Thomas Mann galt bereits vor seiner Emigration als einer der bedeutendsten deutschen Repräsentanten der Literatur des 20. Jahrhunderts und war 1929 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ er Deutschland und positionierte sich aus dem Exil heraus zunehmend als unnachgiebiger Verfechter von Demokratie und Humanismus.
Seinen wohl eindringlichsten Beitrag zum geistigen Widerstand leistete er ab 1940 mit den Radioansprachen „An die deutschen Hörer!“. Über die Sender der britischen BBC richtete er sich direkt an die Bevölkerung in seiner Heimat, um die Verbrechen des NS-Regimes schonungslos offenzulegen und das Gewissen der Deutschen wachzurütteln. Trotz des strengen Verbots, „Feindsender“ zu hören, erreichten seine wortgewaltigen Warnungen und Analysen über die Jahre hinweg unzählige Menschen im vom Krieg gezeichneten Europa. Thomas Mann bewies damit eindrucksvoll, dass das freie Wort auch über Kontinente hinweg eine mächtige Kraft gegen Tyrannei und Unrecht entfalten kann.
Dies ist die sechste Veranstaltung der neuen Reihe: Literaturforum – Demokratie stärken – aus der Geschichte lernen für die Zukunft
Ein Literaturbürgerdialogforum, in dem zeitgenössische Literatur des 20. Jahrhunderts aus Biographien, Romanen, Essays, Lyrik, Veröffentlichungen von Historikern etc. aus der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus vorgestellt wird.
Menschen stehen im Fokus, die die damalige Zeit als Bürgerinnen im Reich, als Verfolgte, als Mitläuferinnen, als Emigrantinnen, als Widerständlerinnen oder als Täter*innen erlebt haben.
Was können wir aus Literatur und Geschichte für die heutige Zeit für Lehren ziehen, was stärkt die Demokratie und uns in unruhigen Zeiten? Hierzu tauschen wir uns zur Literatur aus.
Veranstaltungsort: Alle Veranstaltungen finden im Ada-und-Theodor-Lessing-Raum, 2. OG, statt (an jedem dritten Samstag im Monat).
„Glaube an die Wahrheit, die Freiheit und das Recht; die Überzeugung, daß die Gewalt, so großmächtig sie sich gebärde, doch im Grunde ein hohles und kurzlebiges Ding ist.“ — Thomas Mann, in einer seiner Ansprachen „An die deutschen Hörer!“