Ab Oktober entstehen in der Cäcilienstraße 5 drei Notschlafplätze, in denen junge Erwachsene für eine oder mehrere Nächte unterkommen können, ohne sich zuvor anmelden zu müssen. Zudem werden 15 Plätze für 18- bis 21-Jährige in Wohngemeinschaften bereitgestellt. Die jungen Menschen können dort für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten wohnen und werden von Sozialarbeiter*innen begleitet, um zur Ruhe zu kommen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Das Projekt baut neben den Erfahrungen und Bedarfen aus der Jugendhilfe auch auf der Expertise des Fachbereichs Gesellschaftliche Teilhabe auf. Grundlage hierfür sind die Erkenntnisse aus dem Projekt „Plan B OK (Orientierungs- und Klärungsangebot)“, das von der Stadt und Region Hannover finanziert wurde und von 2021 bis 2024 in der Cäcilienstraße 5 angesiedelt war. Das Angebot wurde vorrangig von jungen Menschen genutzt, um sich im Rahmen einer sechsmonatigen Orientierungs- und Klärungsphase zu stabilisieren. Auch nach dem Ende des Projekts wird das Gebäude weiterhin für die Unterbringung junger Erwachsener genutzt. Der neue Projektansatz ergänzt dieses Angebot nun um ein passendes Betreuungskonzept.
In der Landeshauptstadt Hannover besteht eine Versorgungslücke für junge Erwachsene zwischen 18 und 21 Jahren, die von Obdachlosigkeit bedroht oder betroffen sind. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und reichen von finanziellen und psychischen Belastungen über Drogenkonsum bis hin zu familiären Konflikten. Häufig kann die Situation zunächst durch Übernachtungen bei Bekannten („Couchsurfing“ bzw. „Couchhopping“) aufgefangen werden. Diese Möglichkeit steht jedoch oft nur vorübergehend zur Verfügung, während regulärer Wohnraum für die Betroffenen nur schwer zugänglich ist.
Susanne Blasberg-Bense, Dezernentin für Jugend, Familie und Sport:
„Junge Erwachsene benötigen einen geschützten Wohnraum sowie intensive sozialpädagogische Begleitung, um soziale Schwierigkeiten zu überwinden. Bestehende Angebote der Wohnungslosenhilfe werden von dieser Zielgruppe gemieden. Deswegen sind wir sehr glücklich, dass wir nun innerhalb der Stadtverwaltung ein derartig bundesweit einmaliges Angebot geschaffen haben, um vor allem dieser bislang zu wenig berücksichtigten Gruppe junger Menschen dabei zu helfen, einen guten Weg ins Leben zu finden“, sagt Susanne Blasberg-Bense, Hannovers Dezernentin für Jugend, Familie und Sport.
Das Objekt in der Cäcilienstraße 5 wird seit 2012 vom Fachbereich Gesellschaftliche Teilhabe zur Unterbringung genutzt. Die Nutzung ist derzeit bis zum 31. Mai 2029 gesichert; das Gebäude wird für die Umsetzung des Projekts zur Verfügung gestellt.
Es handelt sich um ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen auf vier Etagen. Jede Wohnung verfügt über drei Zimmer, eine Küche und ein Bad. Dadurch können kleine Wohngemeinschaften eingerichtet sowie zusätzliche Räume für die soziale Arbeit und einen Sicherheitsdienst bereitgestellt werden.
Die Belegung der Plätze wird gemeinsam durch die städtischen Fachbereiche Jugend und Familie sowie Gesellschaftliche Teilhabe gesteuert. Personen, die derzeit in der Cäcilienstraße 5 wohnen und älter als 21 Jahre sind, erhalten nach Beschlussfassung eine Neuzuweisung in andere Unterkünfte.