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Symbolbild Feuerwehr Hannover © Ulrich Reinecke Photography

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Massenanfall von Verletzten

Großübung in der IGS Roderbruch

26.05.2018 - Auf dem Gelände der IGS Roderbruch fand am Samstag eine Übung der Feuerwehr Hannover mit einem Massenanfall von verletzten Personen statt. Bei dem Übungsszenario wurden nach einem Unfall bei Kranarbeiten durch den Teileinsturz eines Glasdaches Personen verletzt. Die Einsatzkräfte erwartete ein Szenario mit 38 verletzten Patienten, diese wurden durch Verletztendarsteller simuliert und mussten gerettet sowie rettungsdienstlich versorgt werden. In Zusammenarbeit mit Notärzten der DRK-Rettungsschule Niedersachsen führt die Feuerwehr Hannover alljährlich eine Einsatzübung „Massenanfall von Verletzten“, in diesem Jahr mit rund 250 beteiligten Einsatzkräften und Darstellern sowie fast 50 Fahrzeugen auf dem Gelände der IGS Roderbruch durch.

Notfallsanitäter und Notärzte sichten die Verletzten. Patienten erhalten Kennzeichnungen mit Farbbändern anhand derer eine Transportpriorisierung erfolgt. © C. Heidrich

Notfallsanitäter und Notärzte sichten die Verletzten. Patienten erhalten kennzeichnungen mit Farbbändern anhand derer eine Transportpriorisierung erfolgt.

Um 09:30 Uhr erfolgte die Alarmierung der hannoverschen Brandschützer mit dem Alarmstichwort „Dacheinsturz in der Eingangshalle der IGS“. Angenommen wurde, dass sich bei Kranarbeiten eine Gitterbox mit Baumaterial von einem Baukran löste und die Glaskuppel in der Eingangshalle der IGS zum Teileinsturz brachte. 38 Personen wurden verletzt und teilweise unter Trümmern eingeklemmt. Aufgrund dieser Erkenntnisse erfolgte durch den ersteintreffenden Notarzt die Auslösung der Alarmstufe MANV 2, die für die zu erwartende Patientenanzahl im Einsatzkonzept vorgesehen ist. Die Alarmierungsstufen  sind im Einsatzkonzept „Massenanfall von Verletzten“ (MANV) der Feuerwehr Hannover nach der Anzahl der Verletzten gegliedert:

  • ab 5 Patienten                        MANV 1
  • ab 20 Patienten                      MANV 2
  • ab 50 Patienten                      MANV 3
  • ab 200 Patienten                    MANV 4

Die Verletztendarsteller wurden durch das Team Realistische Unfalldarstellung (RUD) der Feuerwehr sowie weiterer überregionaler Teams gestellt. Die aufwendig geschminkten Verletzungen sahen für die eintreffenden Einsatzkräfte täuschend echt aus.

Ein Modul bei diesem simulierten Großschadenereignis war ein Einsatzabschnitt Rettungsdienst unter Führung eines Organisatorischen Leiters Rettungsdienst (OrgL) und eines Leitenden Notarztes (LNA). Sie koordinieren die Sichtung, Behandlung und den Transport der Verletzten. Die bei dieser Einsatzübung eingebundenen Notärzte  wurden durch die Teilnehmer eines Kurses für Leitende Notärzte der DRK-Rettungsschule aus Goslar gestellt.

Die Patienten wurden in einer Patientenablage in unmittelbarer Nähe zur Einsatzstelle für eine Vorsichtung und medizinischen Erstversorgung an den Rettungsdienst übergeben. Für die Patienten, für die aufgrund ihrer schwersten Verletzung ein sofortiger Transport  in ein Krankenhaus erforderlich war, erfolgte eine Übergabe an dafür bereitgestellte Rettungswagen, die anderen Verletzten wurden nach Vorsichtung und medizinischer Erstversorgung einem Behandlungsplatz (BHP) zugeführt. Der Aufbau der Schnelleinsatzzelte des BHP erfolgte auf dem Sportplatz der IGS.

Der BHP dient der Sichtung und Einteilung der Patienten in Sichtungskategorien und der unverzüglichen Herstellung der Transportfähigkeit. Durch die Einteilung in Sichtungskategorien wird die weitere Transport-Priorisierung für jeden einzelnen Patienten festgelegt.

Sichtungskategorie I vitale Bedrohung Sofortbehandlung
Sichtungskategorie II schwer verletzt Überwachung, dringende Behandlung
Sichtungskategorie III leicht verletzt spätere, oder ambulante Behandlung
Sichtungskategorie IV ohne Überlebenschance betreuende Behandlung

Gegen 11:28 Uhr war die Einsatzübung beendet. Insgesamt waren rund 250 Einsatzkräfte und Darsteller sowie fast 50 Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst in diese Übung eingebunden.

„Die Zusammenarbeit der an dieser großangelegten Übung beteiligten Institutionen hat hervorragend funktioniert, mit dem Konzept zur Bewältigung von Großschadenereignissen bei einer hohen Anzahl von Verletzten sind wir in Hannover bestens vorbereitet und haben bundesweit auch in der Ausbildung von Leitenden Notärzten in der Zusammenarbeit mit der DRK-Rettungsschule einen Vorbildcharakter “ war das Fazit der Feuerwehrdezernentin Rita Maria Rzyski.

„Es ist wichtig derartige Einsatzabläufe regelmäßig zu üben und so das Gesamtsystem weiter zu optimieren“, hob Feuerwehrchef Lange hervor. „Bei der ersten Sichtung der Verletzten in der Patientenablage lag in diesem Jahr der Fokus auf einer besonders schnellen und effektiven Kategorisierung der Patienten und des sofortigen Transportes derjenigen mit höchster Behandlungspriorität. Auch mit dem Projekt der mobilen Erfassung von Patientendaten sollte das vorhandene Konzept weiterentwickelt werden“, fügte Lange an. Besonderer Dank gelte der Schulleiterin Frau Naber, die mit dem Team der IGS diese groß angelegte Einsatzübung der Feuerwehr tatkräftig unterstützte.