Innenstadtkonzept

Masterplanung nördliches Bahnhofsviertel

Wie kann der Bereich nördlich des Hauptbahnhofs als Teil der umgebenden Stadtlandschaft zukunftsfähig ausgerichtet werden? Welche besonderen Potenziale hat er und wie lassen sich diese heben? Darum geht es in der Masterplanung für das Quartier. Sie ist ein Leitprojekt des Innenstadtkonzepts der Landeshauptstadt Hannover. Bei der Entwicklung sind Bürger*innen beteiligt.

Blick in die Quartiere am nördlichen Hauptbahnhof nach Teilbereichen: 1. Quartier Nord, 2. Quartier Rundestraße, 3 bis 5 Vertiefungsbereich Raschplatz bis Weißekreuzplatz, 6. Gerichtsviertel.

Den Bereich nördlich des hannoverschen Hauptbahnhofs nimmt die Landeshauptstadt Hannover ins Visier und erarbeitet dafür bis Ende 2024 eine Masterplanung. Ziel ist, das hoch verdichtete innerstädtische Quartier neu aufzustellen, ihm eine „eigene Adresse“ zu geben und es als Verbindung zur Oststadt attraktiver zu gestalten. Dahinter steht das Leitprojekt des Innenstadtkonzepts der Stadt. Für die Entwicklung ist eine Bürger*innen-Beteiligung vorgesehen. Fördermittel gibt es aus dem Programm "Resiliente Innenstädte".

Umgestaltung nördlich des Hauptbahnhofs

Einen Anlass für die städtebauliche Entwicklung lieferte 2023 die Deutsche Bahn. Sie kündigte an, Mitte der 2030er Jahre den Hauptbahnhof in Richtung Norden um die Gleise 15/16 zu erweitern. Damit wird die Fläche zwischen Bahnsteig 13/14 und dem Parkhaus am Bahnhof in der Rundestraße zusätzlich überbaut."Es besteht Bedarf, den Bereich städtebaulich neu zu betrachten", sagt Stadtbaurat Thomas Vielhaber. "Wir wollen die Chance nutzen, das nördliche Bahnhofsquartier für alle attraktiver zu gestalten und dem Nordeingang des Hauptbahnhofs ein neues Gesicht zu geben." 

Die Masterplanung soll Empfehlungen formulieren und eine Vorzugsvariante für das Quartier ausarbeiten. Die Ergebnisse werden der Politik vorgelegt. Sie können dann die Grundlage für die politische Beschlussfassung durch die Ratsgremien bilden.

Visionen aufzeigen

Die Masterplanung für den Bereich des nördlichen Hauptbahnhofs hat das Ziel, zukunftsorientiert und visionär aufzuzeigen, wie sich das Quartier entwickeln kann. Mit der Planung hat die Stadt Hannover das Berliner Büro Machleidt zusammen mit den Partnerbüros TOLLERORT und Sinai beauftragt. Bis Ende 2024 soll die Masterplanung stehen. 

Wichtiger Baustein ist die Bürgerbeteiligung. Dafür hat den Auftakt am Mittwoch, 10. April 2024, eine Ideenwerkstatt im Kulturzentrum Pavillon gemacht. Danach folgt eine Planungswerkstatt, der Termin wird noch bekanntgegeben. In einem abschließenden Ergebnisforum werden die Ergebnisse der Masterplanung vorgestellt und das weitere Verfahren bis zur Realisierung erläutert. Dieses soll voraussichtlich im Oktober 2024 stattfinden.

Quartier als Durchquerungsraum

Im ersten Schritt haben die Planungsbüros mit der Stadt das Quartier analysiert. Sie sehen den Hauptbahnhof als Anziehungs- und Treffpunkt unterschiedlicher Gruppen in der Innenstadt. Er ermöglicht den Fernverkehr und ist wichtiger Umstiegspunkt im Regional- und Nahverkehr mit S-Bahn, Stadtbahn und Bus. Im Erdgeschoss des Hauptbahnhofs und in der darunterliegenden Niki-de-Saint-Phalle-Promenade befinden sich zahlreiche Ladengeschäfte.

