Maßnahmen für Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer & Co.

Projekte im Insektenbündnis Hannover

Hier bekommen Sie einen Überblick über Projekte und Flächen für den Insektenschutz..

Übersichtskarte zu Projekten und Flächen, die einen Beitrag zum Insektenbündnis Hannover leisten (Stand: 2025). 

Seit Gründung des Insektenbündnisses im Jahr 2020 und auch schon zuvor wurden von den Bündnismitgliedern zahlreiche Projekte für die biologische Vielfalt umgesetzt. Im Sinne der gemeinsam unterzeichneten Deklaration zum „Insektenbündnis für Hannover“ wurden insbesondere Maßnahmen zur Aufwertung und Vernetzung von Insektenlebensräumen realisiert, beispielsweise durch die Anlage von Blühflächen, ökologisches Grünflächenmanagement oder die überwiegende Verwendung (gebiets-)heimischer Pflanzenarten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bewusstseinsbildung mit themenbezogenen Umweltbildungsangeboten und kontinuierlicher Öffentlichkeitsarbeit. 

Die Maßnahmen und Projekte des Insektenbündnisses Hannover stellen heute einen wichtigen Baustein der kommunalen Biodiversitätsstrategie  „Mehr Natur in der Stadt“ dar. Die folgende Karte gibt einen Überblick über die Vielzahl dieser Projekte. Sie soll nicht der flächenscharfen Verortung dienen.

1. Ackerwildkrautschutz

Typische Arten der Ackerwildkrautflora, wie der Acker-Rittersporn (Consolida regalis) und der Kleinblütige Frauenspiegel (Legouisa hybrida), waren früher zwischen den Feldfrüchten auf Äckern weit verbreitet. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind diese Arten jedoch vielerorts verschwunden oder nur noch spärlich an Feldrändern zu finden. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die lokale Biodiversität. Die blütenarmen und monotonen Felder bieten vielen Insektenarten, die direkt oder indirekt auf die Ackerwildkräuter als Nahrungsquelle angewiesen sind, keinen geeigneten Lebensraum mehr. Auf den Kalkäckern am Kronsberg kommen diese Pflanzenarten aber noch zahlreich vor. Um die Bestände der Ackerwildkräuter zu erhalten und dadurch die Lebensräume für Insekten aufzuwerten, wurden Flächen für den Ackerwildkrautschutz eingerichtet. Auf diesen Flächen werden beispielsweise keine Pflanzenschutzmittel oder Dünger eingesetzt. Die Förderung solcher umweltschonender Bewirtschaftungsformen ist ein Baustein des Agrikulturprogramms und der Biodiversitätsstrategie der Landeshauptstadt Hannover, mit dem im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung die landwirtschaftlichen Flächen und Nutzungen in der Stadt unterstützt werden. 

Acker-Rittersporn (Consolida regalis) auf dem Kronsberg.

 

 

2. Vermehrung gebietsheimischer Pflanzenarten

Insekten sind in vielen Entwicklungsstadien auf Pflanzen angewiesen. Sie liefern Nahrung, z. B. in Form von Nektar, Pollen und grüner Blattmasse, und dienen als Unterschlupf. Besonders gebietsheimische Pflanzen sind essenziell für Insekten, da viele Pflanzen- und Insektenarten aneinander angepasst sind. Gebietsfremde Arten hingegen können für viele hier lebende Insektenarten nicht oder nur schlecht als Nahrungsquelle oder Lebensraumdienen. In einigen Fällen sind diese gebietsfremden Pflanzenarten sogar invasiv, wie der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum), der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) oder die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina). Sie breiten sich schnell aus und sind sehr konkurrenzstark und verdrängen so gebietsheimische Arten. Zudem können Pflanzenarten in ihrer genetischen Vielfalt bedroht sein, wenn Saat- oder Pflanzgut ohne regionale Herkunft verwendet wird. Es kann zu Hybridisierungen (Kreuzungen) mit den hier heimischen Arten und damit auch zum Verlust wichtiger genetischer Eigenschaften kommen. Anpassungen an die Umweltbedingungen können verloren gehen und die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten ist oft herabgesetzt. Um dem entgegenzuwirken, werden u. a. in der städtischen Baumschule und der Stadtgärtnerei gebietsheimische Gehölze und Stauden wie die Wildbirne (Pyrus pyraster) oder der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) herangezogen und von den Mitgliedern des Insektenbündnisses ausgepflanzt. 

