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Kleine Chronologie

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Besondere Fundstücke aus 575 Jahren.

Breaking news! Nashorn in der Stadt!

Hannoverische Anzeigen, Freytag den 5ten April anno 1754Hannover. Das bekante Rhinoceros, welches bereits im Jahre 1746 hier gewesen, und seit solcher Zeit an Grösse sehr zugenommen, ist jetzo hieselbst auf der Marktstrasse in Steins Hause, die englische Crone genant, wieder zu sehen. Es wird ohngefehr 14 Tage hier bleiben, und selbiges zu sehen, nach Unterscheid des Standes 2 Mgr., 6 Mgr. und 12 Mgr. bezahlet.

Aus dem Handschriftenarchiv

Theodor Lessing (1872-1933) war Privatdozent für Philosophie

und Pädagogik an der damaligen Technischen Hochschule Hannover. Er war maßgeblich an der Gründung der „Freien Volkshochschule Hannover-Linden“ beteiligt, die seine Frau Ada leitete. Seine Berichte über den Fritz Haarmann-Prozess und der 1925 veröffentlichte „Hindenburg-Artikel“ im Prager Tagblatt brachten ihm eine antisemitische Hetzkampagne ein, die zur Einstellung seiner Lehrtätigkeit führte. 1933 wurde er in Prag von sudetendeutschen Nazis ermordet.

Die Hannoveraner und der Rest der Republik wissen natürlich, dass in Hannover das reinste Hochdeutsch gesprochen wird. Aber das war nicht immer so. Im Stadthannoverschen Wörterbuch beschreibt Georg Ludewig die drei Sprachen, die noch Anfang des 20. Jahrhunderts parallel zueinander in Hannover gesprochen wurden: das Plattdeutsche, das Hochdeutsche und eine zwischen beiden stehende Verkehrssprache, die den Formelementen nach Hochdeutsch, deren Wortschatz aber eine starke Beeinflussung durch das Plattdeutsche erfahren hat.

In einem Notizbuch mit der Überschrift „Wie der Hannoveraner spricht“ hat Theodor Lessing zwischen 1918 und 1920 typische Ausdrücke aus dieser (fast) untergegangenen hannöverschen Alltagssprache für die Nachwelt festgehalten:

Schimpfnamen: Dösbartel, Bolzenkopf, Buffbaff für einen vorlauten Menschen oder Klaterlork als Schimpfname für eine unordentliche Person.

Redensarten: Was wünschen Sie zu wünschen? Heiliger Abend vor dem Viehmarkt, das ist der Sonnabendabend vor dem Jahrmarkt.

Gebäck und Brotsorten: Maulschelle, ein Stück Kuchen aus gröberem Teig, das aus dem ganzen Kuchen herausgeschnitten wird und für den Einzelhandel bestimmt war. Ein Klöben ist ein größeres Weißbrot mit einem Spalt in der Mitte. Pfaffenmütze ist ein kleines Gebäck aus Kuchenteig mit Zucker belegt, rund oder länglich geformt. Nonnenfürze (zu mittelniederdt. Nunnekenfurt „am besten von Nonnen zubereitet“) sind kleine, süße Gebäckkugeln aus Brandteig, der in Öl ausgebacken wird; nach dem Frittieren werden die Kugeln in Zucker gewälzt (Brockhaus Kochkunst).

Hannoversche Stadtfiguren: Baron Fechtenbach, Mutter Kläöges, Der süße Haanerich und Gefängniswärter Nonnenkamp. Musste jemand ins stadthannoversche Gefängnis, so kam er ins „Hotel Nonnenkamp“.

Nachzulesen ist dieser hannöversche Dialekt in dem Buch Theodor le Singe: Jäö, oder wie ein Franzose auszog um in Hannover das „raanste“ Deutsch zu lernen.

Mit den Umwälzungen des zweiten Weltkrieges ist diese Sprache mit ihren typischen Ausdrücken fast völlig verschwunden. Nur noch wenige Leute „inner Südsstadt sstolpern“ heute noch „übern sspitzen Staan.“

                                                    

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

Seit jeher werden Bücher, die im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis verschenkt werden, mit persönlichen Widmungen des Schenkenden versehen. Bücher mit persönlichen Widmungen berühmter Autoren sind deshalb von besonderem Interesse und begehrte Sammelobjekte. Keine Autorenlesung ohne anschließende Autogrammstunde.

