Mitten in Hannover und unweit des Zoos liegt eine besondere Fläche: Bereits 1996 hat die Landeshauptstadt in der nördlichen Eilenriede eine 22,5 Hektar große Naturwaldparzelle ausgewiesen. Seitdem werden dort keine Bäume mehr gefällt. Stattdessen kann sich der Wald weitgehend natürlich entwickeln.
Bei einem Termin am 21. August stellte der Bereich Forsten, Landschaftsräume und Naturschutz der Landeshauptstadt die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte und aktuelle Erkenntnisse zum Waldnaturschutz vor. Der Prozess in der Naturwaldparzelle wird wissenschaftlich begleitet. Die Erkenntnisse dienen unter anderem dazu, die natürliche Entwicklung des Waldes zu beobachten und Erkenntnisse für den Waldnaturschutz zu gewinnen.
Von einem echten Urwald kann nach 30 Jahren natürlicher Entwicklung noch nicht gesprochen werden. Alte und mächtige Bäume, Totholz und andere natürliche Waldstrukturen bieten inzwischen jedoch Lebensraum für eine bemerkenswerte Artenvielfalt.
Biolog*innen und Umweltverbände haben in der Naturwaldparzelle bislang 53 Brutvogelarten, 75 Stechimmenarten, darunter Wildbienen, 13 Fledermausarten und 301 Käferarten nachgewiesen.
Besonders bemerkenswert ist der Fund von neun sogenannten „Urwaldreliktarten“. Dabei handelt es sich um Käferarten, die auf besonders naturnahe Wälder mit alten Strukturen wie Höhlenbäumen und Alteichen angewiesen sind. Zu den nachgewiesenen Arten gehört auch der streng geschützte Eremit (Osmoderma eremita).
Einen besonderen Anlass bot das Jubiläum auch für zwei Bechsteinfledermäuse: Der BUND entließ die beiden Tiere am 21. August in der Eilenriede zurück in die Freiheit. Sie waren vor einigen Monaten in teilweise gesundheitlich schlechtem Zustand gefunden und anschließend vom BUND gepflegt worden.
Die alten, totholzreichen Buchen- und Eichenbestände der Eilenriede entsprechen den Lebensraumansprüchen der Bechsteinfledermaus und bieten den Tieren geeignete Bedingungen.
Die Fläche in der nördlichen Eilenriede ist längst nicht die einzige Naturwaldparzelle Hannovers. Die Landeshauptstadt hat das Konzept über die Jahre schrittweise auf weitere Bereiche ausgeweitet.
Mittlerweile entwickeln sich 148 Hektar und damit rund zehn Prozent der städtischen Forstbetriebsfläche als Naturwaldparzellen ohne reguläre forstliche Nutzung.