FAQ

Asphaltgruben Ahlem – häufig gestellte Fragen

Fragen und Antworten zu den Asphaltgruben in Ahlem rund um den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen.

Was sind die Asphaltgruben in Hannover-Ahlem?

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Ahlem eine Asphaltlagerstätte entdeckt und sodann bis 1925 dort Asphalt abgebaut. Es sind so drei Stollensysteme entstanden, ein Nordstollen, ein Mittelstollen und ein Südstollen. Die drei Stollensysteme können in der Anlage zur Drucksache Nr. 2221/2021 Asphaltgruben ersehen werden.

Welchen Straßenzügen droht Gefahr?

Grundsätzlich ist das Gebiet nördlich und südlich der Heisterbergallee betroffen. Im Einzelnen handelt es sich (in Teilen) um die Straßen Am Asphaltberge, Am Neuen Acker, Epiweg, Gartenstraßen, Heinrich-Hoff-Straße, Heisterbergallee, Leo-Roseblatt-Weg, Moritz-Simon-Weg, Parkstraße, Petit-Couronne-Straße, Richard-Lattorf-Straße und Stollenweg.

Wie lange halten die Stollen noch?

Diese Frage zu beantworten wird das Ziel der Untersuchungen sein. Bisher handelt es sich lediglich um eine latente Gefahr, die noch konkretisiert werden muss.

Wie wurden die Stollen bisher gesichert?

Welche Sicherungsmaßnahmen vor Schließung des Stollensystems getroffen wurden, wird u.a. Ziel der Erkundung sein. Nachträgliche Sicherungsmaßnahmen wurden bisher nicht durchgeführt.

Wie werden die Stollen zukünftig gesichert?

Ziel der geplanten Untersuchung ist u.a. auch die Festlegung notwendiger Sicherungsmaßnahmen. Nach aktuellem Kenntnisstand wird eine punktuelle oder komplette Verfüllung als Möglichkeit in Betracht gezogen.

Wie viel Geld kostet die Absicherung?

Sollten die Untersuchungen zu dem Ergebnis kommen, dass Sicherungsmaßnahmen notwendig werden, kommt es auf die Art der Sicherungsmaßnahme an. Eine Verfüllung des der drei Stollensysteme mit Beton wird nach aktuellen Kostenschätzungen auf mindestens 10 Mio. € beziffert.

Ist die genaue Lage der Asphaltgruben bekannt?

Die Landeshauptstadt Hannover stützt sich – wie auch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) – auf historische Kartierungen aus dem Bergarchiv. Es gibt allerdings unterschiedliche, teilweise sich auch widersprechende, Kartierungen. Zudem ist nicht bekannt, ob im Jahr 1944 während der Nutzung der ehemaligen Stollen zum Schutz der Produktion der Continental-Werke und der Maschinenfabrik Niedersachen Hannover (MNH) vor Bombenangriffen die Stollen verändert oder ausgedehnt wurden. Deshalb ist es eine der zu klärenden Fragen in der anstehenden ersten Stufe der Erkundung, sämtliches Kartenmaterial auszuwerten und sodann einen Plan zu erstellen, wie vor Ort die genaue Lage der Asphaltgruben festgestellt werden kann.

Seit wann sind die Asphaltgruben ungenutzt?

Der Asphaltabbau wurde spätestens im Jahr 1925 eingestellt. Im Jahr 1944 wurden die Stollen dann noch (unter Einsatz von Zwangsarbeiter*innen) dazu genutzt, um zu versuchen, die Kriegsproduktionen der Continental-Werke und der Maschinenfabrik Niedersachen Hannover (MNH) unter Tage zu verlegen. Nach dem Krieg wurden die Eingänge zu den Stollen zugeschüttet.

Was ist seitdem passiert?

Es ist eine umfangreiche Bebauung oberhalb der Stollen entstanden.

Darf oberhalb von ehemaligem Bergbau überhaupt gebaut werden?

Grundsätzlich ist dies möglich. In vielen Regionen Deutschlands, so z.B. im Ruhrgebiet, ist dies sogar quasi eher der Regelfall als die Ausnahme.

Warum ist die Bebauung oberhalb der Asphaltstollen denn dann in Hannover-Ahlem ein Problem?

Sie ist nicht grundsätzlich ein Problem. Das Problem ist vorliegend, dass die Zugänge zu den Gruben nach Ende des 2. Weltkrieges einfach zugeschüttet wurden und die Asphaltgruben ihrem Schicksal überlassen wurden. Es hat somit keine Kontrolle und Sicherung (z.B. Verfüllung) der Stollen stattgefunden.

Warum hat man dann überhaupt in diesem Bereich Bebauungspläne aufgestellt und eine Bebauung zugelassen?

Aus den Verwaltungsvorgängen ist ersichtlich, dass man sich der Bergbauproblematik bereits bei Aufstellung der ersten Bebauungspläne nach dem 2. Weltkrieg durch die damalig kreisangehörige Gemeinde Ahlem schon bewusst war. Allerdings zeigt der damalige Schriftverkehr mit den Bergbehörden auch, dass Bergschäden an den Gebäuden oberhalb der Gruben zwar für möglich, allerdings für überwiegend unwahrscheinlich gehalten wurde. Damit hat man sich damals zufriedengegeben.

Bis auf zwei Bebauungspläne, die lediglich eine Verkehrsfläche bzw. ein einzelnes Grundstück betreffen, befinden sich in allen B-Plänen entweder im Plan selbst oder der Begründung Hinweise und Regelungen auf die Altbergbauproblematik. Insofern war die Problematik die ganze Zeit bekannt und wurde beachtet.

Grundsätzlich wird die Frage der Standsicherheit der stillgelegten Gruben aber auch erst mit der Zeit immer virulenter, da mit zunehmenden Lebensdauer der Gruben ihre Standsicherheit ohne Untersuchung und Sicherungsmaßnahmen sukzessive fraglicher wird. Insofern war es nur konsequent, dass die in diesem Bereich aufgestellten Bebauungspläne im Laufe der Zeit immer detailliertere Regelungen zum Baugrund enthielten.

In Baugenehmigungsverfahren wurde in den letzten Jahren immer, wenn der Standsicherheitsnachweis zum gesetzlichen Prüfumfang der Bauaufsichtsbehörde gehörte (siehe § 65 NBauO), die Asphaltgrubenproblematik im Rahmen der Statikprüfung berücksichtigt. Bereits aus den Baugenehmigungsvorgängen aus den 1960`er Jahren ist aber ersichtlich, dass schon damals in den bautechnischen Nachweisen Empfehlungen in Bezug auf den Altbergbau gegeben wurden, z.B. dass Fundamente verstärkt werden sollten. In rund 40 Baugenehmigungsverfahren haben die Bauherrn sogar Verzichtserklärungen abgegeben, Bergschäden gegen die Behörden oder die Grubeneigentümer geltend zu machen. Insofern wurde auch hier nichts versäumt.

Aufgrund der neuen Lagebewertung durch das LBEG wird dieses Vorgehen nunmehr verschärft und Nachweise zur Grubenproblematik bei allen genehmigungspflichtigen Bauvorhaben angefordert und zwar auch dann, wenn der Standsicherheitsnachweis nicht zum gesetzlichen Prüfumfang gehört (siehe § 65 Abs. 2 S. 2 NBauO).

Was genau soll jetzt passieren?

Das weitere Vorgehen kann der Informationsdrucksache der Landeshauptstadt an den Stadtentwicklungs- und Bauausschuss des Rates und den Stadtbezirksrat Ahlem-Badenstedt-Davenstedt (Drucksache Nr. 2221/2021) entnommen werden. Diese finden sie hier.

Wer trägt die Kosten für die Sicherung der Stollen?

Die Frage wird zwischen der Landeshauptstadt Hannover, der Region Hannover und dem Land Niedersachsen geklärt. Die Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover setzt sich massiv dafür ein, dass die Grundstückeigentümer*innen nicht beteiligt werden.

Geht von den Stollen eine akute Gefahr aus?

Nein, aktuell besteht lediglich eine latente Gefahr, die aus Erfahrungen im Bereich eines anderen Stollensystems resultieren. Latent ist die Gefahr deshalb, weil derzeit gar nicht klar ist, ob von den Stollensystemen überhaupt ein Schadenseintritt droht. Andersherum kann dieser ohne Erkundung aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden.

Wird es im betroffenen Bereich Nutzungseinschränkungen (vor und während der Erkundung) geben?

Sollten Sondierungen und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden, kann es im näheren Umfeld der Arbeiten zu kurzfristigen Nutzungseinschränkungen kommen.

Ist mein Grundstück von den Sondierungs-, bzw. Sanierungsarbeiten (oberirdisch) betroffen? Muss mein Grundstück betreten werden?

Welche Maßnahmen und Eingriffe an welcher Stelle notwendig sein werden, müssen die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen.

Mit welchen Immissionen muss während der Sondierungs-, bzw. Sanierungsarbeiten gerechnet werden? (Lärm, Gerüche, gefährliche Stoffe, Erschütterungen,…)?

Welche Maßnahmen und Eingriffe an welcher Stelle notwendig sein werden, müssen die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen.

Kann ich im betroffenen Bereich bauen?

Grundsätzlich ist dies möglich, allerdings wird in Baugenehmigungsverfahren stets das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) beteiligt. Dieses wird regelmäßig fordern, dass der Standsicherheitsnachweis um eine Baugrunduntersuchung mit bergbaulicher Expertise ergänzt wird. In diesem Zusammenhang müsste der*die Bauantragssteller*in die Standsicherheit der Grubenbauten selbst nachweisen oder aber alternativ diese punktuell verfüllen. Dies gilt auch bei Baumaßnahmen, für die der Standsicherheitsnachweis eigentlich nicht zum Prüfumfang gehört. Regelmäßig wird dies insbesondere bei kleineren Baumaßnahmen mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand nur schwer zu leisten sein. Die Landehauptstadt ist sich der erheblichen Einschränkung der grundrechtlich geschützten Baufreiheit sehr wohl bewusst. Deshalb tut sie alles dafür, die weitere Erkundung zu forcieren.

Ist es vertretbar, dass die Stadtbahnlinie 10 im Bereich der Asphaltstollen noch fährt?

Die Landeshauptstadt hat diese Frage mit dem LBEG diskutiert. Nach derzeitigem Wissen liegt die Stadtbahnlinie nicht direkt oberhalb der Grubenbauen, allerdings direkt daneben. Das LBEG hat mit der ÜSTRA besprochen, dass Maßnahmen am Schienenkörper ergriffen werden, um die Schwingungen durch die Stadtbahn zu reduzieren. Nach der fachlichen Einschätzung des LBEG und der ÜSTRA ist allerdings eine Einschränkung des Straßenbahnverkehrs nach derzeitigem Kenntnisstand nicht geboten.

Muss nicht der Schwerlastverkehr insbesondere auf der Heisterbergallee verboten werden?

Nach fachlicher Einschätzung des LBEG ist dies nicht erforderlich.

Warum war die Frage der Zuständigkeit für die weitere Erkundung so schwierig zu klären? Muss dies nicht eindeutig das Bauamt der Landeshauptstadt erledigen?

Nein. Es ist rechtlich unbestritten, dass die Grubenbauten selbst nicht dem Anwendungsbereich der Niedersächsischen Bauordnung unterfallen und somit die Erkundung auch nicht in die Zuständigkeit der Bauaufsichtsbehörde fällt. Diese muss lediglich die Auswirkungen in konkreten Baugenehmigungsverfahren berücksichtigen. Die Klärung der Zuständigkeitsfrage war und ist alles andere als einfach. Denn für ehemalige Bergwerke, die dem Bergrecht unterfielen während ihres Betriebes, ist grundsätzlich das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) als Fachbehörde, welche im Übrigen auch als einzige über fachlich geschultes Personal für die Bewertung von Grubenbauen verfügt, zuständig. Allerdings ist vorliegend umstritten, ob die Stollensysteme in Ahlem jemals dem Bergrecht unterfielen, was insbesondere davon abhängt, nach welchem Rechtsregime die Nutzung 1944 erfolgte. Zudem ist auch die Frage schwierig zu klären, ob die Stollensysteme heute nicht dem Bodenschutzrecht unterfallen. Zuständig hierfür wäre dann die Region Hannover als Untere Bodenschutzbehörde.

Ist es nicht letztlich egal, welche Behörde zuständig ist?

Richtig ist, dass es nun primär darauf ankommt, dass gehandelt wird. Allerdings ist die Zuständigkeitsfrage mehr als bloß eine Formalie. Denn wenn z.B. bei der Erkundung vor Ort auch Duldungsverfügungen gegen Grundstückseigentümer*innen zur Betretung ihres Grundstücks erlassen werden müssen, ist dies rechtlich nur dann (rechtmäßig) möglich, wenn die zuständige Behörde handelt. Auch hängt hieran am Ende selbstverständlich die Frage der Kostentragungspflicht.

Bedeutet dies, dass aufgrund eines „Zuständigkeitsrouletts“ weiter nichts passiert?

Nein. Das Land Niedersachsen (Oberste Bauaufsichtsbehörde, Oberste Bodenschutzbehörde, jeweils im Niedersächsischen Umweltministerium sowie das LBEG als Fachbehörde), die Region Hannover als Untere Bodenschutzbehörde und die Landeshauptstadt Hannover als allgemeine Gefahrenabwehrbehörde haben sich zusammengetan und beschlossen, dass nunmehr direkt mit der dreistufigen Erkundung gestartet werden soll. Die Zuständigkeits- und Kostentragungsfrage wird parallel geklärt.

Wann geht es denn nun endlich los?

Die Erkundung gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Schritte (siehe oben Frage 1.). Die Landeshauptstadt Hannover und die Region Hannover sind dabei mit dem ersten Schritt vorangegangen und haben die erste Stufe der Erkundung ausgeschrieben. Der Auftrag wurde zwischenzeitlich an eine Spezialfirma aus NRW vergeben.

Ist denn noch Zeit dafür, jetzt noch zunächst eine historische Recherche in der ersten Stufe der Erkundung durchzuführen? Müsste nicht direkt gehandelt werden?

Nein. Die historische Recherche ist keineswegs eine historische Aufarbeitung der Geschichte der Asphaltgruben. Vielmehr ist der Abgleich der Kartierungen etc. Voraussetzung dafür, um ein Erkundungskonzept zu erstellen. Es kann nicht einfach ohne Konzept vor Ort erkundet werden. Deshalb ist diese erste Stufe zwingend erforderlich. Es bringt auch nichts, vor Ort planlos Sondierungsbohrungen vorzunehmen. Denn hierdurch würde kein vollständiges Bild über den Zustand der Gruben entstehen.

Werden wir denn weiterhin informiert?

Ja. Die Landeshauptstadt Hannover wird sowohl die betroffenen Grundstückseigentümer*innen, die Öffentlichkeit über die Presse und die politischen Gremien über den aktuellen Sachstand informieren. Am 16.11.21 hat eine Bürger*innenversammlung vor Ort stattgefunden. Eine weitere solche Versammlung wird es geben, wenn die Ergebnisse der ersten Stufe der Erkundung vorliegen.

Wo finde ich die Präsentation aus der Bürger*innenversammlung am 16.11.21?

Sie können sich die Präsentation der Bauverwaltung aus der Bürger*innenversammlung hier ansehen.

Sind durch die öffentliche Diskussion nicht die Grundstückswerte gesunken?

Diese Frage kann von Seiten der Verwaltung nicht beantwortet werden, da die Preisbildung am freien Markt erfolgt. Wichtig ist aber zu betonen, dass Ursache nicht ist, dass die Verwaltung die Erkundung nunmehr startet, sondern dass oberhalb von Altbergbau Bebauung entstanden ist. Die Verwaltung tut alles dafür, so schnell wie möglich zu einer Verfüllung zu kommen, um das Problem ein für alle Mal zu lösen.

Ist eine Verfüllung technisch überhaupt möglich, es wurden doch Zweifel daran geäußert?

Sowohl nach Einschätzung des LBEG als auch der Spezialfirmen, mit denen wir gesprochen haben, ist dies möglich. Zudem hat eine Teilverfüllung unterhalb des Rewe-Supermarktes in der Heisterbergallee auch erfolgreich stattgefunden.

Ich habe etwas von einer Kampfmittelsondierung gehört. Was hat es damit auf sich?

Damit in der zweiten Stufe der Erkundung vor Ort sondiert werden kann, muss der Boden kampfmittelfrei sein. Die LHH hat durch die dafür zuständige Berufsfeuerwehr eine Luftbildauswertung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes veranlasst. Die Ergebnisse liegen vor. Das Gebiet ist überwiegend unbelastet. Gleichwohl gibt es einige Flächen, auf denen eine Sondierung vor Ort stattfinden muss. Diese wird durch eine von der LHH beauftragte Firma durchgeführt.  Die Sondierung nach Kampfmitteln wird kurzfristig starten, die Berufsfeuerwehr als federführende Stelle der LHH kommt diesbezüglich auf die betroffenen Grundstückseigentümer*innen zu.

Wer trägt die Kosten der Kampfmittelsondierung?

Bestätigt sich bei der Sondierung der Kampfmittelverdacht nicht, trägt die LHH die Kosten. Wird ein Kampfmittel gefunden, ist grundsätzlich der*die Eigentümer*in als Zustandsstörer einstandspflichtig für die entstehenden Kosten bis zur so genannten „Opfergrenze“. Die LHH legt diese Grenze aber zu Ihren Gunsten großzügig aus. Auch im Falle eines Kampfmittelfundes werden Sie deshalb nur dann für die Kosten herangezogen, wenn Ihr über den Vermögenswert des Grundstücks hinaus bestehendes Vermögen nach Abzug aller Verbindlichkeiten mehr als 500.000 € beträgt. Näheres finden Sie in diesem Informationsflyer.