplaner, der die Bewohnerbeteiligung organisierte, war schon seit Beginn der Bebauung am Kronsberg tätig. Am 3.5.2000 wurde das Stadtteilzentrum KroKuS eröffnet.
Hier arbeiten ressourcen- und fachbereichsübergreifend die o.g. kommunalen Arbeitsfelder zusammen. Um dieses optimal zu gewährleisten, wurde 2002 zwischen dem Sozialdezernat und dem Kultur- und Schuldezernat eine Organisations- und Leitungsstruktur verabschiedet, die die inhaltlichen Aufgaben sowie die wirtschaftlichen und personellen Ressourcen regelt.

Organisation KroKuS © LHH

Organisation des KroKuS

3. Die Philosophie des Hauses

Nur ganzheitliche Betrachtungsweisen führen zu nachhaltigen Entwicklungen im Gemeinwesen!
Im KroKuS arbeiten deshalb Fachkräfte verschiedener (Fach)bereiche konzeptionell, räumlich und finanziell zusammen. Hinzu kommt die enge Kooperation mit den Bereichen Stadtplanung und Umwelt. Außerdem ist die Vernetzung im Stadtbezirk mit anderen Trägern, Wohnungswirtschaft, Ökonomie, Politik und Vereinen von großer Bedeutung. So gelingt es auf Probleme und auch Bedarfe im Stadtteil schnell zu reagieren und somit Fehlentwicklungen zu verhindern.

Aktivierende, beteiligende, transparente Arbeitsweisen führen zu Wachstumsprozessen des Einzelnen und im Sozialgefüge.
Diese Arbeitsweisen fördern die Übernahme von Verantwortung, das bürgerliche Engagement und die Identifikation mit dem Stadtteil/-Stadtbezirk und deren Einrichtungen. Am Kronsberg ist ein nennenswertes freiwilliges Engagement zu verzeichnen. Allein am KroKuS sind ca. 60 freiwillige HelferInnen angebunden. Nur so ist es möglich, ein breit gefächertes Angebot aufrecht zu erhalten.

Nur ein offenes Haus (architektonisch, personell, konzeptionell) gewährleistet einen regen Austausch zwischen EinwohnerInnen, Fachkräften, Team und Stadtverwaltung.
Es ermöglicht das flexible Bearbeiten von Themen, die Anpassung der Infrastruktur und das frühe Steuern im gesamtstädtischen Zusammenhang. Wir begreifen uns als intermediäre Instanz und die vernetzte Stadtteilarbeit als einen Prozess, der es erfordert konzeptionell stets aktuell zu bleiben.

4. Das Bemerkenswerte/das Sagenswerte an der Arbeit im KroKuS

„Arbeit auf der Bühne“
Der KroKuS war von Anfang an bereichernd für den Kronsberg und inzwischen ist er das für den gesamten Stadtbezirk. Die Arbeit im KroKuS wurde/wird von der Öffentlichkeit sehr wahrgenommen, was zunächst für uns als Team gewöhnungsbedürftig war, aber nicht zuletzt ein vernetztes Arbeiten im Stadtteil/-bezirk sehr erleichtert hat. Im Übrigen sorgen wir für Transparenz unserer Arbeit.

Ressourcen- und Infopool
Das Stadtteilzentrum ist für den gesamten Stadtbezirk ein Ressourcen- und Infopool, sowohl für die EinwohnerInnen wie für andere Einrichtungen im Stadtbezirk und die Stadtverwaltung.

Bürgernähe
Die EinwohnerInnen haben mit dem KroKuS eine Anlaufstelle im Stadtbezirk. Ihre vielfältigen Anliegen werden stets ernst genommen. Sie werden beraten und ggf. an zuständige Stellen weiter verwiesen. Besondere Angebotswünsche werden berücksichtigt und möglichst umgesetzt.

Vielseitige Kompetenzen
Die verschiedenen Fachkompetenzen im KroKuS sind äußerst fruchtbar für die Analyse der Stadtteilentwicklung, für die Betrachtung diffiziler Situationen und für die Umsetzung der Arbeit. Hieraus ergeben sich Lerneffekte für uns alle. Ein schnelles Zugreifen auf die anderen Kompetenzen ist möglich.

Selbständigkeit / Bedarfsorientiertes Handeln
Durch die Nutzung der vielfältigen Ressourcen und dem Fachwissen im KroKuS sowie die gemeinsame Verantwortung für das Budget des Hauses, können wir als Einzelpersonen und im Team den Bedarfen im Stadtteil/-bezirk gerecht werden. Dies bedeutet z.B. konkret, dass die Umsetzung und Finanzierung von Projekten keiner langwierigen Genehmigungsverfahren bedarf.
Durch die Bündelung der verschiedenen Bereiche im KroKuS gibt es kurze Wege der Information, Abstimmung und gemeinsamen Handelns. Somit ist beispielsweise ein schnelles Intervenieren bei Problemen im Stadtteil gegeben.
Auf Grund dieser Voraussetzungen ist uns ein großer Entscheidungsspielraum im Stadtteil/-bezirk gegeben.

Abstimmungsaufwand
Der Abstimmungsaufwand bezüglich des Budgets und der Ressourcen ist zwar geringer, dafür wird jedoch die inhaltliche Abstimmung als höher empfunden, verglichen mit herkömmlichen Kooperationen.

Freiwilligenarbeit
Wie oben schon erwähnt, konnten über die vielfältigen Inhalte/Angebote eine große Zahl an Freiwilligen gewonnen werden. Diese bekommen von uns ein hohes Maß an Verantwortung und Möglichkeit der Mitgestaltung übertragen.

5. Ausblick

Die Infrastruktur in der Entstehungsphase des Kronsberges war für Hannover beispielhaft. In der derzeitigen Phase der Stadtteilentwicklung geht es darum, die Angebote anzupassen und insbesondere den öffentlichen Raum zu beleben. Wie kann uns diese Belebung nachhaltig gelingen? Hier sei als Beispiel der Stadtteilplatz vorm KroKuS benannt, dessen Planung einige Mängel deutlich macht.

Der Kronsberg ist als familienfreundliches Wohngebiet konzipiert. Uns liegt sehr daran, diesen Charakter zu erhalten und für den gesamten Stadtbezirk auszubauen. Dies bedeutet u.E. mit anderen Einrichtungen und Eltern an flexibleren Kinderbetreuungszeiten zu arbeiten, die Erziehungskompetenz der Eltern zu stärken und ein noch differenzierteres Angebot für Jugendliche zu entwickeln. Dazu gehört auch, verstärkt daran zu arbeiten, Kinder in Beteiligungsprozesse einzubeziehen. Welche Schritte müssen wir tun, dass besondere projekthafte Beteiligungsaktionen (z.B. KroKuS-Beirat, Medienauswahl der Bibliothek durch LeserInnen) in selbstverständliche Alltagspartizipation übergeht und dies für jede Lebensphase?
Auch wird unser Fokus noch mehr als bislang auf EinwanderInnen gerichtet sein müssen. Mal simpel gefragt: Wie viel Integration benötigen EinwanderInnen eigentlich?
Um den Kindern verbesserte Bildungschancen zu ermöglichen, planen wir Projekte im Elementarbereich unter Einbeziehung der Eltern. Gleichzeitig ist uns jedoch auch daran gelegen ein „Mehr- Miteinander“ zu forcieren, ein Zusammenleben mit allen Unterschieden, die sich in der menschlichen Natur verbergen, unabhängig von Nationalitäten. Ist dies utopisch?

Im Sinne der AGENDA 21 ist unser Auftrag, nachhaltig für eine positive Stadtteilentwicklung zu sorgen. Um unsere Arbeit in diesem Kontext noch besser planen und auch evaluieren zu können, sind wir derzeit dabei, einen Nachhaltigkeitscheck zu entwickeln. Wir hoffen, dass diese Checkliste übertragbar ist auf andere Tätigkeitsfelder und somit viele Professionelle davon profitieren können.