Im April 2026 konnte die Stadtbibliothek Hannover den Erb*innen von Jeanne Lampl-de Groot das Buch zur Rückgabe anbieten. Auf deren Wunsch verbleibt es in der Stadtbibliothek und wird dort langfristig aufbewahrt.
Jeanne Lampl-de Groot
Jeanne (Adriana) Lampl-de Groot wurde am 16. Oktober 1895 in Schiedam bei Rotterdam (Niederlande) geboren. Ihre Eltern waren Henriette und Michaël Coenradus Maria de Groot. Dupont stammte aus einer bildungsbürgerlichen Familie. De Groot war Sozialdemokrat, Kaufmann und Leiter einer kooperativen Druckerei in Schiedam, wo er mit seiner Familie lebte.
Jeanne de Groot studierte ab 1914 in Leiden und Amsterdam Medizin. 1921 legte sie an der Universität Amsterdam ihr Examen ab. 1922 ging sie nach Wien, wo sie bei dem Arzt und Psychologen Sigmund Freud (1856–1939) eine Psychoanalyse machte. Bei der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) begann sie eine psychoanalytische Ausbildung und absolvierte zugleich eine neurologisch-psychiatrische Ausbildung an der psychiatrischen Klinik von Julius Wagner-Jauregg (1857–1940). 1925 ging de Groot nach Berlin, wo sie am Berliner Psychoanalytischen Institut (BPI) ihre Ausbildung abschloss.
Im gleichen Jahr heiratete sie den aus Wien stammenden Mediziner und Psychoanalytiker Dr. Hans Lampl (1889–1958), der seit 1922 an der Psychoanalytischen Poliklinik in Berlin arbeitete. 1926 und 1928 wurden in Berlin ihre beiden Töchter Henriëtte und Edith geboren. Von 1926 bis 1933 war Jeanne Lampl-de Groot Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und lehrte am BPI.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 flohen Jeanne und Hans Lampl-de Groot, der jüdischer Herkunft war, gemeinsam mit ihren Töchtern nach Wien. Dort war Jeanne bis 1938 u.a. als Lehranalytikerin tätig. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 floh die Familie Lampl-de Groot unter Zurücklassung ihres gesamten Besitzes nach Den Haag und später nach Amsterdam. Während der deutschen Besatzung der Niederlande ab Mai 1940 und der Auflösung der Niederländischen Psychoanalytischen Vereinigung (Nederlandse Vereniging voor Psychoanalyse, NVPA) setzten die Lampl-de Groots ihre psychoanalytische Tätigkeit im Untergrund, in der geheimen „Amsterdamsche Psychoanalytische Werkgroep“ fort. Hans Lampl-de Groot tauchte unter und überlebte im Versteck die Shoah.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren Hans und Jeanne Lampl-de Groot 1946 maßgeblich an der Gründung des Psychoanalytischen Instituts in Amsterdam beteiligt. Jeanne Lampl-de Groot war bis ins hohe Alter als Psychoanalytikerin tätig und pflegte eine enge Freundschaft mit der Kinderpsychoanalytikerin Anna Freud (1895–1982). Sie starb am 4. April 1987 in Amsterdam.
Die Stadtbibliothek kaufte Jeanne Lampl-de Groots Buch 1944 von der hannoverschen Buchhandlung und dem Antiquariat Schmorl & v. Seefeld. Unter den Erwerbungen der Stadtbibliothek von diesem Antiquariat finden sich 1944 besonders viele Bücher mit Provenienzspuren, die auf eine Herkunft aus Österreich, insbesondere Wien, hinweisen.
Im April 2026 konnte die Stadtbibliothek Hannover den Erb*innen von Jeanne Lampl-de Groot das Buch zur Rückgabe anbieten. Auf deren Wunsch verbleibt es in der Stadtbibliothek und wird dort langfristig aufbewahrt.
Die Stadtbibliothek dankt den Erb*innen für den vertrauensvollen Kontakt. Ein besonderer Dank gilt der niederländischen Psychoanalytikerin Gertie Bögels, die den Kontakt ermöglicht hat.
Jeanne Lampl-de Groots restituiertes Buch in der Provenienzdatenbank Looted Cultural Assets:
Autogramm „Jeanne de Groot“. Ein Abgleich der Unterschrift mit mehreren eigenhändigen Autogrammen Lampl-de Groots erbrachte den Beweis, dass sie die rechtmäßige Eigentümerin ist.