Vermehrung von gebietsheimischen Gehölzen in der städtischen Baumschule.

 

3. Beweidung

Viele besonders wertvolle Lebensräume für Insekten sind im Verlauf der Jahrhunderte durch die Beweidung mit Ziegen, Schafen oder Rindern entstanden. Die Weidetiere halten die Vegetation kurz und drängen Gehölze zurück und schaffen dadurch offene Lebensräume. Durch die unterschiedlichen Geschmäcker und unterschiedliche Verhaltensmuster entsteht aber keine gleichmäßige Struktur wie bei einer Mahd. Stattdessen entwickelt sich ein vielfältiges und abwechslungsreiches Mosaik. Kurz abgefressene oder sogar vegetationsfreie Stellen bieten optimale Bedingungen für wärmeliebende Arten wie z. B. viele Heuschreckenarten oder bodennistende Wildbienenarten. In dichteren Vegetationsstrukturen können z. B. Schmetterlingslarven überwintern. Weidetiere fungieren aber auch als Transportmittel, sowohl für Insekten als auch für Pflanzensamen, sodass ihre Ausbreitung durch eine Beweidung gefördert werden kann.

Insbesondere auf den trockenen und nährstoffarmen Sandböden im Norden von Hannover weiden seit einigen Jahren Ziegen und Heidschnucken im Auftrag der Landeshauptstadt Hannover für den Erhalt und die Weiterentwicklung von wertvollen Insektenlebensräumen.

Beweidung auf der Nassen Wiese.

4. Anlage von Nistmöglichkeiten

Mithilfe der Anlage von Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten soll der Rückgang natürlicher Lebensräume ein Stück weit ausgeglichen werden. Durch Totholz, Sandarien (offene Sandflächen) und Lesesteinhabitate in naturnah gepflegten Grünflächen entstehen neue wertvolle Rückzugsorte. Viele Insektenarten wie beispielsweise Wildbienen sind auf solche spezifischen Lebensräume angewiesen. 75% der Wildbienen legen ihre Eier im Boden ab. Sandarien können daher ideale Bedingungen für diese bodennistenden Insekten bieten. Darüber hinaus können durch eine abschnittsweise Mahd von Wiesen und das Belassen von Altgrasstreifen Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten geschaffen werden. Hohlräume in Holz, Stängeln oder Steinen fungieren ebenfalls als Brutkammern für verschiedene Insektenarten und tragen zur Förderung der Insektenvielfalt bei. 

Benjeshecken und Altgrasbestände bieten wertvolle Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten für zahlreiche Arten.

 

5. Extensive Grünlandnutzung

Extensiv genutzte Grünländer zählen zu den artenreichsten Lebensräumen. Sie beherbergen eine Vielzahl an Insektenarten, die wiederum die Nahrungsgrundlage für zahlreiche Vögel, Amphibien und Wirbeltiere bilden. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft kam es jedoch zu einem Rückgang der Pflanzen- und Tierarten im Grünland. Die extensive Grünlandbewirtschaftung ist eine umweltschonende Alternative, die sich durch ein geringes Düngeniveau, oft bis hin zum vollständigen Verzicht auf Düngemittel, sowie den weitgehenden Verzicht auf Pflanzenschutzmittel auszeichnet. Zusätzlich wird durch ein angepasstes Mahdregime mit insektenschonender Mähtechnik und einer einschürigen Mahd oder eine geringe Beweidungsdichte mit Rindern, Pferden oder Schafen die Pflanzenvielfalt gefördert. So wird den Pflanzen ermöglicht, zu blühen und Samen zu bilden, wodurch wertvolle Lebensräume für Wildtiere entstehen.

Extensives Grünland, Mardalwiese.

6. Naturnahe Gestaltung von Fließgewässern

Eine naturnahe Umgestaltung von Fließgewässern ist entscheidend, um die Retentionsfähigkeit der Gewässer und damit auch die Lebensraumqualität für Insekten zu verbessern und. Durch regelmäßige Überflutungen und Nässe können besondere Lebensbedingungen geschaffen werden, die eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt fördern.
Durch bauliche Eingriffe wie Begradigungen und Verrohrungen hat sich die Qualität vieler Gewässer in den zurückliegenden Jahren jedoch verschlechtert. Um dem entgegenzuwirken, werden vielerorts natürliche Gewässerverläufe entwickelt und naturnahe Strukturen geschaffen, z. B. durch die Anlage von Retentionsräumen und naturnahen Gewässerrandstreifen. Solche Maßnahmen unterstützen die Ansiedlung von Insekten wie Eintags-, Stein- und Köcherfliegen und Libellen. Da die Tiere unterschiedliche Strukturen in diesen dynamischen Ökosystemen nutzen, ist es außerdem notwendig, bestehende Wanderhindernisse zu beseitigen, um ihre Mobilität zu gewährleisten. 
 

Renaturierungsmaßnahmen an der Wietze.

7. Naturnahe Gestaltung von Stillgewässern

Stillgewässer, zu denen nicht fließende Gewässer wie Teiche aber auch wassergefüllte Mulden nach Starkregen zählen, sind wichtige Lebensräume für zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Dazu zählen Libellen-, Käfer- oder Wasserläuferarten. In den letzten Jahrzehnten wurden viele Stillgewässer durch veränderte Nutzungsanforderungen verfüllt, überbaut oder entwässert. Das hat zu einem drastischen Rückgang dieser wertvollen Landschaftselemente und der im und am Wasser lebenden Pflanzen und Tiere geführt. Im Rahmen des Stillgewässerprogramms und der Biodiversitätsstrategie der Landeshauptstadt Hannover wurden daher in den Landschaftsräumen verschiedene Gewässer angelegt und seitdem regelmäßig gepflegt. Typische Pflegemaßnahmen sind die Entfernung von Ufergehölzen, das Absoden der Gewässersohle oder eine extensive Pflege der Gewässerrandstreifen. Diese Maßnahmen fördern die Biodiversität und schaffen ein funktionierendes Netzwerk ökologisch hochwertiger Kleingewässer.

Stillgewässer, wie dieses in Badenstedt, und ihre Ufer bieten vielfältige Lebensräume für Pflanzen und Tiere.

8. Regelmäßige Umweltbildungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit

Insektenschutz lebt nicht nur von der Schaffung geeigneter Lebensräume für Insekten, sondern auch von regelmäßigen Umweltbildungsangeboten und Öffentlichkeitsarbeit, um die Bevölkerung für den Insektenschutz zu sensibilisieren. Umweltbildungsangebote finden z. B. in den Einrichtungen der Landeshauptstadt Hannover, wie der Waldstation Eilenriede und dem Schulbiologiezentrum, oder auf naturnah gestalteten Flächen wie dem Grünzug Roderbruch oder dem Emmy-Lanzke-Weg statt. Ziel ist, das Bewusstsein für den Insektenschutz zu schärfen und die Menschen zu ermutigen, aktiv zu werden, etwa durch die Pflanzung heimischer Pflanzenarten auf Privatflächen. An naturnah umgestalteten Flächen werden zudem Infotafeln aufgestellt, die den Wert der Flächen für den Insektenschutz hervorheben. Es werden gemeinsame Pflanzaktionen von Gehölzen und Stauden sowie Einsaaten von Blühflächen organisiert und Saatgut ausgegeben, um aktiv Lebensräume für Insekten zu schaffen.

Zweimal jährlich findet die Saatgutaktionswoche statt, bei der Tütchen mit der Hannovermischung „Blühende Gärten“ kostenfrei an Bürger*innen abgegeben werden.

9. Naturnahes Grünflächenamangement

Das Grünflächenmanagement öffentlicher Flächen war früher durch häufige und einheitliche Mahd geprägt. Dadurch können Pflanzen kaum blühen oder fruchten und stellen somit keine Lebensgrundlage für Tiere wie Insekten dar. Im naturnahen Grünflächenmanagement hingegen wird die Mahd seltener und zeitlich variabel durchgeführt, abgestimmt auf die Entwicklungsziele und den Bedarf einer Fläche. So dürfen mehr Pflanzen durchwachsen und die Flächen werden mosaikartig, d.h. nie komplett gleichzeitig, gemäht. Auf einigen Flächen kommt die Hannovermischung  zum Einsatz. Dies sind Saatgutmischungen, die das Insektenbündnis für unterschiedliche Standortbedingungen in Hannover entwickelt hat. Die enthaltenen Pflanzen sind gebietsheimisch und bieten Pollen- und Nektarversorgung von März bis November sowie Unterschlupf und Nistmöglichkeiten für Insekten in verschiedenen Entwicklungsstadien. In der Hannovermischung „Blühende Gärten“ sind beispielsweise Klatschmohn, Margerite, Rotklee, Wilde Möhre und Rote Lichtnelke enthalten, die insbesondere Wildbienen und Schmetterlinge anziehen. 

Mosaikmahd auf einer innerstädtischen Grünfläche.

10. Natürliche Waldentwicklung

Zum Schutz der Natur gehört es, natürliche Prozesse zuzulassen – auch in Wäldern. Im Sinne der natürlichen Waldentwicklung finden auf den sog. Naturwaldparzellen keine forstlichen Eingriffe statt. So können insbesondere die Alt- und Totholzbestände erhalten und gefördert werden, die für den Lebensraum von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten von besonderer Bedeutung sind, beispielweise für totholzbewohnende Käfer. Durch den Verzicht auf die Ernteprozesse, die Vermeidung von Fahrwegen und die damit verbundenen Störungen bleibt das Ökosystem intakt. Der Wald verjüngt sich durch Sämlinge natürlich, wenn Lücken entstehen. Auch für Waldbesucher*innen entsteht so ein besonderes Erlebnis, da sie einen ungestörten, natürlichen Wald in seiner vollen Schönheit erleben können.

Naturwaldparzelle in der Eilenriede.

11. Naturnahe Gestaltung von Wohnquartieren

Die Umgestaltung von Grünflächen in Wohnquartieren zu naturnahen Lebensräumen ist entscheidend für die Verbesserung der Biodiversität. Oft handelt es sich dabei um Rasenflächen, die nur begrenzte Lebensraumqualität für Insekten bieten. Zusammen mit Bündnismitgliedern aus der Wohnungswirtschaft wird an der ökologischen Aufwertung von Gärten und Balkonen sowie des Abstandsgrüns zwischen Wohnhäusern gearbeitet. Es werden vielfältige Lebensbedingungen geschaffen, indem Flächen entsiegelt, Gründächer und Fassadenbegrünungen angelegt und Blühflächen mit der Hannovermischung eingesät werden. Es entstehen Streuobstwiesen, Wildstrauchflächen, Nisthügel und Totholzbereiche, die zahlreichen Insekten Schutz, Nahrungsquellen und Nistplätze bieten. Mietende werden aktiv in die Maßnahmen eingebunden und über die Bedeutung des Insektenschutzes informiert.

Im Rahmen des Wettbewerbs „NATURSTADT“ wurden Nisthügel und Totholz auf den Grünflächen im Emmy-Lanzke-Weg platziert.

12. Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen

Firmengelände sind typischerweise funktional gestaltet und stark versiegelt. Diese Flächen wirken zwar ordentlich, bieten jedoch kaum Unterschlupf und Lebensraum für Tiere. Um die Biodiversität zu fördern, werden hier Maßnahmen wie Entsiegelung oder die Anlage von Beeten mit heimischen Pflanzen umgesetzt. Eine naturnahe Bepflanzung ersetzt – wo möglich - eintönige Rasenflächen und bietet vielfältige Nist- und Lebensräume. Durch die Errichtung von Wildstrauchhecken oder Erdhügeln werden Nist- und Lebensräumen für Insektengeschaffen. Sandarien (offene Sandflächen), Nisthilfen aus Hartholz, Bambusröhren und markhaltige Stängel sind Beispiele für sinnvolle Ergänzungen. Zudem kann eine angepasste Außenbeleuchtung verhindern, dass nachtaktive Insekten, die einen Großteil der Bestäubung übernehmen, durch künstliches Licht von der Nahrungssuche oder Fortpflanzung abgelenkt werden. 

Im Rahmen des Projekts Außenstelle Natur des Umweltzentrums Hannover e. V. wurden zahlreiche Firmengelände naturnah gestaltet. 

Umgestaltetes Firmengelände eines Unternehmens aus dem Projekt „Außenstelle Natur“.

13. Pflanzung von Obstgehölzen

Alte Obstbestände sind wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und tragen erheblich zur biologischen Vielfalt bei. Seit der Jahrtausendwende wurden gezielt neue Obstwiesen, Obstalleen und einzelne Obstbaumbestände auf städtischen Flächen in Hannover angelegt. Dabei wurden vorwiegend alte Obstbaumsorten wie die Apfelsorten Rote Sternrenette und Kaiser Wilhelm, sowie Birnensorten wie Gräfin von Paris und Nordhäuser Winterforelle verwendet. Auch Süßkirschen wie Büttners Rote Knorpelkirsche und Pflaumen wie die Wangenheimer Frühzwetsche finden hier ihren Platz. Diese alten Obstbaumsorten bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum und Nahrungsquelle, darunter Wildbienen, Wespen, Ameisen, Käfer, Schwebfliegen, Florfliegen und Schmetterlinge. Durch die extensive Pflege der Flächen entstehen zudem artenreiche Wiesen.

Obstwiese auf dem Kronsberg.

14. Wissenschaftliche Begleitung und Monitoring

Einzelne Maßnahmen werden bereits wissenschaftlich begleitet, um Erfolge zu dokumentieren und Maßnahmen ggf. anzupassen, um so ihre Effektivität zu steigern. Es werden beispielsweise im Rahmen des Stillgewässermonitorings Libellen erfasst oder Wildbienen im Rahmen des Stechimmenmonitorings kartiert. Auch auf ausgewählten naturnah umgestalteten Grünflächen im innerstädtischen Bereich. Zusätzlich wird die Überwachung ökologischer Aspekte, wie das Vorkommen gezielt geförderter Arten, in den Fokus genommen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wahrnehmung und Akzeptanz der durchgeführten Maßnahmen durch die Bevölkerung sowie die Anwohnenden und die Nutzenden der Flächen. Diese Rückmeldungen sind unter anderem entscheidend, um die Maßnahmen gegebenenfalls anzupassen und deren Effektivität zu steigern.

Landkärtchen (Araschnia levana f. levana).

15. Sukzessions- und Wildnisflächen

Im städtischen Grünflächenmanagement gilt 'Wildnis' als wertvolles Konzept zur Förderung der Artenvielfalt. Obwohl sie oft mit Chaos oder sogar Gefahr assoziiert wird, birgt sie enormes Potenzial. Durch gezielte Veränderungen im Pflegemanagement auf Flächen wie Grünzügen, Industriebrachen und Wäldern wird die Entwicklung von Wildnis gefördert. Beispielsweise wird die Mahd temporär ausgesetzt, um der Natur Raum zur Selbstentwicklung zu geben. Diese Flächen tragen zur Erhaltung der Arten- und Biotopvielfalt bei, steigern die Lebensqualität in Städten und machen urbane Natur erlebbar. Zudem verbessern sie die Luftqualität und das Klima, bieten Nahrung und erhöhen die strukturelle Vielfalt der Lebensräume für Insekten. Besonders profitieren Insektenarten wie Tagfalter, Wildbienen oder Heuschrecken von diesen Maßnahmen, die die natürliche Entwicklung unterstützen.

Im Rahmen des Projekts „Städte wagen Wildnis“ wurden im Stadtgebiet verschiedene Flächen ausgewählt, auf denen sich Wildnis entwickeln darf. Hier finden heute Führungen und andere Umweltbildungsangebote mit den Wildnislots*innen statt.

Wildnisfläche an der Fösse.

16. Entwicklung spezieller Lebensräume

Besonders schützenswerte Lebensräume sind seltene Ökosysteme, die nur durch eine gezielte, auf wertgebende Pflanzen- und Tierarten ausgerichtete Pflege dauerhaft erhalten werden können. In Hannover gehören dazu beispielsweise Sandmagerrasen, Moore und Heiden. Für die Erhaltung dieser Standorte ist ein besonderer Schutz für gefährdete Arten ebenso entscheidend wie eine naturnahe Pflege und ein langjähriges Monitoring. Ein Beispiel ist der Sandmagerrasen auf der „Alten Bult“. Dieses geschützte Biotop bietet Lebensräume für gefährdete Pflanzen- und Tierarten, darunter Heuschrecken und Wildbienen. Auch Moore wie das Altwarmbüchener Moor sind besonders wertvoll, da sie spezialisierte Pflanzen- und Tierarten beherbergen. Durch ihre Wiedervernässung entstehen Lebensräume für Libellen, Laufkäfer und Tagfalter. 

Beweidung des Sandmagerrasens in der Fuhrbleek.

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