Diese Widmung Gotthold Ephraim Lessings in der 1753-1755 von ihm selbst besorgten Erstausgabe  seiner Werke ist an seinen Freund Justus Heinrich Saal gerichtet. Saal war Beamter in Leipzig, Autor und Übersetzer der Werke des italienischen Komödiendichters Carlo Goldoni. Geschrieben wurde sie während eines kurzen Aufenthaltes in Dresden vor Lessings Aufbruch zu einer Hollandreise, an deren Zustandekommen Saal beteiligt war.

An dir, mein Saal, als Freund und Richter,
Lob ich Geschmack und Redlichkeit.
Bekennst du von mir ungescheut
Ich sei ein beßrer Freund als Dichter!
Gotthold Ephraim Lessing, Dresden den 17. März 1756.

Hoffmann von Fallersleben

1852 erschien im hannoverschen Verlag von Carl Rümpler das
Hannoversche Namenbüchlein, eine Gelegenheitsarbeit von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, dem Sprachforscher, Philologen, Verfasser bekannter deutscher Kinderlieder und  Textdichter der deutschen Nationalhymne.
Hoffmann von Fallersleben hatte aus dem hannoverschen Adressbuch der Jahre 1849 bis 1851 Einwohnernamen abgeschrieben, sie nach Herkunft unter Oberbegriffen geordnet und durch Worterklärungen erläutert.
Weil diese Arbeit bei aller ‚Ergötzlichkeit‘ auf Dauer aber wohl doch zu eintönig war, schleuste er an einigen Stellen Namens-Hexameter, Namenslieder und Namensspielereien mit ein, wie zum Beispiel:
Büddecke. Widdecke. Bach.
Benecke. Denecke. Stach. 
Manecke. Schwanecke. Ruf.
Brennecke. Nennecke. Suf.
Neben dem Hannoverschen Namenbüchlein stellte Hoffmann von Fallersleben auch für Breslau, Kassel und Braunschweig solche Einwohner-Namenbücher zusammen.

Aus den Autografensammlungen der Stadtbibliothek

Am 11. März 1879 bekam der Komponist Johannes Brahms (1833-1897) die Ehrendoktorwürde der Universität Breslau verliehen. Der dortige Kapellmeister Bernhard Scholz beglückwünschte ihn und schrieb an Brahms: „Willst du uns nicht eine Doktor-Symphonie für Breslau schreiben? Einen feierlichen Gesang erwarten wir mindesten.“

Im August 1880 meldete Brahms nach Breslau zurück:

„Lieber Freund.

Damit du dich nicht allzusehr mit deinem Gaste blamierst, habe ich für den 4. Januar eine Akademische Fest-Ouvertüre geschrieben. Der Name gefällt mir nicht grade, fällt dir ein andrer ein? Kauffmann interessiert das doch hoffentlich, also bitte, teile es ihm mit – meinetwegen durch Fritzsch – damit’s besser flutscht!“

Am 22. August 1880 antwortete Scholz aus Breslau: „Ich freue mich auf die Ouvertüre, für die dir doch vielleicht noch ein besserer Titel einfällt, denn ‚Akademische Fest-Ouvertüre‘ klingt verflucht akademisch und langweilig.“

Bei dem Titel für diese Komposition ist es dann jedoch geblieben, denn die in späteren Briefen vorgeschlagenen Titel ‚Viadrina‘ oder ‚Janitscharen-Ouvertüre‘ konnten sich nicht durchsetzen.

Wann immer die Akademische Festouvertüre c-Moll op. 80 von Johannes Brahms auf der Welt gespielt wird, in diesem Brief aus dem Handschriftenarchiv der Stadtbibliothek ist die Geburtsstunde für den musikalischen Titel der Festouvertüre sichtbar.

Durchschossene Bücher

Wenn ein Buchkundler von Durchschossenen Büchern spricht, meint er solche Exemplare, zwischen deren Blätter ihr Eigentümer Leerblätter für private Notizen hat binden lassen.

Ein Kuriosum im wörtlichen Sinne eines „durchschossenen“ Buchs findet sich aber auch im Bestand der Stadtbibliothek Hannover. Hierbei dürfte es sich um einen Kriegsversehrten handeln.

Nicht immer ist drin, was draufsteht!

