Im April 2026 konnte die Stadtbibliothek Hannover ein Buch aus dem Eigentum von Dr. Heinrich Klang an seinen Erben zurückgeben.
Dr. Heinrich Klang
Dr. Heinrich Klang wurde am 15. April 1875 in Wien als Sohn des Generaldirektors Dr. James Klang und seiner Ehefrau Karoline, geb. Rooz geboren. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien und wurde 1897 promoviert. Anschließend war er als Jurist unter anderem am Landesgericht Wien tätig. Parallel zu seiner richterlichen Tätigkeit habilitierte er sich 1923 und arbeitete seitdem auch als Privatdozent für bürgerliches Recht und ab 1925 als außerordentlicher Professor an der Universität Wien. Im selben Jahr wurde er als Richter an das Oberlandesgericht Wien berufen. Politisch engagierte sich Klang in der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP).
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 verlor Klang auf Grund seiner jüdischen Herkunft seine Stelle als Richter sowie seine Lehrbefugnis. Angesichts der zunehmenden Verfolgung sah er sich gezwungen, einen Teil seines Eigentums samt seiner Bibliothek unter anderem an das Antiquariat Alfred Wolf unter Wert zu veräußern und unternahm mehrere erfolglose Versuche, ins Ausland zu fliehen. 1942 wurde Klang in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.
Er überlebte die Shoah und kehrte nach Wien zurück. Dort wurde er 1947 zum Vorsitzenden der Obersten Rückstellungskommission berufen. Zudem wirkte er nach Kriegsende als Senatspräsident am Obersten Gerichtshof und konnte seine Lehrtätigkeit an der Universität Wien wiederaufnehmen. Klang starb am 22. Januar 1954 in Wien.
Die Stadtbibliothek kaufte Heinrich Klangs Buch 1944 von dem Wiener Antiquariat Alfred Wolf. Das Buch enthält die von Alfred Wolf eingetragene Nummernkombination „39/25“, die auf Bücher aus der Sammlung Heinrich Klangs verweist. Daneben ist das in der Stadtbibliothek aufgefundene Buch in den gleichen Einband eingebunden und mit der gleichen in Gold geprägten Signatur versehen, wie drei in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin aufgefundene Bände, die eindeutig Heinrich Klangs Bibliothek zugeordnet und als NS-Raubgut identifiziert worden sind.
Bereits im Jahr 2022 hatten acht österreichische und deutsche Bibliotheken Teile der Privatbibliothek von Heinrich Klang an dessen Erben restituiert. Angesichts des Wirkens von Heinrich Klang als Richter des Oberlandesgerichts Wien und des Obersten Gerichtshofs hatte sich der Erbe entschlossen, einen Großteil der Werke der Bibliothek des österreichischen Obersten Gerichtshofs zu schenken.
Die Stadtbibliothek dankt den Kolleg*innen der Universitätsbibliothek Wien für die freundliche Unterstützung bei der Kontaktaufnahme mit dem Erben.
Dr. Heinrich Klangs restituiertes Buch in der Provenienzdatenbank Looted Cultural Assets: