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Landwirtschaft und Nutzgärten in der Stadt

Ein Agrikulturprogramm für Hannover

Ökologische Landwirtschaft, biologische Vielfalt bewahren und verbessern, regionale Vermarktung und Gärtnern in der Stadt

Landwirtschaftliche Nutzung in der Stadt: Was widersprüchlich klingt, ist gar nicht so ungewöhnlich und soll weiterentwickelt werden. Der Rat der Stadt Hannover hat im April 2017 das Agrikulturprogramm für Hannover beschlossen. Kernpunkte sind die Sicherung von Flächen für landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzungen, die Förderung der umweltschonenden und ökologischen Bewirtschaftung sowie eine regionale Vermarktung.

Fortschreibung des Landwirtschaftsprogramms

Das Programm ist die zweite Fortschreibung des Landwirtschaftsprogramms von 1994 und befasst sich nicht mehr nur mit der Landwirtschaft, sondern auch mit gärtnerischen Formen der Lebensmittelproduktion in der Stadt – von traditionellen Kleingärten bis zu neuen Initiativen und Flächen des "urban gardening" oder "urban farming". Es skizziert darüber hinaus öffentlichkeitswirksame Informationen und Aktionen, die die Bevölkerung für die Lebensmittelproduktion in der Stadt sensibilisieren und zu nachhaltigem Konsum sowie zum eigenen Gärtnern anregen sollen. "Landwirtschaftliche und gärtnerische Flächen machen einen hohen Anteil der Stadtfläche aus. Sie zu erhalten und zu entwickeln, ist ein wichtiger Beitrag für die nachhaltige Stadtentwicklung", sagt Sabine Tegtmeyer-Dette, Hannovers Erste Stadträtin und Wirtschafts- und Umweltdezernentin. Die Handlungsfelder des Agrikulturprogramms sind auch Bestandteil des städtischen Programms "Mehr Natur in der Stadt".

14 Prozent der Stadtfläche Hannovers werden landwirtschaftlich genutzt

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen machen in Hannover rund 14 Prozent der Stadtfläche aus, das entspricht rund 2.880 Hektar. Davon sind 964 Hektar im Besitz der Landeshauptstadt Hannover. Sie werden von rund 29 Betrieben bewirtschaftet und dienen unter anderem dem Erhalt der Kulturlandschaft und der landschaftsbezogenen Erholung.

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie die Nutzgärten erfüllen wichtige Mehrfachfunktionen in der Stadt

Die Flächen können:

  • Freiräume in der dicht besiedelten Stadt für die Naherholung erhalten, die bei umweltschonender Nutzung
  • auch dem Naturschutz und dem Klimaschutz dienen, und
  • auf möglichst kurzen Wegen zur Lebensmittelversorgung der Stadtbevölkerung beitragen.

Diese Flächen und Nutzungen zu erhalten sowie im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung weiterzuentwickeln, ist Anliegen des Agrikulturprogramms.

Die zentralen Handlungsfelder und Umsetzungsstrategien des Agrikulturprogramms gliedern sich in 5 Themenschwerpunkte

1. Flächensicherung für landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzungen

2. Wirtschaftliche Existenzsicherung der Betriebe
Im Agrikulturprogramm sind schützenswerte Landwirtschaftsflächen dargestellt, an deren Erhaltung die Stadt besonders interessiert ist. Denn je mehr bäuerliche Betriebe aus dem Ballungsraum verschwinden, desto mehr verlassene Flächen müssten mit hohem Aufwand von der Kommune gepflegt werden, damit sie von der großen Zahl Erholungssuchender aus der Stadt genutzt werden können. Und je weniger Bauernhöfe es in Stadtnähe gibt, desto weniger Möglichkeiten gibt es, die Verbraucher auf kurzen Wegen mit frischen Lebensmitteln aus der Region zu versorgen. Diese Versorgung auf kurzen Wegen ist wiederum ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, und sie ist ein Beitrag zu Existenzsicherung für Betriebe nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Lebensmittelhandwerk.

3. Förderung von umweltschonenden und ökologischen Bewirtschaftungsformen
In der Stadt sollen umweltschonende und ökologische Bewirtschaftungsformen weiter entwickelt werden. Dazu gehören beispielsweise umweltgerecht bewirtschaftete Grünlandflächen. In der Vergangenheit wurden bereits rund 200 Hektar Grünlandflächen neu geschaffen, die oftmals mit Mutterkühen extensiv beweidet oder für die Heugewinnung genutzt werden. Sie sind wertvolle Lebensräume mit teilweise hoher Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz und stellen attraktive Erholungslandschaften dar. Auch auf einigen Ackerflächen gibt es Kooperationen mit Landwirten zur besonderen Förderung von Pflanzen bzw. Tierarten. Dazu gehören Ackerwildkrautschutzstreifen oder Maßnahmen für die Feldlerche. Nach diesem Prinzip "Pflege durch Nutzung" sollen auch in Zukunft Formen der umweltgerechten Bewirtschaftung entwickelt werden, bei denen die Belange des Naturschutzes und der Landbewirtschaftung soweit wie möglich in Einklang gebracht werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem in der Erhöhung des Anteils an ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen im Stadtgebiet.

4. Regionale Vermarktung der Stadt als Verbraucherin
Die Stadt Hannover will als Verbraucherin mit gutem Beispiel vorangehen und wo möglich mehr regionale und ökologische Produkte in eigenen Einrichtungen und auf Veranstaltungen verwenden.

5. Öffentlichkeitsarbeit / Information und Aktion
Öffentliche Führungen und Angebote sollen dazu beitragen, über Landwirtschaft in der Stadt Hannover zu informieren und zu bewusstem Einkaufen zu animieren. Mitmachangebote zum Selbst-Gärtnern werden vorgestellt und unterstützt.