Vielleicht passt der Begriff „Nachhaltigkeit“ auch auf diese besonderen Einbanddecken? Pergament ist im Mittelalter ein teurer Beschreibstoff, der – nach Löschung nicht mehr benötigter Texte durch Waschen oder Schaben („Rasur“) – auch wiederverwendet wird. Mit der Erfindung des Buchdrucks um 1450 verlieren die alten Handschriften zunehmend an Bedeutung gegenüber den neueren Druckwerken. Doch auch jetzt wird das wertvolle „Material“ nicht einfach vernichtet, sondern beim Buchbinder einer Weiterverwertung zugeführt. In den alten Einbänden vor allem des späteren 15. und des 16. Jahrhunderts sind die Handschriftenfragmente an mancherlei Stellen zu finden: zur Formung und Verstärkung des Buchrückens am papierenen Buchblock, als Einbandspiegel auf den Innenseiten der Buchdeckel sowie – hier zu sehen – als schmucke Einbanddecken, die keinen Bezug zum Inhalt des von ihnen umschlossenen gedruckten Werks haben.

Eine schöne Handschrift

Wer schreibt heute noch längere Texte von Hand? Vielen, die Smartphones, Tablets und andere Computer benutzen, scheint dies allzu mühselig und zeitraubend. Entsprechend vernachlässigt wirken heute viele Individualhandschriften. Und schon wird darüber nachgedacht, ob überhaupt noch das Vermitteln einer Schreibschrift in der Schule zeitgemäß und nicht das Erlernen der Druckbuchstaben ausreichend sei?

Welche Qualität das „schöne Schreiben“ haben kann, zeigen Vorlagenbücher von weltlichen Schreibmeistern, die sich im ausgehenden Mittelalter neben den klösterlichen Schreibschulen etablierten, um professionelle Schreiber für die sich ausweitende Korrespondenz in den Bereichen Finanzen, Handel und Diplomatie auszubilden. Zwischen 1480 und 1800 sind rund 800 Schreibmeisterbücher erschienen. Wer bekäme bei ihrem Anblick nicht Lust, seine eigene Handschrift wieder mehr zu pflegen? Und sei es mit dem Ziel, sie für andere lesbarer zu machen.

Tue Gutes und rede darüber

Das hier gezeigte Stifterwappen findet sich in einem der Bände aus der Bibliothek an der Kreuzkirche. Deren Ursprung geht wohl auf das Jahr 1599 zurück, in dem der 1572 in Hannover geborene Pastor David Meier dort sein Predigtamt aufnimmt. Eine „öffentlich“ zugängliche Bibliothek ist seine Idee, und um sie zu realisieren, bittet er seine Mitbürger um Buch- und Geldspenden. Von zahlreichen Bänden sind die Namen ihrer Stifter bekannt. Bisweilen sind in die Bände sogar die Wappen der Stifter gemalt.

Herman Barteldes bzw. Hermann Barthels wird hier als Stifter genannt. Die Widmung unter dem Wappen besagt: „Got dem Almechtigen zu Eren // zu befürderung seines heiligen worts // zu bereicherung dieser liberey // Mir und den Meinen zum // Christlichen gedechnus // Hab ich Herman Barteldes dieser Zeitt Calenbergischer // LandRentmeister diese zwey Bücher Gutwillig verehret // vnd gegeben Anno Christi 1609 den 16 [?] Julij“

Meine Bücher und ich

Georg(ius) Scarabaeus bzw. Scharnikau (1503-1558), dem ersten lutherischen Prediger an Hannovers Marktkirche, haben seine Bücher viel bedeutet. Unzählige hat er mit ausführlichen handschriftlichen Exlibris versehen, die vermerken, wem sie gehörten, wann und wo sie gekauft wurden und wieviel sie gekostet haben.

Hier ein beispielhafter Eintrag: „Testamentum Erasmj nouũ et Grecum et Latinum emit Georgius Scarabeus hannoueranus Hannouiae anno Virginij p[ar]tus .1.5.3.4. constat aureum nũmũ et .15. grossos marianos // Stabit ineternum ĩVicta Veritas“. Wir erfahren also, dass eine von Erasmus von Rotterdam bearbeitete Ausgabe des Neuen Testaments in griechischer und lateinischer Sprache von dem Hannoveraner Georgius Scarabaeus im Jahre 1534 für eine Goldmünze und 15 Mariengroschen in Hannover selbst erworben wurde. Abschließend Scarabaeus‘ Wahlspruch: „Für immer wird sich die Wahrheit unbesiegt behaupten“.