Stadträumlich und auch funktional trennt die im 19. Jahrhundert gebaute Bahntrasse den zentralen Innenstadtbereich deutlich von den nördlich und östlich gelegenen Stadtteilen und Wohnquartieren. So befindet sich das Quartier nördlich des Hauptbahnhofs in einer Insellage zwischen den Gleisen und dem City-Ring mit der Raschplatzhochstraße. Durch Hochhäuser, Großbauten und eine verdichtete urbane Bebauung ist das Bahnhofsviertel zwar „großstädtisch“ geprägt, aber für die meisten Menschen eher nur ein Durchquerungsraum. Er wirkt heute wenig einladend mit nahezu vollständig versiegelten Flächen, wenig Begrünung und den auf ihre Verkehrsfunktion ausgerichteten Straßenräumen mit geringer Aufenthaltsqualität.

Bei der Masterplanung geht es unter anderem um diese Fragen:

  • Wie kann der Hauptbahnhof stadträumlich wieder an die guten Lagen in der Oststadt und der List „herangeführt“ werden? Wie können Durchgangsorte an Attraktivität gewinnen
  • Wie lassen sich Platzflächen sowie Grün- und Freiräume für alle gut nutzbar gestalten und durch alternative Nutzungsangebote ergänzen?
  • Was lässt sich verbessern, um die Überquerung des Cityrings zu erleichtern und die Wegstrecken für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen komfortabel zu erleben?
  • Welche Angebote können eine nachhaltigere Mobilität fördern?

Leitbilder entwickeln

Mit der Beteiligung von Bürger*innen werden Leitbilder für die Bereiche Mobilität, Soziales, Grün, Wohnen und Arbeiten formuliert. Die Masterplanung soll zukunftsorientiert und visionär aufzeigen:

  • Wie kann sich das nördliche Bahnhofsviertel insgesamt entwickeln?
  • Wodurch lassen sich Freiraumqualitäten sichern und weiterentwickeln?
  • Mit welchen Klimaanpassungsmaßnahmen ließe sich auf die Herausforderungen durch den Klimawandel reagieren?
  • Wie kann die bestehende Trennwirkung der Bahntrasse und des City-Rings überwunden, verringert oder sogar aufgelöst werden?
  • Welche Bestandsnutzungen sind langfristig tragfähig und wo können neue Potenziale qualifiziert werden?
  • Wo und in welcher Form können Verkehrsbelastungen reduziert und durch neue und stadtverträgliche Formen der Mobilität ersetzt werden?

Zeitplan für 2024: Entwicklung des Masterplans für das Quartier des nördlichen Hauptbahnhofs. Stand Februar 2024.

 

Realisierungswettbewerb ab 2025

Der Masterplan soll die Grundlage für einen anschließenden Realisierungswettbewerb 2025 darstellen, der sich qualifiziert mit den Flächen des Weißekreuzplatzes bis zum Nordeingang des Hauptbahnhofs mit dem Raschplatz befasst. Er bezieht bestehende Planungen ein. Dazu gehören die Erweiterung des Bahnhofs um den Bahnsteig 15/16 und die damit verbundenen Arbeiten, die Anforderungen an die logistische Versorgung für den Bahnbetrieb, der Läden im Bahnhof sowie der Geschäfte in der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade. Neu denken lassen sich auch die Eingangssituation in den Hauptbahnhof von der Nordseite aus und die städtebaulich-architektonischen Strukturen. Einzubeziehen sind die kurzfristige Bespielung und anschließende Umgestaltung des Andreas-Hermes-Platzes.

Diese Masterplanung ist ein Leitprojekt des Innenstadtkonzeptes der Landeshauptstadt. Das Projekt wird zu 40 Prozent mit Mitteln aus dem Programm „Resiliente Innenstädte“ gefördert (Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung EFRE/ESF+).