Welche Spuren hat Arendt in Uwe Johnsons Werk hinterlassen?
Hannah Arendt und Uwe Johnson lernten sich im Mai 1965 bei einer Lesung im Goethehaus in New York kennen. Ein knappes Jahr später zog Johnson in Arendts unmittelbare Nachbarschaft an den Riverside Drive in Manhattan. Dass sein ursprünglich für ein Jahr geplanter Aufenthalt in New York um ein zweites Jahr verlängert werden konnte, ist auch Arendts Fürsprache zu verdanken. In New York begann Johnson, seinen Jahrhundertroman Jahrestage zu schreiben, den Arendt zwar für ein »Meisterwerk« hielt, in dem sie sich einen Auftritt als Romanfigur aber dennoch verbat, sodass Johnson die Figur buchstäblich in letzter Sekunde umschreiben musste. Als Johnson 1968 nach West-Berlin zurückkehrte, setzte sich die Freundschaft in Briefen fort, die von Wärme und Ernsthaftigkeit ebenso gekennzeichnet sind wie von Ironie und Witz.
Dr. Katja Leuchtenberger, Universität Rostock, zeichnet ein lebendiges Bild dieser Freundschaft und unterhält sich mit Dr. Jens Binner, Direktor des ZeitZentrums Zivilcourage, über die Spuren, die Arendt in Johnson Werk hinterlassen hat.
Dr. Katja Leuchtenberger ist stellvertretende Arbeitsstellenleiterin der Uwe-Johnson-Werkausgabe, die als Akademienvorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Rostock erarbeitet wird und im Suhrkamp Verlag erscheint. Sie hat die suhrkamp basis biographie zu Uwe Johnson verfasst und war als Germanistin langjährige Wissenschaftslektorin im Akademie Verlag Berlin. Zuvor hat sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Literaturarchiv Marbach die erste Dauerausstellung im Literaturmuseum der Moderne kuratiert.