Welche heutige digitale Notiz wird noch in knapp 500 Jahren auffindbar und lesbar sein? Und wenn, so wird der persönliche Charakter einer Handschrift fehlen.

An die Kette gelegt …

… wurde dieses Oktavbändchen mit schweinslederüberzogenen Holzdeckeln.

In mittelalterlichen Bibliotheken bewahrte diese frühe Form der Buchsicherung die Bände vor dem Herunterfallen von den Pulten, auf denen sie lagen, schützte aber hauptsächlich vor Diebstahl. „Kettenbücher“ (= Libri catenati) kamen im 16. Jahrhundert außer Gebrauch. Das hier gezeigte Bändchen gehörte Georgius Scarabaeus (= Georg Scharnikau; 1503-1558), dem ersten lutherischen Prediger an Hannovers Hauptkirche, der Marktkirche St. Georgii et Jacobi. Dies weist sein Supralibros, das Monogramm „GS“, auf dem vorderen Buchdeckel aus.

Die Durchschlagskraft der reformatorischen Ideen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hängt in hohem Maße mit den neuen Möglichkeiten ihrer schnellen Verbreitung durch den um 1450 erfundenen Buchdruck mittels beweglicher Lettern zusammen. Ein Index librorum prohibitorum (= Verzeichnis verbotener Bücher) war der Versuch der römisch-katholischen Kirche, Bücher zum Schutz ihrer Gläubigen geistig „an die Kette zu legen“. Der zensorische Index erschien erstmalig 1559.

Geschrieben oder gedruckt?

So schnell lässt sich nicht entscheiden, ob diese Zierseite aus einer mittelalterlichen Prachthandschrift oder aus einem Frühdruck aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt.

Die Druckwerke dieser Epoche waren noch stark an ihren handschriftlichen Vorgängern orientiert, bei denen arbeitssparende Abkürzungen von Wörtern, Silben oder Buchstaben (Abbreviaturen) sowie Buchstabenverbindungen (Ligaturen) heutigen Lesern die Textlektüre nicht gerade erleichtern, die dem Gebildeten der damaligen Zeit aber vertraut waren.
Auch fehlen in den Handschriften vielfach noch dem heutigen Leser vertraute Absätze, die Texte strukturieren und gedankliche Einheiten bilden. Diese Aufgabe übernahmen zur damaligen Zeit die roten Alinea-Zeichen (= Absatzzeichen),
deren Aussehen von heutigen Textverarbeitungsprogrammen her bekannt sein dürfte: ¶.

Die Zierseite zeigt weitere Charakteristika einer mittelalterlichen Prachthandschrift: 2 Text-„Säulen“ (Kolumnen), einen ausgeschmückten und verzierten Buchstaben „S“ (= eine Initiale), Malerei mit Blüten und pflanzlichem Rankenwerk sowie einem Wappenbild (Miniaturen), einen blauen und einen roten Anfangsbuchstaben (Lombarden). Dennoch zeigt die Abbildung die nachträglich von Hand verzierte Seite eines Wiegendrucks (Inkunabel).
 

Copy and Paste

In einer alten gedruckten niederdeutschen Sachsenchronik finden sich die Stadt-"Ansichten" Hannovers und Göttingens. Bei genauerem Hinsehen wird man bemerken, dass für beide offensichtlich derselbe Druckstock Verwendung fand.

Die Holzschnitte zeigen daher nicht das tatsächliche zeitgenössische Stadtbild der beiden Städte, sondern bilden lediglich ab, was Städte allgemein zu jener Zeit kennzeichnete: Stadtmauern, Kirchen, Türme sowie Bauarbeiten an diesen.

Lediglich die Inhalte im Wappenfeld unterscheiden die beiden Abbildungen: das "Kleeblatt" für Hannover und der Buchstabe "G" für Göttingen. Eine Doppel- und Mehrfachverwendung von Abbildungen — übrigens auch von Personen — ist bei den illustrierten Werken des frühen Buchdrucks des 15. Jahrhunderts, der Inkunabelzeit, häufig zu beobachten und half, Zeit und damit natürlich auch Kosten zu sparen.

Je häufiger ein Druckstock eingefärbt wurde, desto mehr weichte das Holz auf. Dann konnte es aufgrund des Drucks in der Presse zu kleineren Ausbrüchen an den Stegen kommen. Auch dieses Phänomen ist hier zu beobachten.